„Scary Barbie“

„Es ist absurd“ – Schwarzes Loch „spaghettifiziert“ riesigen Stern seit 800 Tagen

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Ein schwarzes Loch verspeist seit mehr als 800 Tagen genüsslich einen riesigen Stern. Die Forschung ist von dem Objekt namens „Scary Barbie“ begeistert.

West Lafayette – Kommt ein Stern einem schwarzen Loch zu nah, wird er von dessen Schwerkraft angezogen und wortwörtlich „spaghettifiziert“: Das Material, aus dem der Stern besteht, wird langgezogen und zu einem nudelähnlichen Strang, der sich um das schwarze Loch windet und schließlich vertilgt wird. Es ist ein dramatischer, feuriger Tod, der den Stern für einige Zeit hell strahlen lässt und der in der Astronomie als „Transient“ gilt – ein Ereignis, das nach kurzer Zeit beendet ist.

Ein Forschungsteam um Danny Milisavljevic von der Purdue University in West Lafayette hat ein solches Objekt entdeckt – und bei einer genaueren Analyse überraschende Erkenntnisse gewonnen. „Es ist absurd. Nimmt man eine typische Supernova und multipliziert sie mit dem Tausendfachen, ist sie immer noch nicht so hell wie dieses Objekt – und Supernovae gehören zu den leuchtkräftigsten Objekten am Himmel“, erklärt Milisavljevic in einer Mitteilung seiner Universität.

Schwarzes Loch verschlingt riesigen Stern – Objekt „Scary Barbie“ erstaunt Forschung

Der Forscher ist ein Experte für Lebenszyklen von Sternen und erforscht mit einem Team das mysteriöse Objekt ZTF20abrbeie, das den Spitznamen „Scary Barbie“ bekommen hat. „Barbie“ haben die Forschenden aus dem automatisch generierten kryptischen Namen ZTF20abrbeie abgeleitet. „Scary“, also „gruselig“ oder „beängstigend“, nenne man das Objekt, weil es „so ein Ausreißer ist. Seine Eigenschaften sind erschreckend“, wie Milisavljevic erklärt. „Das ist das energiereichste Phänomen, das ich je erlebt habe.“

In einer Forschungsarbeit, die Milisavljevic und sein Team auf dem Preprint-Server ArXiv veröffentlicht haben und die zur Publikation im Fachjournal The Astrophysical Journal Letters angenommen wurde, werden die Daten von „Scary Barbie“ analysiert. Das Forschungsteam kommt zu einem eindeutigen Schluss: „Wir denken, ein supermassereiches schwarzes Loch hat einen Stern angezogen und reißt ihn auseinander“, erklärt Bhagya Subrayan, einer der Co-Autoren der Studie.

„Scary Barbie“: Objekt ist seit mehr als 800 Tagen zu sehen

„Scary Barbie“ ist nicht nur um Größenordnungen heller und energiereicher als alle Transienten, die die Wissenschaft bisher entdeckt hat, sondern hält auch viel länger an als gewöhnliche Transienten. Meist ist ein solches Ereignis nach mehreren Wochen oder Monaten vorbei – doch „Scary Barbie“ dauert bereits mehr als 800 Tage an. „Die Dauer ist mit nichts vergleichbar, was wir je zuvor gesehen haben“, betont Subrayan. Die neusten Daten der Forschenden zeigen, dass „Scary Barbie“ noch jahrelang sichtbar sein könnte.

Entdeckungen wie diese öffnen uns die Augen dafür, dass wir immer noch Geheimnisse aufdecken und Wunder im Universum erforschen – Dinge, die noch nie jemand gesehen hat.

Danny Milisavljevic, Purdue University

Obwohl „Scary Barbie“ ungewöhnlich hell ist und bereits seit langer Zeit anhält, wurde das Objekt erst spät und nur mithilfe künstlicher Intelligenz entdeckt. Die Erklärung dafür ist dem Forschungsteam zufolge recht einfach: Es befindet sich sehr weit entfernt und versteckte sich in einer Himmelsregion, die von der Forschung eher vernachlässigt wird. Nur mithilfe eines KI-Programms aus dem Labor Milisavljevics wurde sie entdeckt. Die „Recommender Engine for Intelligent Transient Tracking“ (REFITT) durchkämmt die Beobachtungen mehrerer Teleskope nach Beobachtungen, die für die Forschung interessant sein könnten.

Blick in die Tiefen des Universums – So sieht „Hubble“ das Weltall

Der Blasennebel (NGC 7635) im Sternbild Kassiopeia ist ein Emissionsnebel in etwa 7100 Lichtjahren Entfernung von der Erde. Seine Blasen-Form entsteht durch den Sternwind eines Sterns, der gerade große Mengen an Gas ausstößt. Die Gase stoßen auf eine riesige Molekülwolke, die sich in dieser Region befindet – eine Stoßwelle entsteht, die die äußere Hülle der Gasblase bildet.
Der Blasennebel (NGC 7635) im Sternbild Kassiopeia ist ein Emissionsnebel in etwa 7100 Lichtjahren Entfernung von der Erde. Seine Blasen-Form entsteht durch den Sternwind eines Sterns, der gerade große Mengen an Gas ausstößt. Die Gase stoßen auf eine riesige Molekülwolke, die sich in dieser Region befindet – eine Stoßwelle entsteht, die die äußere Hülle der Gasblase bildet. © NASA, ESA, and the Hubble Heritage Team (STScI/AURA)
Dieses Aufnahme des „Hubble“-Weltraumteleskops zeigt den offenen Sternhaufen Trumpler 14 (auch Collinder 230) im Sternbild „Kiel des Schiffs“. Der Sternhaufen befindet sich etwa 9000 Lichtjahre entfernt im Carinanebel. Er ist einer der jüngeren Sternhaufen der Milchstraße und nur etwa 300.000 bis 500.000 Jahre alt. Trumpler 14 beherbert etwa 2000 junge Sterne, unter anderem einen der hellsten Sterne der Milchstraße.
Dieses Aufnahme des „Hubble“-Weltraumteleskops zeigt den offenen Sternhaufen Trumpler 14 (auch Collinder 230) im Sternbild „Kiel des Schiffs“. Der Sternhaufen befindet sich etwa 9000 Lichtjahre entfernt im Carinanebel. Er ist einer der jüngeren Sternhaufen der Milchstraße und nur etwa 300.000 bis 500.000 Jahre alt. Trumpler 14 beherbert etwa 2000 junge Sterne, unter anderem einen der hellsten Sterne der Milchstraße. © NASA, ESA, and J. Maíz Apellániz (Institute of Astrophysics of Andalusia, Spain); Acknowledgment: N. Smith (University of Arizona)
Die „Säulen der Schöpfung“ sind eines der berühmtesten „Hubble“-Bilder überhaupt. Hier blickt das Nasa-Weltraumteleskop auf eine kleine Region des Adler-Nebels (M16), es handelt sich um ein Sternenentstehungsgebiet etwa 6500 Lichtjahre von der Erde entfernt.
Die „Säulen der Schöpfung“ sind eines der berühmtesten „Hubble“-Bilder überhaupt. Hier blickt das Nasa-Weltraumteleskop auf eine kleine Region des Adler-Nebels (M16), es handelt sich um ein Sternenentstehungsgebiet etwa 6500 Lichtjahre von der Erde entfernt. © NASA, ESA, and the Hubble Heritage Team (STScI/AURA)
Die Spiralgalaxie M83 (südliche Feuerradgalaxie) ist ein beliebtes Ziel für Amateurastronomen. Sie befindet sich 15 Millionen Lichtjahre entfernt im Sternbild Wasserschlange und ist am Himmel auf der südlichen Erdhalbkugel eine der hellsten Spiralgalaxien. In der „Hubble“-Aufnahme sind tausende Sternenhaufen, hunderttausende einzelne Sterne und Überbleibsel von Sternentoden (Supernovae) zu sehen.
Die Spiralgalaxie M83 (südliche Feuerradgalaxie) ist ein beliebtes Ziel für Amateurastronomen. Sie befindet sich 15 Millionen Lichtjahre entfernt im Sternbild Wasserschlange und ist am Himmel auf der südlichen Erdhalbkugel eine der hellsten Spiralgalaxien. In der „Hubble“-Aufnahme sind tausende Sternenhaufen, hunderttausende einzelne Sterne und Überbleibsel von Sternentoden (Supernovae) zu sehen. © NASA, ESA, and the Hubble Heritage Team (STScI/AURA); Acknowledgement: W. Blair (STScI/Johns Hopkins University) and R. O‘Connell (University of Virginia)
Der Ring-Nebel (M57) ist ein planetarischer Nebel im Sternbild Leier. Es handelt sich um die leuchtenden Überreste eines einst sonnenähnlichen Sterns, der vor etwa 20.000 Jahren seine äußere Gashülle abgestoßen hat. Der Ring hat einen Durchmesser von etwa 1,3 Lichtjahren. Im Inneren befindet sich ein weißer Zwergstern.
Der Ring-Nebel (M57) ist ein planetarischer Nebel im Sternbild Leier. Es handelt sich um die leuchtenden Überreste eines einst sonnenähnlichen Sterns, der vor etwa 20.000 Jahren seine äußere Gashülle abgestoßen hat. Der Ring hat einen Durchmesser von etwa 1,3 Lichtjahren. Im Inneren befindet sich ein weißer Zwergstern. © NASA, ESA, C.R. O‘Dell (Vanderbilt University), and D. Thompson (Large Binocular Telescope Observatory)
Der ikonische Pferdekopfnebel ist ein beliebtes Ziel für Amateur- und Berufsastronomen. Der Pferdekopfnebel ist Teil einer Dunkelwolke im Sternbild Orion, die von einem rot leuchtenden Nebel (IC 434) beleuchtet wird. Der Nebel ist etwa 1500 Lichtjahre von der Erde entfernt.
Der ikonische Pferdekopfnebel ist ein beliebtes Ziel für Amateur- und Berufsastronomen. Der Pferdekopfnebel ist Teil einer Dunkelwolke im Sternbild Orion, die von einem rot leuchtenden Nebel (IC 434) beleuchtet wird. Der Nebel ist etwa 1500 Lichtjahre von der Erde entfernt. © NASA, ESA, and the Hubble Heritage Team (STScI/AURA)
Diese Aufnahme der elliptischen Radiogalaxie Hercules A stammt ebenfalls vom „Hubble“-Weltraumteleskop der Nasa. Die Galaxie ist 2,1 Milliarden Lichtjahre entfernt und befindet sich im Sternbild Herkules. Zu sehen sind riesige Plasma-Jets, die vermutlich von einem supermassereichen schwarzen Loch im Innern der Galaxie angetrieben werden.
Diese Aufnahme der elliptischen Radiogalaxie Hercules A stammt ebenfalls vom „Hubble“-Weltraumteleskop der Nasa. Die Galaxie ist 2,1 Milliarden Lichtjahre entfernt und befindet sich im Sternbild Herkules. Zu sehen sind riesige Plasma-Jets, die vermutlich von einem supermassereichen schwarzen Loch im Innern der Galaxie angetrieben werden. © NASA, ESA, S. Baum and C. O‘Dea (RIT), R. Perley and W. Cotton (NRAO/AUI/NSF), and the Hubble Heritage Team (STScI/AURA)
Auf diesem Bild sind zwei Spiralgalaxien zu sehen, die miteinander interagieren. Die Gruppe trägt den Namen Arp 273. Dass die beiden Galaxien in dieser Gruppe miteinander interagieren oder interagiert haben, erkennt man der US-Raumfahrtorganisation Nasa zufolge an den ungewöhnlichen Spiral-Mustern. Arp 273 ist etwa 300 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt, und auch die beiden Galaxien liegen eigentlich zehntausende Lichtjahre weit auseinander. Nur eine sehr zarte „Brücke“ verbindet die beiden.
Auf diesem Bild sind zwei Spiralgalaxien zu sehen, die miteinander interagieren. Die Gruppe trägt den Namen Arp 273. Dass die beiden Galaxien in dieser Gruppe miteinander interagieren oder interagiert haben, erkennt man der US-Raumfahrtorganisation Nasa zufolge an den ungewöhnlichen Spiral-Mustern. Arp 273 ist etwa 300 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt, und auch die beiden Galaxien liegen eigentlich zehntausende Lichtjahre weit auseinander. Nur eine sehr zarte „Brücke“ verbindet die beiden. © NASA, ESA, and the Hubble Heritage Team (STScI/AURA)
Eine majestätische Spiralgalaxie ist auf diesem Bild des „Hubble“-Weltraumteleskops der Nasa zu sehen. Es handelt sich um die Spiralgalaxie NGC 2841, die 46 Millionen Lichtjahre entfernt, im Sternbild Großer Bär zu finden ist.
Eine majestätische Spiralgalaxie ist auf diesem Bild des „Hubble“-Weltraumteleskops der Nasa zu sehen. Es handelt sich um die Spiralgalaxie NGC 2841, die 46 Millionen Lichtjahre entfernt, im Sternbild Großer Bär zu finden ist. © NASA, ESA, and the Hubble Heritage (STScI/AURA)-ESA/Hubble Collaboration; Acknowledgment: M. Crockett and S. Kaviraj (Oxford University, UK), R. O‘Connell (University of Virginia), B. Whitmore (STScI), and the WFC3 Scientific Oversight Committee
Wie ein Feuerwerk sieht diese „Hubble“-Aufnahme aus. Tatsächlich handelt es sich um das Sternentstehungsgebiet NGC 3603 im Sternbild „Kiel des Schiff“. Der Nebel ist etwa 20.000 Lichtjahre entfernt und längst nicht so friedlich, wie er aussieht: UV-Strahlung und heftige Sternenwinde haben den Blick auf den Sternhaufen freigegeben. NGC 3603 behebergt einige der größten bekannten Sterne. Sie sterben früh, weil sie ihren Wasserstoff schnell verbrennen am Ende steht eine Supernova-Explosion.
Wie ein Feuerwerk sieht diese „Hubble“-Aufnahme aus. Tatsächlich handelt es sich um das Sternentstehungsgebiet NGC 3603 im Sternbild „Kiel des Schiff“. Der Nebel ist etwa 20.000 Lichtjahre entfernt und längst nicht so friedlich, wie er aussieht: UV-Strahlung und heftige Sternenwinde haben den Blick auf den Sternhaufen freigegeben. NGC 3603 behebergt einige der größten bekannten Sterne. Sie sterben früh, weil sie ihren Wasserstoff schnell verbrennen am Ende steht eine Supernova-Explosion. © NASA, ESA, R. O‘Connell (University of Virginia), F. Paresce (National Institute for Astrophysics, Bologna, Italy), E. Young (Universities Space Research Association/Ames Research Center), the WFC3 Science Oversight Committee, and the Hubble Heritage Team (STScI/AURA)

Schwarzes Loch vertilgt Stern – „Nur wenige Dinge, die so mächtig sein können“

„Scary Barbie“ sei „so anders als alles bisher Bekannte“, dass die Forschungsgruppe zu Beginn nicht einmal versucht habe, das Objekt zu klassifizieren, berichtet Milisavljevic. Mithilfe von weiterführender Daten großer Teleskope gelang es dem Team dann schließlich, zu verstehen, was „Scary Barbie“ überhaupt ist. Der Forscher ist von dem Fund begeistert: „Es gibt nur wenige Dinge im Universum, die so mächtig sein können“, sagt er. „Entdeckungen wie diese öffnen uns die Augen dafür, dass wir immer noch Geheimnisse aufdecken und Wunder im Universum erforschen – Dinge, die noch nie jemand gesehen hat.“ (tab)

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Im Herbst 2022 hat ein weiterer Transient für Aufsehen gesorgt: Der „hellste Gammastrahlenausbruch seit Beginn der menschlichen Zivilisation“ hat damals die Erde getroffen.

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