Start-up arbeitet an „Revolution“

Rakete von deutscher Firma soll diese Woche starten – mit Kerzenwachs im Tank

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Rakete aus Deutschland: SR75 von HyImpulse soll kommende Woche starten.
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Crunchtime für das deutsche Start-up HyImpulse. Am Dienstag soll die Trägerrakete SR75 abheben – und auf lange Sicht den Weltraumverkehr revolutionieren.

Koonibba – Ein Unternehmen aus Heidelberg arbeitet in Australien auf Hochtouren. Das deutsche Start-up steht kurz vor einem Meilenstein: Am Dienstag (30. April) will HyImpulse eine kommerzielle Trägerrakete starten. Erstmals seit Jahrzehnten geht eine deutsche Firma diesen Schritt.

Deutsches Start-up will diese Woche Rakete starten – So beschreibt HyImpulse die SR75

Zwölf Meter lang ist die Trägerrakete SR75, hat eine Nutzlast von 250 Kilogramm und soll den Transport von Kleinsatelliten im Orbit auf einen neuen Stand bringen. „Bisher gibt es vor allem Raketen auf dem Markt, die man sich wie Busse oder Züge vorstellen kann. Sie laden an Satelliten an bestimmten Orten im Orbit ab – wie an einer Haltestelle“, sagt Co-CEO Christian Schmierer. „Unsere Rakete ist eher wie ein Taxi.“

HyImpulse will damit ein revolutionäres Angebot auf den Markt bringen. Zum einen gibt es in Europa momentan keinen anderen Anbieter, zum anderen will das deutsche Unternehmen die Konkurrenz aus China und den USA vor allem beim Preis ausstechen. „Unsere Mission ist es, den Zugang zum Weltraum zu revolutionieren, indem wir ihn sowohl erschwinglich als auch ökologisch nachhaltig machen“, schreibt das Unternehmen auf seiner Website.

Rakete fliegt mit Kerzenwachs und flüssigem Sauerstoff: Deutsches Unternehmen will Preise massiv senken

Das Besondere ist das Antriebskonzept der Rakete. Sie fliegt mit Kerzenwachs und flüssigem Sauerstoff. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet HyImpulse an dieser Triebwerkstechnologie. „Es gibt keine kommerzielle Rakete, die so eine Technologie in groß anwendet“, sagt Martin Tajmar, Experte für Raumfahrttechnik an der TU Dresden. Der Antrieb benötigt weniger Bauteile als herkömmliche Produktionen und ist deshalb deutlich günstiger.

6500 Euro pro Kilogramm Nutzlast sollen Kunden in Zukunft bezahlen, erklärt HyImpulse. Ein Start kostet rund sechs Millionen Euro. Zu den Kunden gehört beispielsweise die Automobilindustrie, die Satelliten für die Navigation von autonomen Fahren braucht, erklärt Co-CEO Schmierer. Die Auftragsbücher seien bereits gut gefüllt.

Ins All geht SR75 aber am Dienstag nicht. Auch wenn die Rakete laut Unternehmen dazu fähig wäre, die Genehmigung fehlt. HyImpulse arbeitet an weiteren Tests sowie an einer zweiten Rakete. In etwa zwei Jahren sollen sie die ersten Satelliten ins Weltall transportieren.

Raketen-Konkurrenz zu SpaceX und Elon Musk: „Wir brauchen als Europäer Unabhängigkeit“

Aber warum der deutsche Vorstoß? Tech-Milliardär Elon Musk dominiert mit SpaceX den Markt der sogenannten Microlauncher und ist für 90 Prozent der internationalen Raketenstarts verantwortlich. Danach folgt China.

„Wir brauchen auch als Europäer Unabhängigkeit von den Amerikanern, auch wenn sie unsere Partner sind“, sagt Schmierer. Verstecken will sich das deutsche Unternehmen nicht. Auch Musk habe mit einer kleinen Rakete angefangen, sei dann relativ schnell auf große Modelle übergegangen.

Sowieso scheint Deutschland den Raketenmarkt zu entdecken. In Bayern arbeiten auch Rocket Factory (Augsburg) und Isar Aerospace (München) an der Entwicklung von Microlaunchern. Alle drei Unternehmen wurden in den vergangenen drei Jahren gegründet und befinden sich jetzt im Wettlauf. Denn: So viele deutsche Anbieter brauche es auf dem relativ kleinen Markt nicht, sagt der ehemalige Astronaut Ulrich Walter. Es werde sich zeigen, welches Start-up sich durchsetzen kann. (moe/dpa)

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