100 Lichtjahre entfernt

Zwei Super-Erden entdeckt – einer der Planeten könnte lebensfreundlich sein

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Ein Exoplanet umkreist einen Stern. (Künstlerische Darstellung)
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Forschende entdecken zwei Super-Erden – einer der Planeten bekommt ganz besondere Aufmerksamkeit, denn auf ihm könnte flüssiges Wasser möglich sein.

Liège – Um einen kleinen, kühlen Stern, der etwa 100 Lichtjahre von der Erde entfernt ist, haben Forschende eine spannende Entdeckung gemacht: Gleich zwei Super-Erden umkreisen den Stern, der gleich unter drei verschiedenen Namen (LP 890-9, TOI-4306 und SPECULOOS-2) bekannt ist. Der innere der beiden neu entdeckten Planeten, TOI-4306b, wurde zuerst vom Nasa-Weltraumteleskop „Tess“ entdeckt, das den Weltraum kontinuierlich nach neuen Exoplaneten durchsucht. Forschende der Universität im belgischen Liège nutzten anschließend das erdbasierte SPECULOOS-Teleskopsystem, um den Planeten zu bestätigen und ihn genauer zu charakterisieren.

Dabei entdeckten sie einen zweiten – bisher unbekannten – Planeten, der den kühlen Stern ebenfalls umkreist. Dieser Planet, von den Forschenden SPECULOOS-2c oder LP 890-9c genannt, hat eine ähnliche Größe wie der zuerst entdeckte Planet, doch er unterscheidet sich in einem Punkt signifikant von ihm: Während der von „Tess“ entdeckte Planet seinen Stern innerhalb von 2,7 Tagen umkreist, benötigt der zweite, bisher unbekannte Planet, dafür 8,5 Tage. Der Unterschied ist entscheidend: Nimmt man die Umlaufbahn, die Eigenschaften des Sterns und die des Planeten zusammen, dürfte sich der Planet LP 890-9c in der sogenannten „bewohnbaren Zone“ des Sterns befinden. Damit ist die Region gemeint, in der die Temperatur flüssiges Wasser an der Planetenoberfläche ermöglicht.

Blick in die Tiefen des Universums – So sieht „Hubble“ das Weltall

Der Blasennebel (NGC 7635) im Sternbild Kassiopeia ist ein Emissionsnebel in etwa 7100 Lichtjahren Entfernung von der Erde. Seine Blasen-Form entsteht durch den Sternwind eines Sterns, der gerade große Mengen an Gas ausstößt. Die Gase stoßen auf eine riesige Molekülwolke, die sich in dieser Region befindet – eine Stoßwelle entsteht, die die äußere Hülle der Gasblase bildet.
Der Blasennebel (NGC 7635) im Sternbild Kassiopeia ist ein Emissionsnebel in etwa 7100 Lichtjahren Entfernung von der Erde. Seine Blasen-Form entsteht durch den Sternwind eines Sterns, der gerade große Mengen an Gas ausstößt. Die Gase stoßen auf eine riesige Molekülwolke, die sich in dieser Region befindet – eine Stoßwelle entsteht, die die äußere Hülle der Gasblase bildet. © NASA, ESA, and the Hubble Heritage Team (STScI/AURA)
Dieses Aufnahme des „Hubble“-Weltraumteleskops zeigt den offenen Sternhaufen Trumpler 14 (auch Collinder 230) im Sternbild „Kiel des Schiffs“. Der Sternhaufen befindet sich etwa 9000 Lichtjahre entfernt im Carinanebel. Er ist einer der jüngeren Sternhaufen der Milchstraße und nur etwa 300.000 bis 500.000 Jahre alt. Trumpler 14 beherbert etwa 2000 junge Sterne, unter anderem einen der hellsten Sterne der Milchstraße.
Dieses Aufnahme des „Hubble“-Weltraumteleskops zeigt den offenen Sternhaufen Trumpler 14 (auch Collinder 230) im Sternbild „Kiel des Schiffs“. Der Sternhaufen befindet sich etwa 9000 Lichtjahre entfernt im Carinanebel. Er ist einer der jüngeren Sternhaufen der Milchstraße und nur etwa 300.000 bis 500.000 Jahre alt. Trumpler 14 beherbert etwa 2000 junge Sterne, unter anderem einen der hellsten Sterne der Milchstraße. © NASA, ESA, and J. Maíz Apellániz (Institute of Astrophysics of Andalusia, Spain); Acknowledgment: N. Smith (University of Arizona)
Die „Säulen der Schöpfung“ sind eines der berühmtesten „Hubble“-Bilder überhaupt. Hier blickt das Nasa-Weltraumteleskop auf eine kleine Region des Adler-Nebels (M16), es handelt sich um ein Sternenentstehungsgebiet etwa 6500 Lichtjahre von der Erde entfernt.
Die „Säulen der Schöpfung“ sind eines der berühmtesten „Hubble“-Bilder überhaupt. Hier blickt das Nasa-Weltraumteleskop auf eine kleine Region des Adler-Nebels (M16), es handelt sich um ein Sternenentstehungsgebiet etwa 6500 Lichtjahre von der Erde entfernt. © NASA, ESA, and the Hubble Heritage Team (STScI/AURA)
Die Spiralgalaxie M83 (südliche Feuerradgalaxie) ist ein beliebtes Ziel für Amateurastronomen. Sie befindet sich 15 Millionen Lichtjahre entfernt im Sternbild Wasserschlange und ist am Himmel auf der südlichen Erdhalbkugel eine der hellsten Spiralgalaxien. In der „Hubble“-Aufnahme sind tausende Sternenhaufen, hunderttausende einzelne Sterne und Überbleibsel von Sternentoden (Supernovae) zu sehen.
Die Spiralgalaxie M83 (südliche Feuerradgalaxie) ist ein beliebtes Ziel für Amateurastronomen. Sie befindet sich 15 Millionen Lichtjahre entfernt im Sternbild Wasserschlange und ist am Himmel auf der südlichen Erdhalbkugel eine der hellsten Spiralgalaxien. In der „Hubble“-Aufnahme sind tausende Sternenhaufen, hunderttausende einzelne Sterne und Überbleibsel von Sternentoden (Supernovae) zu sehen. © NASA, ESA, and the Hubble Heritage Team (STScI/AURA); Acknowledgement: W. Blair (STScI/Johns Hopkins University) and R. O‘Connell (University of Virginia)
Der Ring-Nebel (M57) ist ein planetarischer Nebel im Sternbild Leier. Es handelt sich um die leuchtenden Überreste eines einst sonnenähnlichen Sterns, der vor etwa 20.000 Jahren seine äußere Gashülle abgestoßen hat. Der Ring hat einen Durchmesser von etwa 1,3 Lichtjahren. Im Inneren befindet sich ein weißer Zwergstern.
Der Ring-Nebel (M57) ist ein planetarischer Nebel im Sternbild Leier. Es handelt sich um die leuchtenden Überreste eines einst sonnenähnlichen Sterns, der vor etwa 20.000 Jahren seine äußere Gashülle abgestoßen hat. Der Ring hat einen Durchmesser von etwa 1,3 Lichtjahren. Im Inneren befindet sich ein weißer Zwergstern. © NASA, ESA, C.R. O‘Dell (Vanderbilt University), and D. Thompson (Large Binocular Telescope Observatory)
Der ikonische Pferdekopfnebel ist ein beliebtes Ziel für Amateur- und Berufsastronomen. Der Pferdekopfnebel ist Teil einer Dunkelwolke im Sternbild Orion, die von einem rot leuchtenden Nebel (IC 434) beleuchtet wird. Der Nebel ist etwa 1500 Lichtjahre von der Erde entfernt.
Der ikonische Pferdekopfnebel ist ein beliebtes Ziel für Amateur- und Berufsastronomen. Der Pferdekopfnebel ist Teil einer Dunkelwolke im Sternbild Orion, die von einem rot leuchtenden Nebel (IC 434) beleuchtet wird. Der Nebel ist etwa 1500 Lichtjahre von der Erde entfernt. © NASA, ESA, and the Hubble Heritage Team (STScI/AURA)
Diese Aufnahme der elliptischen Radiogalaxie Hercules A stammt ebenfalls vom „Hubble“-Weltraumteleskop der Nasa. Die Galaxie ist 2,1 Milliarden Lichtjahre entfernt und befindet sich im Sternbild Herkules. Zu sehen sind riesige Plasma-Jets, die vermutlich von einem supermassereichen schwarzen Loch im Innern der Galaxie angetrieben werden.
Diese Aufnahme der elliptischen Radiogalaxie Hercules A stammt ebenfalls vom „Hubble“-Weltraumteleskop der Nasa. Die Galaxie ist 2,1 Milliarden Lichtjahre entfernt und befindet sich im Sternbild Herkules. Zu sehen sind riesige Plasma-Jets, die vermutlich von einem supermassereichen schwarzen Loch im Innern der Galaxie angetrieben werden. © NASA, ESA, S. Baum and C. O‘Dea (RIT), R. Perley and W. Cotton (NRAO/AUI/NSF), and the Hubble Heritage Team (STScI/AURA)
Auf diesem Bild sind zwei Spiralgalaxien zu sehen, die miteinander interagieren. Die Gruppe trägt den Namen Arp 273. Dass die beiden Galaxien in dieser Gruppe miteinander interagieren oder interagiert haben, erkennt man der US-Raumfahrtorganisation Nasa zufolge an den ungewöhnlichen Spiral-Mustern. Arp 273 ist etwa 300 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt, und auch die beiden Galaxien liegen eigentlich zehntausende Lichtjahre weit auseinander. Nur eine sehr zarte „Brücke“ verbindet die beiden.
Auf diesem Bild sind zwei Spiralgalaxien zu sehen, die miteinander interagieren. Die Gruppe trägt den Namen Arp 273. Dass die beiden Galaxien in dieser Gruppe miteinander interagieren oder interagiert haben, erkennt man der US-Raumfahrtorganisation Nasa zufolge an den ungewöhnlichen Spiral-Mustern. Arp 273 ist etwa 300 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt, und auch die beiden Galaxien liegen eigentlich zehntausende Lichtjahre weit auseinander. Nur eine sehr zarte „Brücke“ verbindet die beiden. © NASA, ESA, and the Hubble Heritage Team (STScI/AURA)
Eine majestätische Spiralgalaxie ist auf diesem Bild des „Hubble“-Weltraumteleskops der Nasa zu sehen. Es handelt sich um die Spiralgalaxie NGC 2841, die 46 Millionen Lichtjahre entfernt, im Sternbild Großer Bär zu finden ist.
Eine majestätische Spiralgalaxie ist auf diesem Bild des „Hubble“-Weltraumteleskops der Nasa zu sehen. Es handelt sich um die Spiralgalaxie NGC 2841, die 46 Millionen Lichtjahre entfernt, im Sternbild Großer Bär zu finden ist. © NASA, ESA, and the Hubble Heritage (STScI/AURA)-ESA/Hubble Collaboration; Acknowledgment: M. Crockett and S. Kaviraj (Oxford University, UK), R. O‘Connell (University of Virginia), B. Whitmore (STScI), and the WFC3 Scientific Oversight Committee
Wie ein Feuerwerk sieht diese „Hubble“-Aufnahme aus. Tatsächlich handelt es sich um das Sternentstehungsgebiet NGC 3603 im Sternbild „Kiel des Schiff“. Der Nebel ist etwa 20.000 Lichtjahre entfernt und längst nicht so friedlich, wie er aussieht: UV-Strahlung und heftige Sternenwinde haben den Blick auf den Sternhaufen freigegeben. NGC 3603 behebergt einige der größten bekannten Sterne. Sie sterben früh, weil sie ihren Wasserstoff schnell verbrennen am Ende steht eine Supernova-Explosion.
Wie ein Feuerwerk sieht diese „Hubble“-Aufnahme aus. Tatsächlich handelt es sich um das Sternentstehungsgebiet NGC 3603 im Sternbild „Kiel des Schiff“. Der Nebel ist etwa 20.000 Lichtjahre entfernt und längst nicht so friedlich, wie er aussieht: UV-Strahlung und heftige Sternenwinde haben den Blick auf den Sternhaufen freigegeben. NGC 3603 behebergt einige der größten bekannten Sterne. Sie sterben früh, weil sie ihren Wasserstoff schnell verbrennen am Ende steht eine Supernova-Explosion. © NASA, ESA, R. O‘Connell (University of Virginia), F. Paresce (National Institute for Astrophysics, Bologna, Italy), E. Young (Universities Space Research Association/Ames Research Center), the WFC3 Science Oversight Committee, and the Hubble Heritage Team (STScI/AURA)

Zwei Super-Erden umkreisen kühlen Stern – ein Planet könnte lebensfreundlich sein

„Obwohl dieser Planet sehr nah um seinen Stern kreist, in einem Abstand, der etwa zehnmal kürzer ist als der von Merkur um unsere Sonne, ist die Menge an stellarer Strahlung, die er erhält, immer noch gering“, erklärte Franzisco J. Pozuelos, einer der Autoren einer Studie zu der Entdeckung, die im Fachjournal Astronomy & Astrophysics veröffentlicht wurde. „Das könnte das Vorhandensein von flüssigem Wasser auf der Oberfläche des Planeten ermöglichen – vorausgesetzt, er hat eine ausreichende Atmosphäre“, fuhr Pozuelos fort.

Der Stern, um den die Planeten kreisen, ist etwa 6,5 Mal kleiner als unsere Sonne, seine Oberflächentemperatur ist nur etwa halb so hoch wie die der Sonne. „Das erklärt, warum der Planet Bedingungen haben könnte, die Leben ermöglichen, obwohl er so viel näher an seinem Stern ist als die Erde an der Sonne“, erläuterte Pozuelos. Der Planet, der möglicherweise lebensfreundlich ist, ist etwa 40 Prozent größer als die Erde, weshalb er als „Super-Erde“ eingestuft wird. Auch der erste Planet, der in der Umlaufbahn um den Stern entdeckt wurde, gilt als „Super-Erde“ – er ist den Forschenden zufolge etwa 30 Prozent größer als die Erde.

Planet LP 890-9cErde
Radius: 8718 kmRadius: 6378 km
Umlaufdauer: 8,46Umlaufdauer: 365,2
Entfernung vom Stern: 5.959.979 kmEntfernung vom Stern: 149.600.000 km
Quelle: Universität Liège

Auf Exoplanet LP 890-9c könnte es flüssiges Wasser geben – Forschung geht weiter

Nun richtet sich der Blick der Forschung auf den Planeten LP 890-9c, über den jenseits seiner Größe und Umlaufbahn noch nicht viel bekannt ist. Doch das soll sich ändern: Die Forschenden möchten das neue „James Webb“-Weltraumteleskop der Raumfahrtorganisationen Nasa, Esa und CSA nutzen, um mehr über eine mögliche Atmosphäre des Planeten herauszufinden. Ihrer Ansicht nach ist der Planet LP 890-9c das „zweitgünstigste Ziel unter den derzeit bekannten potenziell bewohnbaren terrestrischen Planeten“, heißt es in einer Mitteilung der Universität Liège. Er werde nur noch übertroffen von den „TRAPPIST-1“-Planeten. Dabei handelt es sich um mehrere möglicherweise lebensfreundliche Planeten, die den Exoplaneten „TRAPPIST-1“ umkreisen.

„LP 890-9c befindet sich nahe der inneren Grenze der habitablen Zone und könnte daher eine Atmosphäre haben, die sehr reich an Wasserdampf ist“, erklärte die Hauptautorin der Studie, Laetitia Delrez. „Die Entdeckung von LP 890-9c bietet eine einzigartige Gelegenheit, die Bedingungen für die Bewohnbarkeit um die kleinsten und kältesten Sterne in unserer Sonnenumgebung besser zu verstehen und einzugrenzen.“ Auch die „TRAPPIST-1“-Planeten sollen vom „James Webb“-Teleskop beobachtet werden. Es wird erwartet, dass das neue Weltraumteleskop die Erforschung von Exoplaneten entscheidend voranbringt. (tab)

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