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Erstmals haben zwei Privat-Astronauten einen Außenbordeinsatz durchgeführt. Eine Sache war dabei anders als gewöhnlich – sie betraf alle Crew-Mitglieder.
Update vom 15. September: Die private Weltraum-Mission „Polaris Dawn“ ist beendet. Das Raumschiff Crew Dragon des Unternehmens SpaceX landete am Sonntagvormittag (MESZ) im Meer, wie auf Livebildern des Konzerns zu sehen war. Nach früheren SpaceX-Angaben sollte das Raumschiff in der Nähe der Südspitze Floridas auftreffen.
Begonnen hatte der Ausflug des Milliardärs Jared Isaacman und drei weiterer Laien-Astronauten am Dienstagmorgen. Nach dem Start vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral an der Westküste Floridas stieg der Crew Dragon bis in etwa 1.400 Kilometer Höhe auf .Das sei die größte Entfernung von Menschen zur Erde seit den letzten Apollo-Missionen zum Mond in den frühen 1970er Jahren, hatte SpaceX betont. Die seit Jahrzehnten betriebene Raumstation ISS befindet sich in etwa 400 Kilometern Höhe.
Später folgte der riskanteste Teil der Unternehmung, von SpaceX als „erster kommerzieller Weltraumspaziergang“ angekündigt. Jeweils 15 bis 20 Minuten sollten Isaacman und die SpaceX-Angestellte Sarah Gillis demnach draußen bleiben und die erstmals verwendeten Raumanzüge testen. Frei im Weltraum schwebten die Laien-Astronauten während der jeweils nur wenige Minuten dauernden Aktion rund 740 Kilometer über der Erde aber nicht, sie blieben auf einer Art Leiter im Eingang des Crew Dragon.
Da der Crew Dragon anders als die ISS keine Schleuse besitzt, hatten alle vier Mitglieder der Crew, zu der auch der ehemalige Jetpilot Kidd Poteet und die SpaceX-Mitarbeiterin Anna Menon zählten, in den Raumanzug schlüpfen müssen. Sie waren bei offener Luke ebenfalls dem Vakuum des Weltraums ausgesetzt, in der Kabine gab es keine Atemluft mehr.
Update vom 12. September, 13.26 Uhr: Die Atmosphäre in der Raumkapsel wird derzeit wieder aufgebaut, bevor die Astronautinnen und Astronauten ihre Raumanzüge ausziehen können. Damit ist der eigentliche Weltraumspaziergang – der Teil, bei dem sich Personen außerhalb der Raumkapsel befinden – eigentlich beendet.
Update vom 12. September, 13.18 Uhr: Die Luke zum Weltall ist wieder geschlossen, der Druck in der Raumkapsel steigt bereits wieder etwas.
Update vom 12. September, 13.15 Uhr: Gillis trifft jetzt schon erste Vorbereitungen für das Schließen der Kapsel. Der gesamte Außenbordeinsatz dürfte aber noch eine knappe Stunde dauern – erst dann ist wieder Sauerstoff in der Raumkapsel und die Crew kann die Raumanzüge ablegen.
Update vom 12. September, 13.07 Uhr: Jetzt ist Gillis draußen, im Weltall. Sie ist die erste Mitarbeiterin von SpaceX, die ins Weltall fliegt – gemeinsam mit ihrer SpaceX-Kollegin Anna Menon, die in der Raumkapsel bleibt.
Update vom 12. September, 13.02 Uhr: Der Kommandant der „Polaris Dawn“-Mission ist bereits wieder in die Raumkapsel zurückgekehrt. Jetzt wird Sarah Gillis aus der Kapsel aussteigen und ebenfalls Tests des neuen SpaceX-Raumanzugs durchführen.
Update vom 12. September, 12.55 Uhr: Jared Isaacman hat die Raumkapsel etwa zur Hälfte verlassen und testet den Raumanzug im freien Weltall. Der Blick, den er haben muss, dürfte atemberaubend sein.
Update vom 12. September, 12.48 Uhr: Die Luke zm Weltall wird gerade geöffnet, die Raumkapsel hat keinen Sauerstoff mehr.
Update vom 12. September, 12.31 Uhr: Alle vier Astronautinnen und Astronauten haben das „Go“ gegeben – jetzt wird die Raumkapsel entlüftet. Der Sauerstoff entweicht ins Weltall, in der Kapsel herrscht ein Vakuum.
Update vom 12. September, 12.12 Uhr: Jetzt geht es los: Die Astronauten haben ihre Visiere geschlossen und die Sauerstoffversorgung ihrer Anzüge aktiviert.
Update vom 12. September, 12.08 Uhr: Die Astronautinnen und Astronauten sind mit einem langen Kabel mit ihrer Raumkapsel verbunden. Darüber wird nicht nur die Kommunikation abgewickelt, die Crew wird so beispielsweise auch mit Sauerstoff versorgt. Außerdem ist das Kabel, im Englischen „Umbilical“ (dt: Nabelschnur“) genannt, die Sicherung für die Astronauten an der Raumkapsel.
Update vom 12. September, 11.58 Uhr: Eben wurden die Sitze in der Raumsonde bewegt, sodass die vier Astronaut:innen etwas mehr Platz haben, um sich zu bewegen. In Kürze wird überprüft, ob die Raumanzüge dicht sind, bevor der Sauerstoff aus der Kabine entfernt wird.
Update vom 12. September, 11.45 Uhr: Die Vorbereitung des ersten privaten Außenbordeinsatzes sind bereits in vollem Gange, gegen 12 Uhr (MESZ) soll es losgehen. Die SpaceX-Raumkapsel „Resilience“ befindet sich derzeit in einer Höhe von etwa 700 Kilometern über der Erde. Zum Vergleich: Die Internationale Raumstation ISS fliegt in einer Höhe von etwa 400 Kilometern um die Erde, das „Hubble“-Weltraumteleskop umkreist den Planeten in einer Höhe von etwa 550 Kilometern.
Erstmeldung vom 12. September, 10.00 Uhr: Cape Canaveral – Den Höhepunkt ihrer Mission hat die „Polaris Dawn“-Crew längst überschritten – und zwar sprichwörtlich. Die vier Privatpersonen, die in einer Raumkapsel von SpaceX die Erde umkreisen, haben bereits 15 Stunden nach ihrem Raketenstart am Dienstag (10. September) einen Nasa-Rekord von 1966 eingestellt: Sie sind in einer höheren Erdumlaufbahn geflogen, als alle Menschen vor ihnen. 1400,7 Kilometer waren es – während die Crew von „Gemini 11“ 1966 nur 1373 Kilometer Höhe erreichte.
SpaceX-Astronauten wollen heute den ersten privaten Außenbordeinsatz unternehmen
Doch der tatsächliche Höhepunkt der Mission soll erst heute (12. September) stattfinden. Die Crew, bestehend aus Milliardär Jared Isaacman, den SpaceX-Angestellten Anna Menon und Sarah Gillis sowie dem Piloten Scott Poteet, soll gegen 12 Uhr (MESZ) den ersten privaten Außenbordeinsatz im Weltall durchführen. Das mag wie eine Routine-Aufgabe für Astronauten klingen, ist es aber nicht: EVAs (Abkürzung für extravehicular activities, also Außenbord-Aktivitäten) gelten als sehr schwierig und anstrengend.
Dabei darf man nicht vergessen, dass die EVA in diesem Fall von Privatpersonen durchgeführt wird, die zwar ausführlich trainiert haben, deren Beruf es jedoch nicht ist, aus einer Raumkapsel ins freie Weltall auszusteigen. Neben der Tatsache, dass erstmals Privatpersonen einen sogenannten „Weltraumspaziergang“ durchführen, gibt es noch eine zweite Sache, die den geplanten Außenbordeinsatz von anderen EVAs abhebt: In der Regel – beispielsweise bei der Internationalen Raumstation ISS – bewegen sich die Astronauten durch eine Luftschleuse nach draußen. Das heißt: Die Personen, die keinen „Weltraumspaziergang“ unternehmen, bleiben innerhalb der schützenden Hülle des Raumschiffs oder der Raumstation.
Termin für den „Weltraumspaziergang“ von „Polaris Dawn“
Ursprünglich sollte der erste private Außenbordeinsatz am 12. September gegen 8.23 Uhr (MESZ) starten, doch er wurde von SpaceX ohne Angabe von Gründen um mehrere Stunden verschoben. Jetzt soll er am 12. September gegen 12 Uhr (MESZ) beginnen, SpaceX bietet einen Livestream an.
Im Fall der „Polaris Dawn“-Crew ist das anders: Das Raumschiff „Resilience“ von SpaceX hat keine Luftschleuse. Stattdessen wird in der gesamten Raumkapsel das Vakuum des Weltraums herrschen, sobald sie geöffnet wird. Das bedeutet, dass auch die beiden Astronauten, die an Bord bleiben, schützende Raumanzüge anlegen müssen. Bereits seit vielen Stunden atmet die vierköpfige Crew zur Vorbereitung auf den Außenbordeinsatz eine erhöhte Sauerstoffkonzentration bei geringerem Druck. So soll nach und nach der Stickstoff aus dem Blut entfernt werden, damit sich beim geplanten Druckabfall in der Kapsel und im Vakuum des Weltalls keine Blasen im Blut bilden – eine potenziell tödliche Gefahr.
Wenn es so weit ist und der „Weltraumspaziergang“ beginnt, öffnet die Crew die Luke der Raumsonde. Aus der Kapsel aussteigen werden nacheinander Kommandant Jared Isaacman und Missions-Spezialistin Sarah Gillis für jeweils 15 bis 20 Minuten. Die beiden sollen den neuen SpaceX-Raumanzug testen und werden dazu bestimmte Bewegungen im Weltall durchführen. Die gesamte EVA – von dem Moment an, in dem in der Raumkapsel ein Vakuum herrscht, bis zur Rückkehr des Sauerstoffs in die Kapsel – soll etwa zwei Stunden dauern. Etwa ein Drittel der Zeit wird für den eigentlichen „Weltraumspaziergang“ veranschlagt.
Allzu dramatische Bilder sollte man vom Weltraumspaziergang nicht erwarten – die Astronauten werden sich nicht von ihrer Kapsel entfernen. Das hatte unter anderem Ed White getan, der amerikanische Nasa-Astronaut, der im Jahr 1965 den ersten amerikanischen „Weltraumspaziergang“ unternahm. „Das Ed-White-Foto ist historisch, aber Buzz Aldrin hat uns beigebracht, dass das nicht der richtige Weg ist, eine EVA zu machen“, zitiert Space.com Isaacman. Er und Gillis wollen immer mindestens an einer Stelle Kontakt zur Raumkapsel haben.
„Zeichen für Fortschritt in der Raumfahrt“
Der ehemalige Astronaut Ulrich Walter sieht das besondere an „Polaris Dawn“ darin, dass keiner der vier Menschen an Bord der Raumkapsel ein herkömmlich ausgebildeter Raumfahrer ist, sagt er gegenüber dpa. „Isaacman ist zwar schon mal geflogen, aber er ist eigentlich wie auch Kidd Poteet nur Jetpilot.“ Die beiden Frauen hätten gar keine entsprechende Ausbildung. „Für mich ist das ein Zeichen für Fortschritt in der Raumfahrt: Die Technik ist so einfach zu bedienen, dass man keine herkömmlich ausgebildeten Astronauten dafür braucht“, erklärt Walter. „Es gab auch mal extra ausgebildete Fahrstuhlführer – bis die Technik so fortgeschritten war, dass jeder einen Aufzug bedienen konnte.“ (tab)
Rubriklistenbild: © Screenshot SpaceX-Livestream



