Drei Jahre nach dem ersten Fund findet ein Forschungsteam erneut das seltene Molekül Phosphin auf der Venus. Es gilt als ein Indikator für mögliches Leben auf dem Planeten.
Cardiff – Als im September 2020 ein Forschungsteam um Jane Greaves (Cardiff University) die Entdeckung von Phosphin in den Wolken des Planeten Venus vermeldete, war das Interesse riesig. Schließlich gilt Phosphin als ein mögliches Zeichen von Leben und die Venus ist neben dem Mars ein Nachbarplanet der Erde. War außerirdisches Leben etwa zum Greifen nah? Die Studie sorgte für viel Aufsehen und inspirierte weitere Studien, die das verdächtige Molekül jedoch größtenteils nicht nachweisen konnten.
Nun hat sich Greaves bei einer Veranstaltung der Royal Astronomical Society in Cardiff zum Thema zu Wort gemeldet – und konnte Spektakuläres verkünden: Mithilfe des James Clark Maxwell Telescope (JCMT) auf Hawaii haben Greaves und ihr Forschungsteam erneut die Venus ins Visier genommen – und konnten erneut Phosphin entdecken.
Ist Phosphin ein Indikator für mögliches Leben auf der Venus?
Die Forschungsgruppe steckt noch mitten in der Beobachtung der Venus – von 200 Beobachtungsstunden sind erst 50 Stunden vergangen. Für die ursprüngliche Phosphin-Entdeckung hatten Greaves und ihr Team jedoch nur acht Stunden benötigt. Die Forscherinnen und Forscher gehen davon aus, dass das Phosphin aus den Tiefen der Venus-Atmosphäre kommt. Doch wichtiger als die Frage, woher es kommt, scheint erst einmal eine andere zu sein: Ist Phosphin tatsächlich ein Indikator für mögliches Leben auf der Venus?
Phosphin ist ein seltenes Molekül, das auf der Erde nur auf zwei Arten entstehen kann: Industriell oder durch Mikroben, die in sehr sauerstoffarmer Umgebung leben. „Als wir die ersten Hinweise auf Phosphin im Spektrum der Venus erhielten, war das ein Schock“, erklärte Greaves nach der ersten Entdeckung 2020. Doch gibt es nicht noch andere Möglichkeiten, wie Phosphin dem Nachbarplaneten der Erde entstanden sein könnte? Nach der ersten Entdeckung von Phosphin auf der Venus hatte Greaves‘ Forschungsteam zahlreiche Möglichkeiten durchgespielt. Ihre Berechnungen damals zeigten, dass kein abiotischer Mechanismus so viel Phosphin erzeugen kann, wie die Forschungsgruppe entdeckt hatte.
Gibt es unbekannte chemische Vorgänge auf der Venus?
Doch es könnte auf der Venus noch bisher unbekannte chemische Vorgänge geben, die Phospin herstellen. „Es gibt eine weit verbreitete Meinung, dass man Phosphin herstellen kann, indem man phosphorhaltiges Gestein in die hohe Atmosphäre schleudert und es mit Wasser und Säure erodiert, sodass man Phosphingas erhält“, zitiert das Portal Space.com aus dem aktuellen Vortrag von Greaves.
Auf den ersten Blick ist die Venus eine Gluthölle, auf der man sich kein Leben vorstellen kann: Auf der Oberfläche herrschen Temperaturen, bei denen Metall schmilzt, außerdem ist der Druck extrem hoch. Die dichte Wolkendecke besteht zu 90 Prozent aus Schwefelsäure – einen unwirtlicheren Ort kann man sich kaum vorstellen. Trotzdem soll es möglich sein, dass in den Wolken der Venus Mikroben leben. Dort herrschen nämlich nur etwa 30 Grad Celsius – recht angenehme Temperaturen im Vergleich zur Oberfläche des Planeten.
So sieht das „Hubble“-Weltraumteleskop das Sonnensystem
„Wir haben jetzt fünf Entdeckungen in den letzten Jahren gemacht, mit drei verschiedenen Instrumenten und vielen Methoden der Datenverarbeitung“, erklärt Greaves in einem Interview mit Forbes.com. Man habe einen Hinweis gefunden, „dass es eine stetige Quelle gibt und das ist der Sinn der Durchmusterungen – zu zeigen, ob das stimmt oder nicht“, so Greaves. „Wir sehen Moleküle, die sich sehr schnell bewegen“, berichtet die Forscherin weiter.
Erforschung der Venus ist plötzlich wieder ein Thema
Seit vielen Jahren hat keine Raumsonde mehr die Venus besucht, doch spätestens seit der ersten Phosphin-Entdeckung steht die Erforschung des Nachbarplaneten der Erde wieder weiter oben auf der Wunschliste vieler Fachleute. In den kommenden Jahren sind deshalb gleich drei Missionen zur Venus geplant: Die Nasa-Missionen „VERITAS“ und „DAVINCI+“ sowie die Esa-Mission EnVision. Greaves hofft vor allem auf „DAVINCI+“, eine Raumsonde, die in die Venus-Atmosphäre stürzen und diese dabei erforschen soll. „Sie haben vier Laserwellenlängen zu vergeben und nur drei sind entschieden“, erklärt die Forscherin. „Wir haben uns für Phosphin ausgesprochen und warten nun auf eine Rückmeldung.“
Das „James Webb“-Weltraumteleskop, das mit seinem Infrarotblick gut nach Biomarkern wie Phosphin suchen könnte, ist für die Erforschung der Venus dagegen keine Option: Das Teleskop darf nicht in die Richtung der Sonne schauen, da es zu empfindlich ist – und der Planet Venus befindet sich in dieser Hinsicht viel zu nah an der Sonne. (tab)