Auf Initiative von Ippen.Media

„Säule der offenen Gesellschaft“: Steinmeier empfängt Lokaljournalisten – „Unterstreicht Bedeutung“

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Bundespräsident Steinmeier und seine Besucherinnen und Besucher aus dem Lokaljournalismus vor dem Schloss Bellevue.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat Lokaljournalisten getroffen – und ihre Arbeit gewürdigt. Ein Signal kurz vor dem Tag des Lokaljournalismus.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat im Schloss Bellevue Vertreterinnen und Vertreter von Lokalzeitungen zu einem Austausch empfangen. Mit dem Termin am Dienstag setzte er ein Zeichen der Wertschätzung – kurz vor dem von IPPEN.MEDIA mitinitiierten Tag des Lokaljournalismus (TdL) am 5. Mai.

Steinmeier unterstrich die Bedeutung der lokalen Medien für die demokratische Debatte. „Lokalzeitung ist eben immer auch ein ganz wichtiges Stück Heimat und Lokalzeitung steht für ein besonderes Verhältnis zu ihren Lesern“, sagte der Bundespräsident. Rund 20 Lokal-Journalistinnen und -Journalisten verschiedener Verlage und Zeitungen aus ganz Deutschland haben an dem Treffen mit dem deutschen Staatsoberhaupt teilgenommen. Von Führungskräften bis zu Volontärinnen und Volontären. Mit dabei waren auch IPPEN.MEDIA-Chefredakteur Markus Knall und Kollegen von HNA und Soester Anzeiger.

Steinmeier würdigt Lokaljournalismus: Nahraum „prägt mehr als ganz große Politik“

„Ohne Lokaljournalismus gibt es kein gemeinsames Fundament vor Ort. Ein gemeinsames Fundament, das jede Demokratie braucht,“ sagte Steinmeier bei dem Treffen weiter. „Demokratie lebt eben nicht allein, aber lebt eben auch und ganz besonders von gutem Lokaljournalismus. Lokaljournalismus ist eben nicht nice to have, sondern es ist eine der Säulen, die die offene Gesellschaft der Demokratie trägt und stabil hält.“

Steinmeier deutete an: Für viele Menschen ist das Lokale ganz besonders wichtig – mitunter wichtiger als die große Bundespolitik. „Lokaljournalismus bewahrt so etwas wie die Übersichtlichkeit und Überschaubarkeit im Nahraum“, sagt er. „Dieser Nahraum, in dem wir Menschen leben, die Gemeinde oder die Kleinstadt, prägt das Leben von Menschen meiner Erfahrung nach deutlich mehr als die ganz große Politik, die jeden Abend über ‚Tagesschau‘ und ‚Heute-Journal‘ in die Wohnzimmer kommt.“

IPPEN.MEDIA-Chefredakteur Markus Knall sagt nach der Begegnung mit dem Bundespräsidenten: „Mit dem Empfang von 20 jungen Lokaljournalistinnen und Lokaljournalisten, stellvertretend für Tausende von Kollegen in regionalen und lokalen Verlagen, hat der Bundespräsident die Bedeutung des Lokaljournalismus für die Gesellschaft unterstrichen. Diese Würdigung zeigt, dass der ‚Tag des Lokaljournalismus‘ ein Signal ist für eine nachhaltige Zukunft der regionalen und lokalen Berichterstattung.“

Lokaljournalisten aus ganz Deutschland und IPPEN.MEDIA-Chefredakteur Markus Knall (2.v.li.) im Gespräch mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Der Tag des Lokaljournalismus am 5. Mai ist eine Initiative von IPPEN.MEDIA sowie der dpa und Highberg als Partner des Verlagsprojekts DRIVE. Rund 100 Zeitungstitel und Organisationen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum beteiligen sich, ebenso der Verlegerverband BDZV.

Steinmeier schilderte seine persönliche Verbundenheit mit Lokalzeitungen. „Mit schöner Selbstverständlichkeit bin ich über Jahrzehnte vor dem Frühstück an den Briefkasten gegangen und habe mir die Lokalzeitung an den Küchentisch geholt“, sagte er. Die Zeitung sei für ihn „immer mehr als ein Ritual“ gewesen, „sondern es war Teil des Ankommens im neuen Tag“. Titel wie der Gießener Anzeiger, die Lippische Landeszeitung oder Hannoversche und Märkische Allgemeine hätten ihn über viele Jahre hinweg begleitet. Auch heute beginne er seine Lektüre meist mit dem politischen Teil.

Bundespräsident warnt vor „Zeitungsschwund“: Tag des Lokaljournalismus setzt Zeichen

Zugleich verwies Steinmeier auf die schwierige Lage vieler Lokalzeitungen. Klassische Titel seien in den vergangenen Jahrzehnten weniger geworden. „Noch bevor die großen überregionalen Printmedien wirtschaftlich unter Druck geraten sind, hat es die Lokalzeitungen in vielen Gegenden, Regionen unseres Landes getroffen“, sagte er. Anzeigenschwund habe über Jahre hinweg und wahrscheinlich immer noch „Zeitungsschwund“ bedeutet.„Aber wo es sie gibt, führen sie einen mutigen Überlebenskampf – und den führen sie im Dienste der Demokratie und damit von uns allen.“

Der Bundespräsident warnte vor einer Verrohung der öffentlichen Debatte. „Wenn zwischen dem schnellen Like und der lauten Empörung gar kein Raum mehr bleibt für Zwischentöne, wenn die Suche nach dem täglichen Skandal den Blick auf das wirklich Wichtige vernebelt, dann droht ein Kommunikationsinfarkt, der in anderen Gesellschaften schon stattgefunden hat“, sagte Steinmeier. „Dann ist jedenfalls Gefahr im Verzug.“ Demokratie lebe aber vom Machen und Mitmachen, „vom gemeinsamen Engagement, nicht von allfälliger Empörung“.

Zeichen der Wertschätzung: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Gespräch mit den Lokaljournalisten.

Ein Zeichen gegen solche Phänomene und für die besondere Bedeutung guten Lokaljournalismus‘ setzt der Tag des Lokaljournalismus. Er findet am 5. Mai zum zweiten Mal statt, das Motto lautet „Raus aus den Redaktionen, rein ins Leben“. Die Schirmherrschaft hat in diesem Jahr die Deutsche UNESCO-Kommission. Redaktionen stellen unzählige Veranstaltungen in ihren jeweiligen Verbreitungsgebieten auf die Beine. Hauptzielgruppe sind jüngere Menschen und Familien. Die Grundidee dahinter erklärten Markus Knall und DRIVE-Mitiniator Meinolf Ellers in einem Drehscheibe-Interview.

„Für alle Lokaljournalistinnen und -journalisten ist das ein besonderer Tag: Dass sich der Bundespräsident Zeit für uns nimmt und unsere Arbeit als wichtige Säule der Demokratie würdigt, halte ich für ein starkes Zeichen. Das Treffen sollte uns ermutigen, nah an den Menschen vor Ort zu bleiben“, sagte Katja Fleischmann von der dpa nach der Begegnung mit Steinmeier. Fleischmann leitet das übergreifende Verlagsprojekt DRIVE. In der Digital Revenue Initiative (DRIVE) arbeiten dpa und die Unternehmensberatung Highberg zusammen mit rund 30 regionalen Verlagen an der Steigerung digitaler Erlöse und an neuen Formen der Kooperation.

Schon vor dem Tag des Lokaljournalismus gibt es einen weiteren großen politischen Termin. Am 30. Mai reist Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zu einem Dialog mit Leserinnen und Lesern der Lokalzeitungen im Land nach Salzwedel. Sie können unter diesem Link Fragen an den Kanzler einreichen. Die Veranstaltungen unterstreichen: Bundespräsident und Kanzler wissen um die Bedeutung des Lokaljournalismus. „Lokaljournalisten und Lokalzeitungen verdienen Unterstützung und eine Leserschaft, die bereit ist für ein Stück Demokratieerhalt auch ihr Abo zu zahlen“, sagte Steinmeier seinen Gästen: „Danke, dass Sie hier sind!“ (Quellen: Termin im Schloss Bellevue, dpa)

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