VonHenning Bräuningerschließen
Zeigt uns ein dänisches Unternehmen, wie das Bewerbungsverfahren der Zukunft aussieht? Müssen Jobsuchende bald nur noch eine KI für sich gewinnen, anstatt des Arbeitgebers direkt?
Die meisten Unternehmen fordern im Rahmen der Bewerbung einen Lebenslauf zusammen mit einem Anschreiben von den Kandidaten für eine offene Stelle. Viele Arbeitgeber nutzen mittlerweile künstliche Intelligenz, um im nächsten Schritt unter Zeitersparnis einen kleinen Kreis aus der eingegangenen Flut an Bewerbungen auszuwählen. Diese Jobsuchenden werden dann in der Regel zu einem Vorstellungsgespräch geladen.
Doch die KI hat auch ihre Macken. So haben manche Bewerber beispielsweise angefangen Keywords, auf welche die Künstliche Intelligenz positiv reagiert, in ihre Bewerbung zu schmuggeln. Und das so, dass auch nur die KI es merkt. Denn zum Beispiel weiße Schrift auf weißem Hintergrund, fällt einem menschlichen Personaler nicht auf, das Computertool kann diese jedoch problemlos mit auslesen, warnt HK-recht.de die Arbeitgeber.
Die dänische Café- und Saftbar-Kette Joe & the Juice scheint also einen anderen Weg zu testen, hat dafür aber auch seine ganz eigenen Beweggründe. Dort wird komplett auf Lebenslauf sowie Anschreiben verzichtet und alle Bewerber erst einmal von einer KI geprüft. Aber wie funktioniert das?
Weder Lebenslauf noch Anschreiben: Warum Joe & the Juice voll auf KI setzt
Mehr als die Hälfte der Jobsuchenden nutzen, laut einer Studie von CVApp.de, inzwischen KI-Tools, um ihre Bewerbung zu verfassen. Das vereinfacht den Schreibprozess zwar deutlich und hebt wahrscheinlich auch oft die individuelle Qualität der Bewerbung, doch aus der Masse sticht man dennoch nicht heraus. Denn „wenn man sich die meisten Bewerbungen anschaut, sagen sie alle das Gleiche. Sie bewahren unter Druck einen kühlen Kopf und sind multitaskingfähig“, erklärt Sebastian Jeppesen, der globale Personalchef des dänischen Unternehmens gegenüber der Zeitung Berlinske.
Das Unternehmen dreht den Spieß um und setzt selbst auf künstliche Intelligenz im Bewerbungsprozess. So werden zum einen jede Menge Kapazitäten eingespart, da bei dem Betrieb jährlich um die 30.000 Bewerbungen eingehen, wie Stern.de berichtet. Es handelt sich schließlich um eine große, international agierende Kette, die sogar mit NBA-Superstar Kevin Durant kollaboriert. Zum anderen profitieren von dem System wohl auch die Arbeitssuchenden, die beim klassischen Bewerbungsmodell schlichtweg in der Menge untergingen. „Ich sehe, dass wir viele Menschen einstellen, die wir normalerweise nicht eingestellt hätten“, behauptet Jeppesen.
Wie genau sieht eine Bewerbung bei der KI aus?
Wer sich bei Joe & the Juice bewerben möchte, muss zunächst online fünf Fragen beantworten, welche vom Arbeitgeber so konzipiert wurden, dass sie Unternehmensgrundsätze sowie wichtige Jobanforderungen abdecken. Die Antworten der Bewerber werden anschließend von der KI ausgewertet und dadurch geeignete Kandidaten herausgefiltert.
Am Ende der Kette sitzt aber immer noch ein Mensch, der sich die Bewerbung dann ansieht und letztendlich die finalen Entscheidungen trifft. Arbeitsuchende müssen also nicht nur in die Gunst einer KI fallen. Sollte das Modell jedoch so Schule machen, würde sich der Bewerbungsprozess dennoch grundlegend verändern.
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