VonUlrike Wilpertschließen
OB Frederick Brütting hat das neue kommunalpolitische Gremium mit 27 Mitgliedern im Alter zwischen 14 und 20 Jahren am Dienstag verpflichtet. Für welche Themen der Jugendgemeinderat kämpft.
Aalen
Ein historischer Moment: Seit Dienstag, 17.24 Uhr, hat die Stadt Aalen einen Jugendgemeinderat. OB Frederick Brütting hat die insgesamt 27 ehrenamtlichen Mitglieder dieses neu gebildeten kommunalpolitischen Gremiums im Alter zwischen 14 und 20 Jahren im großen Sitzungssaal des Aalener Rathauses nacheinander per Handschlag verpflichtet. "Es freut mich außerordentlich, dass Aalen jetzt einen Jugendgemeinderat hat", sagte der OB einleitend. Zumal er schon selbst im gleichen Alter dafür gekämpft habe - leider erfolglos. Brütting betonte, dass die aktuelle Initiative von den politischen Jugendorganisationen in Aalen ausgegangen, und sofort auf große Unterstützung des Gemeinderats gestoßen sei. Entsprechend viele Vertreterinnen und Vertreter des Aalener Gemeinderats sowie Ortsvorsteher der Aalener Teilorte begleiteten die Verpflichtung des neuen Gremiums als Zuschauerinnen und Zuschauer. Der Jugendgemeinderat, so Brütting, soll dazu dienen, "dass wir Aalen positiv neu verändern. Und auch Dinge anstoßen, die wir als Erwachsene vielleicht nicht sehen." Demzufolge seien Stadtverwaltung und Gemeinderat offen für Anregungen des Jugendgemeinderats.
"Ihr seid Stellvertreterinnen und Stellvertreter aller Jugendorganisationen in Aalen. Damit ist eine große Verantwortung verbunden. Ihr habt es selbst in der Hand, wie Ihr Eure Themen und die Tagesordnung Eurer Sitzungen organisiert", wandte er sich an die Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Gleichwohl werde es einen engen Austausch mit dem Aalener Gemeinderat, dem beschließenden Gremium, geben.
Besonders bedankte sich Brütting bei dem Team des Aalener Jugendreferats unter der Leitung von Stadtjugendreferent Reiner Peth, das die aufwendige Vorarbeit, unter anderem die Organisation der Workshops in der Kernstadt und den einzelnen Teilorten gestemmt hatte.
Ralf Fuchs, Leiter des Hauptamtes, klärte das jugendliche Gremium in kurzen Worten über dessen Pflichten auf. Unter anderem ist das die Wahrung der Verschwiegenheit gegenüber Themen, die in nicht-öffentlicher Sitzung behandelt werden.
Sara Weiler und Kevin Erath sind fortan Sprecherin und der Sprecher des Jugendgemeinderats - sie wurden vom neu gegründeten Gremium in geheimer Wahl gewählt.
Nach einer kurzen Pause dann Stühlerücken auf der Verwaltungsbank: Kevin Erath setzte sich auf den Platz von OB Frederick Brütting und übernahm die Sitzungsleitung - rechts neben ihm Sprecherin Sara Weiler und Brütting auf seiner linken Seite. Den Tagesordnungspunkt "Themen aus den Jugendforen" untergliederte Erath sogleich in drei Bereiche und schlug vor, drei Arbeitsgruppen zu gründen zu den Themen Kommunikation, Stadtentwicklung sowie Events, Sport und Kultur. Es entwickelte sich eine eineinhalbstündige Diskussion mit vielen Vorschlägen und Anregungen.
Kommunikation: Einig war man sich, dass man viel über den Jugendgemeinderat und seine Arbeit kommunizieren müsse - in den sozialen und in den klassischen Medien sowie in den Schulen. Luca Gurgoglione etwa regte dazu Workshops in den Schulen an. Leni Klöcker meinte, am sinnvollsten sei es, die jeweilige SMV einzubeziehen. "Schule ist der einfachste Weg, Jugendliche zu erreichen", befand unter anderem Leni Klöcker. Sie beantragte gleichzeitig, ein Leitbild zu erstellen, "damit auch alle Themen zur Sprache kommen".
Stadtentwicklung: Themen waren mangelnde überdachte Treffpunkte außerhalb von Wohnvierteln, unbefriedigende Busanbindungen der Teilorte, der ZOB als "Gefahrenzone" vor allem in den Abendstunden sowie nicht ausreichend "gute" Fahrradwege. Als drängende Wünsche wurden weiter genannt: eine neue Eishalle in Aalen und eine längere Beleuchtung der Sportplätze in den Abendstunden. Auch Verwaltung und Gemeinderat beschäftigten sich "sehr" mit einer Eishalle, sagte der OB. Weil dieses Projekt aber sehr viel Geld und Energie brauche, könne man es nur verwirklichen, wenn sichergestellt ist, dass die Energie aus regenerativen Quellen kommt.
Event, Kultur und Sport: Auch hier ist die Themenliste breit gefächert und reicht von abendlichen Events mit DJ im Spieselbad über mehr Möglichkeiten für junge Musiker, sich auf einer öffentlichen Bühne zu präsentieren, öffentlichen Kunstausstellungen und Poetry-Slams von Jugendlichen bis hin zu schulübergreifenden Sportveranstaltungen und Workshops zur Bildungsarbeit wie "Aufklärung und Antirassismus".
Zum Schluss verabschiedete das Gremium einstimmig den Antrag Leni Klöckers, ein Leitbid für die Themen des Jugendgemeinderats zu entwickeln. Auch der Antrag Kevin Eraths, die AG Stadtentwicklung zu beauftragen, sich mit dem Antrag der CDU-Gemeinderatsfraktion "Der Jugend Räume geben" zu beschäftigen, ging einstimmig durch.
Gesucht: Junge Menschen für Aalener Jugendgemeinderat
Kommentar von Ulrike Wilpert über eine neue Zeitrechnung für die Jugend.

















