VonJürgen Steckschließen
Wie in Aalen auf die Kritik aus Schwäbisch Gmünd an den genannten Zahlen zu den Kosten und zur Bauzeit für eine Kombilösung am Ostalbklinikum reagiert wird.
Aalen
Was wir erreicht haben, ist, dass sich selbst der Kollege in Schwäbisch Gmünd mit dem Thema Ostalbklinikum beschäftigt“, so kommentiert der Aalener Oberbürgermeister Frederick Brütting die jüngsten Aussagen des Schwäbisch Gmünder OB Richard Arnold zum Ostalbklinikum. Arnold hatte am Mittwoch gesagt, es gebe „Kreise, die haben ein Interesse“ an der von der Stadt Aalen vorgeschlagenen Kombilösung für ein zentrales Regionalversorgerklinikum im Ostalbkreis - in Aalen, am Standort des Ostalbklinikums. Diese Kreise, so Arnold weiter, hätten Zahlen vorgelegt, „die willkürlich aus der Luft gegriffen sind“.
Zu diesen Zahlen und den Vorwürfen nahmen für die Stadt Aalen OB Brütting und Erster Bürgermeister Wolfgang Steidle sowie Architekt Cemal Isin, der die Pläne ausgearbeitet hat, am Freitag Stellung. Und sie kritisieren, dass die Vorschläge nicht von den Gutachtern geprüft worden seien. Man habe im Juni darum gebeten, dass die mit dem Gutachten beauftragte Firma Endera die Aalener Kombilösungsvorschläge prüfe, sagte Brütting. Allerdings sei man „nicht durchgedrungen“ - auf Nachfrage, an welcher Stelle man nicht durchgedrungen sei, sagt Brütting: „Beim Landrat.“ Landrat Dr. Joachim Bläse sagte, darauf angesprochen: Die Aalener Vorschläge zur Kombilösung habe er in dieser konkreten Weise erst am Montag gesehen. In Aalen macht man sich weiter stark dafür, dass die Vorschläge nochmals geprüft würden. Bläse sagte am Freitag, man werde diese „auf Plausibilität hin prüfen“.
Die Vorteile aus Aalener Sicht
Die Vorteile der Kombilösung skizzierte Steidle aus Aalener Sicht. Man habe einen Standort, an dem die Eigentumsverhältnisse klar seien - die benötigten Flächen seien in Besitz des Landkreises und der Stadt. Die notwendige technische Infrastruktur gebe es. Die Planungshoheit liege bei der Stadt. Das Thema Erreichbarkeit lasse sich gut lösen dadurch, dass die Steinbeißstraße verlegt und zudem in Richtung Westen eine Straße durch den Rohrwang in Richtung B 19 und B 29 gebaut werde.
Cemal Isin erläuterte eine Entwicklung am Standort in vier Stufen, ohne den Ablauf des Betriebs am bisherigen Ostalbkreis zu stören. Was bislang nicht deutlich geworden sei: Es gehe nicht um eine Sanierung am Ostalbklinikum. Sondern es würden Bereiche nach und nach neu gebaut, aber auch teils noch neuwertige Gebäudeteile des bisherigen Ostalbklinikums weiter genutzt. Das spare Kosten. Nach und nach könnten Bereiche zurückgebaut werden: im ersten Schritt Parkhaus, Heizzentrale und Pathologie. Dafür werde das Parkhaus umgesetzt und ein Technikgebäude erstellt. Dann kommt ein neues Bettenhaus dazu und das Klinikgebäude, im dritten Schritt Verwaltungsgebäude, Kantine und Wohngebäude. Auch werde der alte Hauptklinikbereich abgebaut. In der vierten Stufe erfolge der Endausbau zum Regionalversorger.
Die Reaktion auf die Zweifel
Sowohl Richard Arnold als auch der Endera-Gutachter Axel Euler hatten starke Zweifel vor allem an zwei Zahlen: einmal die Kosten. Die liegen laut Isin bei fünf Jahren Planungs- und Bauzeit bei 535 Millionen Euro - Kostensteigerung mit eingerechnet. Einen Neubau auf der grünen Wiese hatten die Gutachter auf 1,15 Milliarden Euro taxiert, die Kombilösung auf sogar 1,7 Milliarden, allerdings waren den Gutachtern die aktuellen Kombilösungspläne nicht bekannt.
Isin: „Keine Altbausanierung
Zum großen Unterschied bei den Kosten sagte Isin: „Vielleicht liegt es daran, dass wir eine intelligente Idee haben.“ Wichtig sei auch zu wissen: „Unser Vorschlag ist keine Altbausanierung.“ Es gebe viele Gebäude im Bereich des Ostalbklinikums, die aktuell neuwertig seien und die weiterhin genutzt werden könnten. Die Kosten könnten „im Detail transparent dargestellt“ werden. Unterm Strich habe man im Vergleich zur grünen Wiese eine Halbierung der Bauzeit, eine Halbierung der Kosten und eine gute CO2-Bilanz. Auch die Halbierung der Bauzeit im Vergleich zum Neubau wurde stark angezweifelt. Die ergebe sich, so Isin, durch Erhaltung und Nutzung neuerer Bausubstanz, dadurch, dass Planungsrecht vorhanden sei, dadurch, dass Grundstücke sofort verfügbar seien und es weniger unbekannte Faktoren gebe. Laut Isin biete der Vorschlag „ein modernes, in die Zukunft geschautes Klinikkonzept“.
Brütting und Steidle werben dafür, dass die Pläne Beachtung finden - gerne würden sie diese den Endera-Leuten zur Verfügung stellen. Parallel dazu könnten durchaus die weiteren Planungen für die Klinik laufen - etwa die Suche eines geeigneten Grundstückes bei Essingen.
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