VonUlrike Wilpertschließen
Die geplante Ansiedlung des Fahrradfilialisten B.O.C. auf einer Teilfläche der BayWa sorgt für viel Unmut bei den Fahrradhändlern. Was sie Stadtverwaltung und Gemeinderat vorwerfen.
Aalen
Die Aalener Fahrradhändler laufen Sturm gegen die geplante Ansiedlung der Bike & Outdoor Company (B.O.C.) auf einer Teilfläche des BayWa-Markts an der Gartenstraße. B.O.C. ist ein großer Fahrrad-Anbieter mit Sitz in Hamburg, mit Online-Shop und aktuell über 40 Filialen.
Anlass für den Protest der Aalener Fahrradhändler: In seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause hatte der Gemeinderat mehrheitlich eine dafür notwendige Änderung des Bebauungsplans für das Aal-Carrée durchgewunken. Damit sind die Weichen für die B.O.C.-Filiale in der BayWa gestellt.
Vor vollendete Tatsachen gestellt: Davon haben die Aalener Fahrradhändler gewissermaßen erst durch die Hintertür erfahren. „Mit uns ist gar nicht gesprochen worden. Uns hat man vor vollendete Tatsachen gestellt. Wir haben es erst in der Zeitung gelesen“, macht Matthias Ilg, Inhaber des Fahrradladens „Rundum“ in Wasseralfingen, seinem Ärger Luft.
Mit zweierlei Maß:Nicht allein wegen dieser „Heimlichtuerei im Vorfeld“ (O-Ton Bobby Krapp, Sportbörse) aber fühlen sich die ortsansässigen Fahrradhändler hintergangen. Es geht ihnen um viel mehr. Gemeinderäten und Stadtverwaltung werfen sie vor, mit ihrer Entscheidung die Gefährdung der Existenz der Aalener Fahrradhändler beziehungsweise deren Mitarbeiter billigend in Kauf zu nehmen. Mit Blick auf das Acocella-Einzelhandelskonzept kreiden die Fahrradhändler Stadt und Gemeinderäten an, in diesem Fall mit zweierlei Maß zu messen.
Innenstadtrelevanter Handel plötzlich kein Argument mehr?Seit Jahrzehnten gilt die große Sorge von Stadt und Gemeinderat den Händlern der Innenstadt. Der durch Konkurrenz auf der Grünen Wiese bedrohte innerstädtische Handel wurde durch das Acocella-Einzelhandelskonzept gewissermaßen unter Artenschutz gestellt. Das Credo: Keine mit der Innenstadt konkurrierende Neuansiedlung von Sortimenten auf der Grünen Wiese. „Ich kann das Argument von OB Frederick Brütting nachvollziehen. Dass man Aalen zur Fahrradstadt machen will, dass noch viel mehr Fahrradkunden von außerhalb nach Aalen kommen sollen“, sagt Bobby Krapp, Inhaber der Sportbörse. Nichtsdestotrotz empfindet er aktuell eine Ungerechtigkeit gegenüber den ortsansässigen Händlern.
Die Ungleichbehandlung: Krapp macht deutlich, was er damit meint: „Mit der Ansiedlung von B.O.C. bei der BayWa macht die Stadt jetzt an der Gartenstraße den Weg frei für innenstadtrelevante Sortimente. Gleichzeitig aber schiebt sie im Gewerbegebiet Aalen-West den Erweiterungsplänen von Johannes Gentner einen Riegel vor - unter Berufung auf das Einzelhandelsgutachten.“
Warum die Fahrradhändler Einspruch erheben:Laut Matthias Ilg basiert die Auswirkungsanalyse zur Ansiedlung von B.O.C auf falschen Zahlen. „Darum können wir die Analyse nicht als seriöses Dokument wahrnehmen, sondern als einen bewusst schön gerechneten Täuschungsversuch, damit die Relevanzschwelle für die Verdrängung im Wettbewerb nicht überschritten wird“, sagt er. Ilgs Aussage nach sind die in der Analyse angegebenen Umsatzzahlen für B.O.C. in Aalen zu niedrig. „Die Analyse geht von einem zu erwartenden Umsatz von lediglich 3,3 Millionen Euro aus.“ Realistisch aber sei ein Umsatz von über 4,3 Millionen Euro. Dabei stützt sich Ilg auf einen Betriebsvergleich des Verbands des Deutschen Zweiradhandels (VDZ). Was die Fahrradhändler zudem irritiert: Bei einer Geschäftsfläche des B.O.C von 2500 Quadratmetern wird die Verkaufsfläche nur mit 1500 Quadratmetern angegeben. „Eine Erweiterung ist also jederzeit möglich“, mutmaßen sie. Die Ansiedelung des B.O.C.-Fachmarkts ziele sehr wohl auf Verdrängung ab.
„Das gibt der Markt nicht her“: Selbst ohne B.O.C., so argumentieren die Fahrradhändler weiter, werde in Aalen und Umgebung in diesem Bereich schon jetzt mehr Umsatz gemacht, als es das Marktpotenzial ausweist. Hinzu kommt: Alle Lager seien proppevoll. „Denn der absolute Verkaufshype der Coronazeit ist vorbei“, sagt Krapp.
Rad und Tat zieht die Konsequenz: Genehmigte Baupläne für eine Erweiterung von Rad und Tat hat Michael Haubner schon in der Schublade. „Eigentlich wollten wir 2024 anfangen zu bauen und an unserem Standort eine Million Euro investieren. Das Vorhaben legen wir jetzt aber auf Eis.“ Denn in dieser Situation mit der geplanten Ansiedelung von B.O.C., will sich der Aalener Fahrradhändler nicht in finanzielle Abhängigkeit begeben.
Ihren Einspruch haben die Fahrradhändler bereits schriftlich an OB Frederick Brütting und Mitglieder des Gemeinderats gesandt, unterzeichnet von Matthias Ilg (Rundum), Michael Haubner (Rad und Tat), Bobby und Benedikt Krapp (Sportbörse), Fabian Benesch (Radsport Gaiser), Stephan Stütz (Rad und Sport Stütz) sowie Mehmet Sarioglu und Rebecca Flechsler (Mehmet's Fahrradservice). Krapp: „Jetzt erhoffen wir uns eine Stellungnahme, warum hier mit zwei Maß gemessen wird.“





