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Nach der dritten Insolvenz von Galeria Kaufhof stehen mehrere Filialen vor dem Aus. Für die verbleibenden wird ein Investor gesucht; ein Name steht offenbar ganz oben auf der Liste.
Update vom 17. Januar, 14.40 Uhr: Nachdem Galeria Kaufhof vergangene Woche zum dritten Mal Insolvenz angemeldet hatte, läuft die Suche nach Investoren auf Hochtouren. Wie aktuell mehrere Medien übereinstimmend berichten, steht dabei ein eher ungewöhnlicher Kandidat weit oben auf der Liste. Demnach soll Bernd Beetz, Präsident des Fußball-Drittligisten Waldhof Mannheim, dem Vernehmen nach an einer Übernahme von mindestens 60 der derzeit noch bestehenden 92 Warenhäuser interessiert sein.
Der gebürtige Schweizer ist zwar millionenschwer, will die Rettung der insolventen Warenhauskette aber offenbar mit einem noch schwereren Partner machen. Der Bild zufolge will der Waldhof-Mannheim-Präsident die Familie Reimann, eine der reichsten Familien deutscher Herkunft, ins Boot holen. Bestätigt ist dabei aber noch nichts. Obwohl die Suche nach Investoren läuft, stehen auch in Baden-Württemberg mehrere Galeria-Filialen vor dem finalen Ende. Das Warenhaus in der Stuttgarter Eberhardstraße soll etwa zum 31. Januar schließen.
Galeria Kaufhof: 2.200 Mitarbeiter in Baden-Württemberg erneut vor ungewisser Zukunft
Erstmeldung vom 15. Januar: Stuttgart - Das Imperium von Unternehmer René Benko fällt immer weiter in sich zusammen. Im April 2023 wurde bekannt, dass der Handelsriese Galeria Kaufhof in Deutschland rund 50 Filialen schließen will, darunter auch jede dritte in Baden-Württemberg. Konkret hieß es, dass zum 31. Januar 2024 die Geschäfte in Esslingen, Heidelberg (Bismarckplatz), Leonberg, Pforzheim, Reutlingen und in der Eberhardstraße in Stuttgart schließen werden. Wenig später hieß es dann aber, dass eine Galeria-Filiale in der Region Stuttgart, nämlich die in Leonberg, doch bestehen bleiben soll.
Mit der erneuten Insolvenzanmeldung am Dienstag (9. Januar) müssen die Mitarbeiter erneut um ihre Zukunft bangen. Derzeit gibt es inklusive der bereits genannten noch 18 Filialen von Galeria Kaufhof in Baden-Württemberg, bei denen insgesamt rund 2.200 Mitarbeiter beschäftigt sind. Das Geschäft in der Königstraße in Stuttgart ist offenbar gesichert, in der Eberhardstraße hat dagegen bereits vor Monaten der radikale Ausverkauf begonnen. Zudem ist die Zukunft weiterer Filialen im Südwesten offen. Laut dem Insolvenzverwalter ist Galeria aber bis zum Spätsommer durchfinanziert.
Dritte Galeria-Insolvenz bedeutet nächsten Tiefschlag für Mitarbeiter in Stuttgart
Beim deutschen Kaufhausriesen Galeria brodelt es seit langem, das Management hatte bereits Ende 2022 in einem Brief an die Belegschaft eine „existenzbedrohende Notlage“ eingeräumt. In einer Mitteilung zur erneuten Insolvenzanmeldung schreibt das Unternehmen allerdings, dass die Filialen und das Online-Geschäft in vollem Umfang fortgeführt werden sollen. „Die zahlreichen Insolvenzen der Signa-Gruppe schädigen jedoch Galeria massiv, behindern das laufende Geschäft und schränken durch hohe Mieten und teure Dienstleistungen die künftigen Entwicklungsmöglichkeiten stark ein.“ Die erneute Insolvenz ist gerade für die Mitarbeiter der Filiale in der Stuttgarter Eberhardstraße ein weiterer Tiefschlag.
Die Mitarbeiter der Filiale haben in den vergangenen Monaten vor allem mit dem großen Ausverkauf zu tun gehabt, unter anderem mussten tausende Produkte entsprechend ausgewiesen werden. Für die 20 Angestellten, die zum Schließungstermin 31. Januar ihren Job verlieren werden, gab es bislang aber zumindest ein Trostpflaster. „Wir hätten eine Abfindung erhalten sollen“, sagte die Betriebsrätin Gülcan Öztas der Stuttgarter Zeitung. „Die kriegen wir nach dem Insolvenzantrag nun doch nicht.“ Dadurch wüssten die Mitarbeiter nicht mal mehr, wie sie für die kommenden Monate ihre Mieten bezahlen sollen.
Mehrere Galeria-Filialen in Baden-Württemberg vor dem Aus – weitere wackeln
Während die Filiale in der Stuttgarter Eberhardstraße sowie die Geschäfte in Esslingen und Reutlingen zum Ende des Monats geschlossen werden sollen, tritt das Aus für die anderen Standorte offenbar früher ein. Laut dem SWR hat die Galeria-Filiale am Heidelberger Bismarckplatz bereits am 13. Januar ihre Türen geschlossen. In Pforzheim ist das Ende auf Mittwoch (17. Januar) datiert. In beiden Fällen sollen die Mitarbeiter des insolventen Handelsriesen ebenfalls keine Abfindungen erhalten haben. Durch die erneute Insolvenz wackeln zudem weitere noch verbleibende Geschäfte im Südwesten.
Verbleibende Galeria Kaufhof-Filialen in Baden-Württemberg (Stand: 15. Januar 2024):
| Stadt | Adresse | Status |
|---|---|---|
| Stuttgart | Königstraße | keine Schließung bekannt |
| Eberhardstraße | Schließung zum 31. Januar | |
| Esslingen am Neckar | Bahnhofstraße | Schließung zum 31. Januar |
| Leonberg | Leonberger Straße | keine Schließung bekannt |
| Heidelberg | Hauptstraße | keine Schließung bekannt |
| am Bismarckplatz | am 13. Januar geschlossen | |
| Mannheim | P11 | keine Schließung bekannt |
| Freiburg | am Bertoldsbrunnen | keine Schließung bekannt |
| am Europaplatz | keine Schließung bekannt | |
| Karlsruhe | Kaiserstraße | keine Schließung bekannt |
| Heilbronn | Fleiner Straße | keine Schließung bekannt |
| Reutlingen | Karlstraße | Schließung zum 31. Januar |
| Pforzheim | Westliche Karl-Friedrich-Straße | Schließung zum 17. Januar |
| Offenburg | Lindenplatz | keine Schließung bekannt |
| Ulm | Bahnhofstraße | keine Schließung bekannt |
| Lörrach | Turmstraße | keine Schließung bekannt |
| Konstanz | Hussenstraße | keine Schließung bekannt |
| Singen | Bahnhofstraße | keine Schließung bekannt |
(Quelle: galeria.de/Filialen)
Die Filialen in Ulm, Konstanz und Singen standen bislang nicht auf der Streichliste von Galeria Kaufhof. Laut der Schwäbischen Zeitung spricht einiges dafür, dass die Filiale in der Ulmer Bahnhofstraße bestehen bleiben könnte. Ein Experte attestierte dem Geschäft dennoch, „keine Geschichte für die Ewigkeit“ mehr zu sein. Zudem geht dem Südkurier zufolge bei den Karstadt-Warenhäusern in Konstanz und Singen erneut die Sorge vor Schließung und Stellenabbau um. Auch das Traditionsmodehaus Kögel in Esslingen schließt nach 120 Jahren Ende Januar seine Pforten.
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