Experte Mohamed Abu rät Interessenten derzeit eher zu einem Neubau als zu einem Altbestand. Aktuell stünden auch die Chancen auf Bauplätze gut, so der Makler.
Ein Immobilienkauf ist für viele eine Entscheidung fürs Leben. Man möchte das Beste für sein Geld – und dabei möglichst wenig ausgeben. Aber geht das? Im letzten Teil unserer Immobilien-Serie gibt Experte Mohamed Abu Tipps, wann und wie sich Geld sparen lässt.
Stuttgart - Ein Haus oder eine Wohnung zu kaufen, bedarf reichlicher Überlegung. „Das ist ein Prozess und keine schnelle Entscheidung“, sagt auch Immobilienmakler Mohamed Abu-Ijheisheh im Gespräch mit BW24. Neben finanziellen Faktoren muss natürlich auch erst die passende Immobilie gefunden werden. „Letzten Endes muss man auf sein Herz hören“, sagt der Experte. Mit einigen Tipps kann man auf dem Weg sogar viel Geld sparen. Mohamed Abu verrät im letzten Teil unserer Immobilien-Serie, wann ein Kauf Sinn ergibt und wann sich die größten Immobilienschnäppchen machen lassen.
Experten-Interview: „Zur Miete zu wohnen, sollte immer nur eine Zwischenlösung sein“
BW24: Unter welchen Voraussetzungen ergibt ein Immobilienkauf Sinn?
Mohamed Abu: Die Entscheidung, wann ein Kauf Sinn ergibt, muss natürlich individuell gefällt werden. Aber grundsätzlich rate ich dazu. Denn: wenn ich als Mieter wohne, zahle ich dem Eigentümer die Wohnung ab. Daher ergibt es immer Sinn, zu kaufen. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, etwa wenn absehbar ist, dass sich an der Wohnsituation etwas ändern wird – zum Beispiel, wenn man beruflich in eine andere Stadt muss oder eine familiäre Veränderung ansteht. Auch, wenn man ein Alter erreicht hat, in dem eine Finanzierung schwierig wird, macht ein Kauf natürlich wenig Sinn.
Wann ist Mieten eine bessere Option?
Wer sehr günstig zur Miete wohnt, für den lohnt sich ein Kauf oft finanziell gesehen nicht. Wenn etwa die Rate zur Tilgung höher als die aktuelle Miete liegt, rate ich davon ab. Allerdings ist dieser Fall meist eher die Ausnahme. Meine persönliche Meinung: Zur Miete zu wohnen, sollte immer nur eine Zwischenlösung sein. Als Mieter in einer Mietwohnung alt zu werden, ist meistens die schlechteste Option. Vor allem hinsichtlich der steigenden Mieten. Auch in Bezug auf das neue Energiegesetz ist absehbar, dass Vermieter aufgrund der Sanierungskosten künftig höhere Mieten verlangen werden.
Außerdem ist man als Mieter immer abhängig. Das fängt schon bei Entscheidungen zu den Räumlichkeiten an. Ich kann als Mieter nicht umbauen, wie ich möchte. Der Eigentümer hat immer die Entscheidungsgewalt. Letzten Endes muss jeder für sich selbst wissen, ob er in Miete bleiben möchte oder nicht. Aber auf lange Sicht kann ich es nicht empfehlen.
Gibt es einen besonders „günstigen” Zeitpunkt für den Immobilienkauf?
Für den Immobilienkauf eignen sich zwei Monate ganz besonders: Der Januar und der August. Im Januar hat das Jahr erst begonnen, viele sind mit dem Start ins neue Jahr beschäftigt. Wie Statistiken gezeigt haben, ist im Januar der größte Preisnachlass möglich. Im August wiederum ist Urlaubszeit. Wer als Interessent dann vor Ort und nicht verreist ist, kann auf dem Markt den größten Preisnachlass bekommen. Von März bis Juni und von September bis November sind die teuersten Monate. Wenn man die passende Immobilie gefunden hat, kann man natürlich nicht zum Eigentümer sagen: Hör zu, wir haben Oktober, wir warten noch bis Januar mit dem Kauf. Wenn es dann alles passt, sollte man trotzdem zuschlagen.
Gibt es demnach auch einen Monat, in dem besonders viele Immobilien auf den Markt schwemmen?
Die meisten Immobilien werden im Frühjahr angeboten. Das hat einen rein psychologischen Grund. Vor einigen Jahren habe ich einen Verkauf eines Hauses in Stuttgart Vaihingen begleitet. Damals war Oktober, es war schon recht herbstlich, grau und regnerisch. Keine der Besichtigungen war erfolgreich. Daraufhin habe ich das Haus einige Monate vom Markt genommen und dann im Februar wieder angeboten. Im März fanden schließlich wieder Besichtigungen statt, bei schönem, frühlingshaften Wetter. Für das gleiche Haus, zum gleichen Preis hatte ich dann sechs Kaufzusagen.
Neubau vs. Altbestand: Immobilienmakler rät Käufern aktuell zu Neubauten
Wann ist es sinnvoll, eine Immobilie zu erwerben, sie aber zu vermieten, anstatt selbst zu beziehen?
In dem Moment, in dem ich eine Wohnung kaufe und sie vermiete und die Miete dann die Kreditkosten abdeckt beziehungsweise annähernd abdeckt, kann man sie weiter vermieten. Da selbst die anfallenden Nebenkosten hauptsächlich vom Mieter übernommen werden, ist auch das abgedeckt. Man muss auch bedenken: durch die Immobilie hat man auch steuerliche Vorteile. Es kann ja sein, dass man Geld draufzahlt, aber man kann vieles steuerlich absetzen, etwa Renovierungskosten, Nebenkosten oder ähnliches. Letzten Endes ist es selbstverständlich eine individuelle Entscheidung, ob und wie viel man zuschießen möchte und wie viel man tragen kann. Allerdings muss man sich immer ins Gedächtnis rufen, dass die Immobilie ja nur an Wert gewinnen kann. Somit ist es eine gute Geldanlage.
Was ist finanziell gesehen derzeit sinnvoller: Neubau oder Renovierung eines Altbestandes?
Hierauf kann ich nur im Hinblick auf die aktuelle Situation auf dem Markt antworten. Denn es ändert sich monatlich. Noch vor zwei Jahren hätte jeder zu einer Bestandsimmobilie geraten und von Neubauten abgeraten. Grundstücke waren ebenso wie Handwerker Mangelware, Neubauten viel zu teuer. Mittlerweile hat es sich gewandelt. Aktuell wird kaum noch gebaut. Das werden wir in den kommenden Jahren zu spüren bekommen, Stichwort Wohnungsmangel.
Aus meiner Sicht lohnt sich derzeit ein Neubau. Und zwar aus einem Grund: Wie auch bei Aktien sollte man sich immer gegen den Trend bewegen. Im Moment haben viele Bauunternehmen freie Kapazitäten. Die Baumaterialien sind preislich deutlich gesunken und es gibt tatsächlich viele Bauplätze. Denn die großen Bauunternehmen, welche die Grundstücke abgekauft haben, bauen aktuell nicht. Das Risiko ist für sie zu groß. Dadurch haben private Investoren und private Eigentümer Chancen, an Baugrundstücke ran zu kommen. Je nach Region sind hier zudem die Preise gesunken.
Zusammengefasst: Wenn man den Mut hat, gegen den Trend zu gehen, dann rate ich zu Neubau. Aber: Das ist wirklich nur eine Momentaufnahme. Im kommenden Frühjahr kann die Situation wieder vollkommen anders aussehen.