VonDominik Grillschließen
Ein Tier aus Baden-Württemberg hat es zu Berühmtheit weit über die Landesgrenzen hinaus gebracht. Die weltweit einzigartige Art besticht durch ihre Größe.
Schwarzwald - Schon Aristoteles bezeichnete Regenwürmer bewundernd als „Eingeweide der Erde“. Schließlich durchmischen und belüften die Wühler den Boden, erhöhen die Wasserhaltefähigkeit der Erde, wandeln Abfälle in reichhaltigen Humus um und tragen zum Schadstoffabbau bei. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zu einem gesunden Bodenklima und lassen Vorgärten genauso gedeihen wie Felder und Wälder. Doch bei all der Begeisterung seitens Hobbygärtnern, Biologen und griechischen Philosophen stoßen die Tiere bei ihrem Anblick meist auf wenig Gegenliebe. Für das menschliche Auge stellt der Regenwurm einfach keine allzu schöne Erscheinung dar.
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Rekord im Schwarzwald – Europas größter Lumbricus lebt in Baden-Württemberg
Ein ganz besonderes Exemplar wühlt sich in Baden-Württemberg durch das Erdreich und dürfte dem ein oder anderen Wanderer bereits einen gehörigen Schrecken eingejagt haben: der Badische Riesenregenwurm. Er ist mit einer Länge von bis zu 60 Zentimetern ein wahres Ungetüm und sucht europaweit seinesgleichen. Bei ihm handelt es sich um den größten Lumbricus des Kontinents, einer Gattung der Regenwürmer, die mehr als 700 Arten umfasst und den Großteil der heimischen Vertreter ausmacht.
In den meisten Teilen Baden-Württembergs können Outdoor-Fans aber beruhigt sein: Der Lumbricus badensis, so der lateinische Name, kommt nur in der Region zwischen Feldberg, Belchen und Wiesental im südlichen Schwarzwald vor. Somit ist der Wurm ein Endemit, also eine Art, die weltweit lediglich in einem einzigen eng umgrenzten Gebiet vorkommt. In der Region des Südschwarzwaldes gibt es noch zwei weitere Tierarten, die nirgendwo sonst zu finden sind.
Badischer Riesenregenwurm wühlt in bis zu 2,5 Metern Tiefe
1906 wurde der Badische Riesenregenwurm vom deutschen Zoologen Johann Wilhelm Michaelsen erstmals wissenschaftlich beschrieben. In den relativ sauren Böden der Fichtenwälder des Gebiets fehlen weiter verbreitete Arten wie der Gemeine Regenwurm, daher konnte sich hier der Lumbricus badensis verbreiten.
Er wird bis zu 20 Jahre alt und bleibt über seine ganze Lebenszeit hinweg seiner Wohnröhre treu. Diese treibt er bis zu 2,5 Meter tief in den Boden und macht sie mit den eigenen Exkrementen wohnlich. Dazu tapeziert der Wurm die Röhre mit verdautem organischem Material aus und verhindert so das Nachrutschen von Erde. Durch die große Tiefe der Behausung übersteht das Tier auch besonders kalte Winter, ohne dem Frost zum Opfer zu fallen.
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Ob seines beeindruckenden Kalibers hat es der Badische Riesenregenwurm mittlerweile zu einer gewissen Berühmtheit gebracht, wovon auch der Riesenregenwurmpfad am Fuße des Belchen, einem der höchsten Berge in Baden-Württemberg, zeugt. Hier können Kinder die Geschichte von Rudi-Regina nacherleben, ein Lumbricus badensis, der verzweifelt nach seinem Freund Rolf-Rosemarie sucht.
Rubriklistenbild: © IMAGO/imageBROKER/B. Maier

