Mysteriöse Geschichten aus der Region

Fünf Mythen und Legenden über Orte in Baden-Württemberg

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Sagen gelten oft als Märchengeschichten, sind aber dennoch spannend.
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Oft verbergen sich hinter Orten geheimnisvolle Sagen, Mythen und Legenden. Wer hätte etwa gedacht, dass hinter der Entstehung des Namens Württemberg die Geschichte einer verbotenen Liebe steckt? BW24 hat in einer Übersicht fünf Sagen aus der Region zusammengetragen.

Stuttgart - In Baden-Württemberg gibt es viele Orte, die einen geradezu magisch anziehen. Da verwundert es nicht, dass sich hinter vielen dieser Orte Sagen verstecken, die unter anderem von mystischen Wesen und Geschehnissen handeln. Die fünf nachfolgenden Geschichten zeigen jedoch, dass es in Legenden nicht immer um Feen, Hexen, Bestien oder andere Fabelwesen gehen muss. Oft haben sie auch menschliche Laster und die Tugend zum Thema.

Die Sage vom Wirt am Berg

Die Sage vom Wirt am Berg erzählt die Namensfindung von Württemberg. Die Geschichte beginnt in der Nähe von Rothenberg (heute Rotenberg), wo der Kaiser seinen Hof hatte. Dort lebte er mit seiner Tochter – der Prinzessin – und seinen Wappnern. Eines Tages verliebte sich die Prinzessin in einen Dienstmann. Ihre verbotene Liebe zwang den Dienstmann dazu, die Prinzessin zu entführen und sich mit ihr zu verstecken.

Das Paar blieb versteckt, bis der Kaiser sich entschloss, wegzuziehen. Die Prinzessin und der Dienstmann bauten und wirtschafteten am Rothenberg. Nach einiger Zeit kehrte der Kaiser zum Rothenberg zurück. Vor Furcht und Aufregung hielt sich die Tochter unbekannt und servierte ihrem Vater seine Lieblingsspeise, die nur sie zubereiten konnte. Der Vater hatte voller Wehmut und Trauer nach seiner Tochter gesucht, da er wusste, dass nur sie diese Speise kochen konnte. Aus Schmerz deckten die Prinzessin und ihr Mann schließlich ihre Identitäten auf und flehten den Kaiser um Verzeihung an. Dieser war nur froh, dass seine Tochter am Leben war und schenkte seinem Schwiegersohn den Rothenberg. Die Bedingung: Er solle den Namen Wirt am Berg fortführen. So schuf er den württembergischen Stamm.

Die Sage rund um die Namensgebung Württembergs handelt von verbotener Liebe und Sehnsucht. 

Das Stuttgarter Hutzelmännlein und die Schöne Lau

Diese beiden Märchen des Ludwigsburger Dichters und Lyrikers Eduard Mörike verbinden das Tollpatschige mit dem Schönem. Als der Schustergeselle Seppe aus Stuttgart auf Wanderschaft gehen möchte, erscheint ihm das Hutzelmännlein. Dieses gibt Seppe ein Stück Hutzelbrot, das nie ausgeht, zwei Paar Glücksschuhe, eines für ihn und ein Paar Mädchenschuhe, und die Aufgabe, ein unsichtbar machendes Bleilot aus Blaubeuren mitzubringen. Unbemerkt vertauscht Seppe die Schuhe und trägt von jedem Paar eines. Das führt auf seiner Wanderschaft zu Hindernissen und Verwirrung, bis Seppe letztendlich nach einigen überstandenen Abenteuern die anderen Schuhe an dem jungen Mädchen Vrone wiederfindet.

Das zweite Märchen spielt am idyllischen Blautopf bei Blaubeuren. Die schöne Lau, eine Nixe, wurde von ihrem Mann verstoßen, weil sie keine Kinder haben konnte. Laut einer Prophezeiung müsse sie fünfmal lachen, um ein leibliches Kind zu gebären. Als sie sich mit der Wirtsfamilie beim Blautopf anfreundet und das Lachen lernt, kehrt ihr Mann zurück und sie erwartet sehnlichst ihr erstes Kind. Zum Dank hinterlässt sie ein Kasten Geld, der nie leer wird, damit die Wirtsfamilie Reisenden einen Zehrpfennig mitgeben kann.

Der Ludwigsburger Dichter Eduard Mörike schrieb die Märchen vom Stuttgarter Hutzelmännlein und der schönen Lau.

Die Geschichte vom Ulmer Spatz

Viele denken bei diesem Vogel gleich an die gemeine Redewendung „Spatzenhirn“. Aufgrund seiner vermeintlichen Dummheit wird der Spatz oftmals geringschätzig betrachtet. In dieser Geschichte wird das kleine Tier jedoch zum Träger der Weisheit. 1377 errichteten die Einwohner Ulms das Münster, das den heute höchsten Kirchturm der Welt besitzt, und stießen auf eine Herausforderung: Das Tor war zu eng, um Baumstämme für den Bau hindurchzubringen. Als sich die Ulmer berieten, sahen sie einen fliegenden Spatzen mit einem Halm und kamen auf die Lösung. Anstatt quer, wurden die Stämme durch ein Loch hereingetragen.

Der Spatz wurde für die Ulmer schnell zum Vorbild beim Bau des Münsters.

Die Teufelsglocke

Einst lebte ein frommer Bauer in Rottenburg. Nachdem er die Kirchenglocke läuten hörte und beten ging, sah er, dass jemand für ihn fertig gepflügt hatte. Aus Dankbarkeit für die göttliche Wohltat ließ er eine Kapelle – die „Todris“ – an seinem Feld errichten. Eines Tages wollte der Bauer eine Glocke stiften, hatte aber kein Geld. Da suchte ihn eines Nachts der Teufel heim und machte ihm ein Angebot: Er würde ihm aus Rom eine Glocke bringen, mit der ersten Seele, die die Kapelle betritt, als Preis. Der Bauer willigte unter der Bedingung ein, dass die Glocke aufgehängt wird, ehe die erste Messe zu Ende ist. So flog der Teufel schon über dem Bodensee zurück mit der Glocke, als Petrus ihm die Glocke entriss und sie in den See warf. Als Notlösung stahl der Teufel die Glocke aus dem Ravensburger Mehlsackturm. Jedoch kam er zu spät: Die Messe war bereits zu Ende. Aus Wut schleuderte der Teufel die Glocke gegen den Kirchengiebel und diese bekam einen Sprung.

Den Teufel ausgetrickst: die Geschichte der Glocke in der Sülchenkirche.

Die Wettenburg

Oberhalb von Wertheim liegt ein Felsen, der von drei Seiten vom Main umflossen wird. Dort soll einst eine Burg gestanden haben, dessen letzte Gräfin geizig war und ihre Bauern ausbeutete. Ihren bitteren Hass bekamen aber die Armen und Bettler zu spüren. So verlangte sie, dass auch die vierte Seite vom Main umflossen wird, um ihnen den Weg zu versperren. Das Vorhaben stieß auf Bedenken und sie schwor: „Es mag Gott lieb oder leid sein; mein Vorhaben wird ausgeführt! So wenig ich diesen Ring wiedersehe, so wenig unterbleibt es!“ Sie nahm ihren Ring und warf ihn in den Fluss. Noch am selben Abend fand der Koch den Ring in einem Karpfen und gab ihn der Gräfin. Sie war geschockt und im selben Moment schlug ein Blitz ein und versenkte die Burg im Berg.

Alle sieben Jahre soll die Burg am Grunde des Mains zu sehen sein. Zudem soll sich auch an der Stelle der ehemaligen Burg eine Höhle öffnen. Einmal soll ein Schäfer dorthin gegangen sein. Wie es heißt, kam er erst nach sieben mal sieben Jahren zurück. Ein anderes Mal schickten Jungen den Mutigsten unter ihnen dorthin. Als er zurückkam, konnte er lange vor Schock nicht sprechen. Später konnte er erzählen, was er gesehen hatte, nämlich Menschen in altertümlichen Trachten, Gold und Edelsteine. Das Erlebnis hatte den Jungen jedoch so sehr mitgenommen, dass er weniger später starb.

Die kaltherzige Gräfin von der Wettenburg wurde vom Blitz erschlagen. 

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