Bauernprotest hat Ellwangen am Mittwoch fest im Griff

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Bauernversammlung am Kalten Markt in Ellwangen, bevor Cem Özdemir seinen Auftritt hat.
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Landwirte legen erst die Stadt lahm - danach wird dem grünen Minister die Meinung gegeigt.

Ellwangen. Der Aufruf in den sozialen Netzwerken war klar formuliert: „Ellwangen muss am Mittwoch stehen.“ Und genauso sollte es dann auch kommen. Ellwangen stand - und das gleich in mehrfacher Hinsicht.

Auf den Straßen ging am frühen Morgen nichts mehr. Bulldogs blockierten Kreuzungen und Zufahrtswege in die Innenstadt; der Berufsverkehr bewegte sich, wenn überhaupt nur schrittweise. Manche Autofahrer wichen in ihrer Verzweiflung auf Feldwege aus, um irgendwie voranzukommen.

Bauernversammlung am Kalten Markt in Ellwangen, bevor Cem Özdemir seinen Auftritt hat.

Auf der Haller Straße hatten sich die Traktoren in Vierer-Reihen hintereinander aufgestellt: Dort gab es am frühen Morgen überhaupt kein Durchkommen mehr. Auf unzähligen Plakaten wurden scharfe Kritik an der Ampelregierung geübt. „Sie pflügen nicht, sie säen nicht, sie ernten nicht, aber sie wissen alles besser“ gehörte noch zu den freundlichen Formulierungen, die man lesen konnte. Radikale Inhalte sah man am Mittwochvormittag in der Haller Straße in Ellwangen nicht.

Bauernversammlung am Kalten Markt in Ellwangen, bevor Cem Özdemir seinen Auftritt hat.

Die Stimmung unter den Landwirten war im Vorfeld der Bauernkundgebung friedlich, aber durchaus entschlossen. Unter ihnen zum Beispiel auch das Ehepaar Taxis aus Bartholömä: „Wir hatten heute eine sehr lange Anreise; aber wir wollten unbedingt hier dabei sein“, machten die Eheleute klar, die sich dann mit einem sehr großen Plakat vor und später auch in der Ellwanger Stadthalle positionierten. Auf diesem Plakat konnte jeder nachlesen, warum die Bauern jetzt in den Streik gehen. Die geplante Abschaffung der Dieselbeihilfe ist demnach nur der berühmte letzte Tropfen, der Fass zum Überlaufen gebracht hat. Flächenstilllegungen ohne Ausgleich, 30 Prozent weniger Agrarförderung, die Streichung von Investitionsförderungen, und und und ...: All das bringt die Bauern auf die Palme.

Bauernversammlung am Kalten Markt in Ellwangen, bevor Cem Özdemir seinen Auftritt hat.

Hunderte warten draußen

Von den Protestierern schafften es am Mittwoch aber bei weitem nicht alle in die Stadthalle. Wo am Vormittag - mit deutlicher Verspätung - die Bauernkundgebung zum Kalten Markt mit dem grünen Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir stattfand.

Schon sehr früh wurde von den Ordnungskräften ein Einlassstopp verhängt. Die 700 Plätze fassende Halle war bereits um 9.30 Uhr mehr oder weniger voll besetzt. Weshalb Hunderte Menschen draußen - in eisiger Kälte - ausharren mussten. Über Lautsprecher konnten sie verfolgen, was in der Halle gesprochen wurde - dabei kam es immer wieder zu lauten Unmutsbekundungen.

Bauernversammlung am Kalten Markt in Ellwangen, bevor Cem Özdemir seinen Auftritt hat.

Die Emotionen sollten - trotz der eisigen Temperaturen - kurzzeitig sogar noch etwas weiter hochkochen. Denn nach der Veranstaltung in der Halle wagte sich der grüne Minister auch auf die kleine Bauernkundgebung vor der Halle, die sich direkt anschloss. Mit lauten Sprechenchören hatten die Landwirte hier den öffentlichen Auftritt von Cem Özdemir eingefordert. „Rauskommen, rauskommen“ hallte es zur Mittagszeit durch die Haller Straße. Und der Minister kam dann – mit etwas Verspätung – auch raus. Allerdings betrat Özdemir danach nicht etwa die Rednerbühne, die die Landwirte in der Haller Straße aufgebaut hatten. Er positionierte sich auf einem Anhänger, den man - wegen Sicherheitsbedenken - in Rekordtempo auf der anderen Straßenseite, beim Eingang zur Stadthalle, zum Rednerpult umfunktioniert hatte. 

Nachdem der Minister hier das Reizwort „Agrardiesel“ zum ersten Mal ausgesprochen hatte, wurde er niedergebrüllt. „Die Ampel muss weg“, schallte es ihm entgegen. Erst danach konnte Özdemir seine Position erläutert. Auf der anderen Seite machten der Neunheimer Landwirt Alfons Wagner sowie als Vertreter der jungen Bauern, Lukas Schmidle und Klara Haas, klar, wo der bäuerliche Schuh drückt.

Zuvor hatte Dr. Franz Josef Grill von den Freien Wählern mit der Bundespolitik abgerechnet, die nach seiner Auffassung das deutsche Gesundheitswesen herunterwirtschaftet. In diesem Zuge ärgerte sich Grill darüber, dass man für die drei Krankenhäuser im Landkreis offenbar kein Geld mehr hat, sehr wohl aber für Gender-Projekte im Ausland.

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