VonGerhard Königerschließen
Das Sanierungskonzept, das der Landrat Dr. Joachim Bläse in Aalen vorgestellt hat, vernimmt man in Ellwangen mit blankem Entsetzen. Stimmen aus der Stadt und Analyse der Ereignisse.
Ellwangen Das Timing, kurz nach den Kommunal- und Europawahlen, war eigentlich nicht überraschend. Direkt vor einem Urnengang geht man nicht mit schlechten Nachrichten an die Öffentlichkeit, in der Politik ein ungeschriebenes Gesetz. Direkt danach, das geht. Und dennoch haben die politischen Entscheider in Ellwangen offensichtlich nicht damit gerechnet, dass der Landrat noch vor der Einsetzung des neuen Kreistags mit derart tiefgreifenden Veränderungen vorpreschen würde.
Virngrundklinik: Was alles wegfallen soll
In der Virngrundklinik soll es künftig nur noch geriatrische Betten, Schmerztherapie, Ärztehaus, AKI (Wachkoma), Kurzzeitpflege und eine 24/7 Notfallpraxis geben. Keine Intensivstation, keine Innere Abteilung, keine Onkologie, keine Unfallchirurgie, keine Geburtshilfe, keine Chirurgen und keine Operationen mehr.
Rainer Knecht: "Nicht akteptabel"
Rainer Knecht, seit 2004 Kreisrat und seit 2009 Mitglied im Klinikausschuss, sieht diese Reduzierung des Angebots in Ellwangen äußerst kritisch: „Wir haben in Ellwangen bestens ausgestattete OP-Säle. Die sollen jetzt still gelegt werden, während man in Aalen für 20 Millionen neue baut? Das versteht kein Mensch.“ Knecht versteht, dass der Landrat angesichts des 60-Millionen-Defizits möglichst schnell die Strukturen verändern will. Dass nun ausgerechnet in Ellwangen die große Degradierung kommen soll, stößt ihm bitter auf: „Das ist für die Kreisräte aus dem Virngrund nicht akzeptabel und es fällt auch die Entscheidungsgrundlage weg, denn wir haben dem Klinikkonzept nur zugestimmt, unter dem Vorbehalt, dass in Ellwangen eine Grundversorgung erhalten bleibt.“
Berthold Vaas: "Kann nicht funktionieren"
Berthold Vaas kennt das Krankenhaus als langjähriger Pflegedirektor und zuletzt kaufmännischer Standortleiter besser als viele andere. Mit dem „Bündnis für eine starke Virngrundklinik“ kämpfte er wie ein Löwe für die Klinik: „Was der Landrat hier ohne Kreistagsbeschluss vorgibt, ist eine Katastrophe für Ellwangen und die ganze Region. Allein durch die Ankündigung droht schon ein personelles Ausbluten der Virngrundklinik.“ Die Idee einer Notfallversorgung auf MVZ-Basis sei völlig unrealistisch. „Das kann nicht funktionieren, die Ellwanger Ärzteschaft ist gar nicht in der Lage und auch nicht Willens das zu leisten.“ Eigentlich müsste man die hervorragenden Strukturen in Ellwangen nutzen, bis der Regionalversorger in Essingen gebaut ist, sagt Vaas. Dass jetzt Ellwangen reduziert und am Ostalbklinikum investiert wird, „...sieht für mich so aus, als ob der Landrat gar nicht mehr an Essingen glaubt. Dann hätten wir die Zwei-Haus-Struktur, die laut Gutachter die teuerste ist.“
Michael Dambacher: "Dafür gibt es keinen Beschluss"
Der Ellwanger Oberbürgermeister Michael Dambacher hat sich immer wieder mit seinen Kollegen aus Aalen und Schwäbisch Gmünd in Sachen Klinikkonzept gerieben. Hat er nun gegen Brütting und Arnold den Kürzeren gezogen? „So würde ich das nicht sagen. Aber es hat sich gezeigt, dass derjenige, der den konstruktiven Weg geht und fair bleibt, letztlich vor vollendete Tatsachen gestellt wird.“ Für Dambacher ist die Angelegenheit noch nicht entschieden, er will sich den Plänen des Landrats mit aller Macht widersetzen und sieht die Kreisräte aus Ellwangen und dem Virngrund an seiner Seite. Das Vorgehen Bläses hält Dambacher für im Kern undemokratisch: „Für das, was jetzt im Raum steht, gibt es keinen Kreistagsbeschluss. Es werden Fakten geschaffen, die vorher nicht beraten wurden. Mit dem Wissen um das, was in Ellwangen jetzt wegfallen soll, hätten viele dem Regionalversorger in Essingen nicht zugestimmt“, ist er sicher.
Volker Grab: "Völlig unlogisch"
Volker Grab, Bürgermeister in Ellwangen, ist seit 1994 Kreisrat und führt seit 2004 die grüne Fraktion. Seit 2019 ist er Aufsichtsrat der MVZ Ostalb Kliniken gGmbH und war Mitglied der Lenkungsgruppe Klinikkonzept. „Was der Landrat jetzt vorschlägt, würde den ganzen Osten des Landkreises von einer gleichwertigen Gesundheitsversorgung ausschließen. Dem werde ich so nicht zustimmen.“ Er sei am Samstag im Kreistag über die Vorschläge informiert worden. „Wir Kreisräte aus Ellwangen und dem Virngrund waren alle schockiert, weil wir dem Regionalversorger Essingen nur auf der Grundlage des Zukunftskonzepts zugestimmt hatten. Darin ist die Virngrundklinik als Grundversorger mit OP und vollwertiger Notfallversorgung vorgesehen.“ Ein Haus wie die Virngrundklinik mit so guter Ausstattung und Personal derart zu reduzieren, sei völlig unlogisch und inakzeptabel.

