Kliniken Ostalb

Reaktionen zum Zukunftskonzept: „Vorschläge sind nicht akzeptabel“

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Landrat und Klinikvorstand haben am Montag (17.6.) den Zukunftsplan für die Kliniken Ostalb vorgestellt. Die Maßnahmen sorgen für Zündstoff.

Aalen. Vor allem die Virngrundklinik in Ellwangen könnte in Zukunft eine ganz andere Rolle spielen, als noch vor wenigen Monaten ursprünglich geplant. Operationen könnten zum Beispiel von dort abgezogen werden – dies sickerte bereits im Vorfeld des Pressegesprächs durch.

Landrat Dr. Joachim Bläse und Christoph Rieß, der neue Vorstandsvorsitzende der Kliniken, scheinen die Zukunftsfrage der Kliniken Ostalb unbeirrt angehen zu wollen. Der Druck, das für 2024 prognostizierte Defizit in Höhe von 60 Millionen Euro zu reduzieren, ist enorm.

Klinikchef Christoph Rieß (r.) und Landrat Joachim Bläse.

Wichtig zu wissen: Von diesem Defizit resultieren circa zwei Drittel weitestgehend aus Vorgaben der Bundespolitik. Es geht um eine "strukturelle Unterfinanzierung" im Krankenhaussystem. Lösungen kommen nur schleppend voran, auch wenn Ricarda Lang auf Anfrage unserer Redaktion (Grüne, Bundestagsabgeordnete aus Schwäbisch Gmünd) sagt: „Wir sind mit der Krankenhausreform auf einem guten Weg.“

17.42 Uhr: Rainer Knecht, seit 2004 Kreisrat und seit 2009 Mitglied im Klinikausschuss, sieht die Reduzierung des Angebots in Ellwangen äußerst kritisch: „Wir haben in Ellwangen bestens ausgestattete OP-Säle. Die sollen jetzt stillgelegt werden, während man in Aalen für 20 Millionen neue baut? Das versteht kein Mensch.“ Knecht versteht, dass der Landrat angesichts des 60-Millionen-Defizits möglichst schnell die Strukturen verändern will. Dass nun ausgerechnet in Ellwangen die große Degradierung kommen soll, stößt ihm bitter auf: „Das ist für die Kreisräte aus dem Virngrund nicht akzeptabel und es fällt auch die Entscheidungsgrundlage weg, denn wir haben dem Klinikkonzept nur zugestimmt, unter dem Vorbehalt, dass in Ellwangen eine Grundversorgung erhalten bleibt.“

17.21 Uhr: Am frühen Abend meldet sich die Fraktion der Grünen im Ellwanger Gemeinderat. „Mit dem neuen Vorschlag werde der Landkreis seiner Verantwortung insbesondere gegenüber den Bewohnerinnen und Bewohnern des Virngrundes, aber auch Ellwangens nicht gerecht. Eine Klinik mit vier hochmodernen und bestens funktionierenden Operationssälen Knall auf Fall aufzugeben, könne keine Lösung für die von der Krankenhausverwaltung selbst verursachte Misere sein.“

16.55 Uhr: Ellwanges OB Michael Dambacher meldet sich zu Wort. „Es hat sich gezeigt, dass derjenige, der den konstruktiven Weg geht und fair bleibt, letztlich vor vollendete Tatsachen gestellt wird.“ Dambacher will sich den Plänen des Landrats mit aller Macht widersetzen.

15.47 Uhr: Anders als Mack, der in Ellwangen geboren wurde, bewerten Mutlangens Bürgermeisterin Stephanie Eßwein und Gmünds Oberbürgermeister Richard Arnold die vorgestellte „Übergangslösung“, bis der Regionalversorger in Essingen steht: „Wir können gar nicht anders. Wir stehen mit dem Rücken zur Wand.“ Deshalb sei der vorgeschlagene Weg angesichts des Defizits der Kliniken in Höhe von 60 Millionen Euro „ok“. Die Versorgung im Gmünder Raum leide nicht, die Erreichbarkeit sei gegeben. Klar sei gewesen, dass es kein „Weiter so“ gebe, zumal die Kommunen mit der Kreisumlage das Defizit nicht tragen könnten.

15.11 Uhr: Gutes Timing ist alles. Es hat nicht lang gedauert, da gibt es bereits die erste Reaktion seitens des Landtagsabgeordneten und neuen Kreistagsmitglied Winfried Mack (CDU). Er teilt mit: „Die Vorschläge des Landrats sind nicht akzeptabel. Das Ellwanger Krankenhaus ist zwölf Jahre alt und hat optimale Betriebsabläufe. Das Personal ist hervorragend ausgebildet, engagiert und motiviert. Statt das Krankenhaus jetzt praktisch stillzulegen, muss es Teil der Gesundheitsversorgung der Region sein, wie vom seitherigen Kreistag im Juli 2023 beschlossen.“

Mack weist zudem darauf hin, dass der Ostalbkreis seinen Versorgungsauftrag gemäß des Landeskrankenhausgesetzes BW auch in der Raumschaft Ellwangen erfüllen müsse. Mack: „Das nächste Krankenhaus bzw. die nächste Notfallversorgung in Aalen oder Crailsheim ist 30 Minuten und mehr entfernt.“ Dass Landrat Bläse das Zukunftskonzept Klinken Ostalb derzeit so intensiv vorantreibt, stört den 58-Jährigen: „Der Landrat handelt ohne Beschlüsse des Kreistags (§28 II Landkreisordnung BW). Dieser tritt erst Ende Juli zusammen.“

Klinken Ostalb: „Mir ist wichtig, wir schließen Ellwangen nicht“

15.00 Uhr: Zum Schluss ging es noch um die Frage, wie die Gespräche mit dem Personal verlaufen werden. Das Pressegespräch ist beendet. Nachberichte folgen ...

14.55 Uhr: Der alte Kreistag kann über die Zukunftsplanung der Kliniken Ostalb nicht beschließen, daher wird es nach einer Abstimmung eine Empfehlung geben. Den Beschluss wird das neu gewählte Gremium voraussichtlich in der Sondersitzung am 23. Juli treffen. Ursprünglich hatte Landrat Bläse sogar gehofft, den alten Kreistag abstimmen lassen zu dürfen.

14.51 Uhr: "Mir ist wichtig, wir schließen Ellwangen nicht. Dort wird es weiter eine 24/7-Versorgung geben. Wir können und wollen uns nicht aus der Fläche zurückziehen", erklärt Joachim Bläse.

14.47 Uhr: "Meine große Hoffnung ist es, dass das Konzept mehrheitsfähig ist. Wer eine andere Möglichkeit findet, Strukturen und Finanzierung in Einklang zu bringen, dann freue ich mich", so Bläse.

14.41 Uhr: Rieß: "Nach Ostern hatten wir eine Bestandsaufnahme gemacht. Die letzten Wochen waren extrem tough. Am vergangenen Montag haben wir erst vom Sozialministerium eine Rückmeldung erhalten. Wir haben unter maximalen Druck gearbeitet. Es ist aber klar, dass wir mit den Umsetzungen nicht Monate warten dürfen. Das Konzept ist keine rießsche Highend-Wissenschaft. Wir haben es mit mehreren Mitarbeitern entwickelt."

Angesichts der wirtschaftlichen Situation: Regionalversorger in Essingen auf der Kippe?

14.39 Uhr: Ist es denkbar, dass der Regionalversorger Essingen angesichts der wirtschaftlichen Situation des Ostalbkreises gar nicht gebaut wird? Landrat Bläse ist eindeutig: "Nö."

14.37 Uhr: Zur Erinnerung: Das Defizit betrug vor acht Jahren noch 11,53 Mio. € (2017), ab 2020 gab es jährlich Ausgleichszahlungen von mindestens 30,89 Mio. € (2020), zuletzt in 2023 sogar 52,6 Mio. €.

14.33 Uhr: Wichtig: In den kommenden Jahren würde es trotz der geplanten Umstrukturierungen weiter ein Defizit geben. In 2025 würde das Defizit von 60 Millionen Euro vermutlich nicht anwachsen, aber auch nicht gleich 1:1 durch die Einspareffekte reduziert. Rieß: "Restrukturierungsmaßnahmen kosten oft Geld, bis sie einen Effekt erzielen." 

Landrat Dr. Joachim Bläse bei der Pressekonferenz zum Zukunftsplan Kliniken Ostalb.

14.30 Uhr: "Wir erkennen maximal an, was in Ellwangen geleistet wird. Aber darauf kommt es nicht an. Es ist knüppelhart für die Menschen. Viele hatten sich erhofft, dass die Änderungen erst 2035 kommen", sagt Rieß.

14.29 Uhr: Bläse: "Ich werde den Druck auf den Bund und Land hochhalten. Wir setzen beim Regionalversorger Essingen darauf, dass wir aus dem Fond Struktur und Verkehr Geld erhalten. Wer die Veränderungen mitgeht, erhält als Kreis normalerweise Unterstützung."

14.28 Uhr: Bläse: "Herr Rieß hat es sehr vornehm ausgedrückt: "Wenn es um die Defizite unter den Kliniken in Baden-Württemberg geht, dann sind wir Spitzenreiter in Baden-Württemberg. Wenn einer sagt, wir brauchen noch Zeit: Nein, die haben wir nicht mehr. Wir sind Schlusslicht unter allen öffentlichen Trägern." 

14.25 Uhr: Christoph Rieß hat durch insgesamt 37 Folien durchgeführt, jetzt kommt Landrat Bläse wieder zu Wort: "Es ist für uns ein herausfordernder Tag. Die Situation ist nicht gut, Ellwangen bleibt als Klinikstandort erhalten, aber wird schon früher weiterentwickelt."

Kliniken Ostalb: Klinikpersonal erfährt aus der SchwäPo von Änderungen

14.23 Uhr: Christoph Rieß: "Erst hat die SchwäPo heute unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter informiert. Am Vormittag dann auch wir. Wir werden uns jetzt mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammensetzen und erörtern, wie es weitergeht."

14.20 Uhr: "Wir befinden uns in einer massiv defizitären Situation, daher müssen wir diese massiven Themen angehen", so Rieß.

14.16 Uhr: Rieß: "Ab dem 1. September 2024 sollen die allgemeine Geburtenhilfe in Ellwangen geschlossen werden. Es gab bisher nur 200 Geburten in diesem Jahr. Die Frauen stimmen jetzt schon mit den Füßen ab." Daher sei die Zentralisierung in Aalen richtig.

Christoph Rieß: „Wir greifen elementar in die Struktur der Kliniken Ostalb ein“

14.13 Uhr: "Die Viszeralchirurgie in Ellwangen planen wir zu schließen. Wir greifen elementar in die Struktur der Kliniken ein", so Rieß weiter. Auch die drei Unfallchirurgien werden von zwei auf drei reduziert.

14.10 Uhr: Rieß: "Die kompletten onkologischen Leistungen wollen wir nach Mutlangen verlegen." Das Land hat uns bestätigt, dass dieser Weg genau richtig sei. In Mutlangen haben wir große Routine.

14.05 Uhr: "Es ist klar erkennbar, dass nicht notwendige 3-fach oder 2-fach Strukturen kurzfristig konsequent abgebaut werden müssen", sagt Rieß. Daher werde aus dem Standort Ellwangen den Plänen zufolge nur ein Gesundheitsversorger (z.B. mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie, der Schmerztherapie oder als als Anlaufstelle für Notfälle mit Basisversorgung).

14.01 Uhr: Laut Rieß muss das am 25. Juli 2023 vom Kreistag beschlossene Grobkonzept aufgrund der verschärften Lage konkretisiert und weiterentwickelt werden.

Kliniken Ostalb: Urologische Ambulanz in Mutlangen soll erweitert werden

13.57 Uhr: Um den Übergang gut zu meistern, soll auch investiert werden. Die OP-Sanierung in Aalen wurde bereits beschlossen. Die Kinderklinik in Aalen soll erweitert werden, ebenso das ZNA und die urologische Ambulanz in Mutlangen.

13.55 Uhr: Auch die Kinderkliniken sollen fusioniert werden. Bis 2027. Dies hatten die Grünen bereits im Januar 2024 angeregt, Empörung geerntet und einen Rückzieher gemacht. Der Einspareffekt soll bei zwei Millionen Euro liegen. Die Fusion Herzkatheter soll eine Million Euro Ersparnis bringen.

13.53 Uhr: Die OP und Geburtenhilfe in Ellwangen soll gemäß des Zukunftskonzepts wegfallen, die Auslastung in Aalen besser werden. Effekt: nach kompletter Umsetzung 11,5 bis 14 Millionen Euro. Die Stroke-Unit soll fusioniert werden, allein das soll 1,1 Millionen Euro pro Jahr einsparen.

13.49 Uhr: Jetzt spricht Christoph Rieß als Klinikvorstand. "Es sind irre Zahlen, mit denen wir uns beschäftigen. Es geht aber nicht um Harakiri-Aktionen, sondern um sinnvolle Maßnahmen."

Landrat Bläse rechnet mit einer „öffentlichen Dampfwalze“

13.47 Uhr: Bläse: "Auch wenn die öffentliche Dampfwalze jetzt über mich drüber rollt: Wir haben jetzt hohe Sachkompetenz, ein erarbeitetes Konzept, es ist kein Aufschub mehr möglich. Die Entscheidung, die jetzt zu treffen ist, wird uns die nächsten Jahre prägen."

13.46 Uhr: Klar ist jetzt auch, dass die Kliniken Ostalb ein Defizit in Höhe von 60 Millionen Euro erreichen werden. Das hat der Landrat bestätigt, nach einem Bericht unserer Redaktion hieß es noch 50 bis 60 Millionen Euro. 

13.42 Uhr: Das Defizit in 2023 von knapp unter 40 Millionen Euro sei – laut Landrat Bläse – nur durch Sondereffekte erzielt worden. "Wir sind finanziell fertig. Wir sind an einem Punkt, wo ich nicht mehr weiß, wie wir die kommenden Haushalte aufstellen sollen. Die brutale Notwendigkeit des Handelns bei den Kliniken Ostalb ist gegeben", so Bläse.

Standort Aalen kommt in Übergangszeit große Bedeutung zu

13.41 Uhr: Aalen ist im Übergangskonzept der zentrale Notfallversorger mit zahlreichen Leistungsgruppen, die später in Essingen zusammengeführt werden.

13.40 Uhr: Mutlangen ist zweiter starker Standort, als Grund- und Regionalversorger geplant, um das hohe Aufkommen an nicht kritischen Fällen aus dem Ballungsraum um Schwäbisch Gmünd zu versorgen. Angebote: Allg. Innere Medizin, Chirurgie, Sonstige (Intensivmedizin, Notfallmedizin), Ärztehaus, SV Onkologie, Kurzzeitpflege, Amb. Operieren, geriatrische Betten innerhalb LG 1_1, 24/7-Notfallpraxis, ambulante, orthopädische Reha.

13.38 Uhr: Ellwangen soll bereits in der Übergangsphase (bis 2035) zum intersektoralen Gesundheitsversorger umgewandelt werden. Geplante Angebote sind: Allg. Innere Medizin, KJP (vollstationär und teilstationär), geriatrische Betten (innerhalb LG 1_1), Schmerztherapie, Ärztehaus, AKI (Wachkoma), Kurzzeitpflege, 24/7 Notfallpraxis.

Joachim Bläse: „Kernidee des Konzepts zahlt auf die Jahre 2035 und folgende ein“

13.34 Uhr: Bläse: "Die Kernidee zahlt nicht auf den 17. Juni 2024 ein, sondern auf die Jahre 2035 und folgende. Wir machen ein Konzept, dass auch 2045 und 2050 funktionieren muss. Mit dem Ziel, eine gute Struktur im Ostalbkreis aufzustellen." 

13.32 Uhr: "Die Konzentration von Leistungen in größeren, spezialisierten Teams ist der Schlüssel, um die Versorgung langfristig in hoher Qualität zu sichern und gleichzeitig wirtschaftlich tragfähig zu werden", wird Christoph Rieß in einer ausgedruckten Pressemitteilung zitiert.

13.30 Uhr: Landrat Dr. Joachim Bläse: "Wir sind in einer sehr herausfordernden Lage und müssen zügig mutige Entscheidungen treffen und konsequent umsetzen."

Zukunftskonzept der Kliniken Ostalb: Alter und neuer Kreistag eingebunden

13.28 Uhr: Über die Änderungen – im Grundsatz laut Landrat Bläse am 25. Juli 2023 beschlossen – soll der aktuelle Kreistag am 2. Juli abstimmen. Der neu gewählte Kreistag soll dann das Zukunftskonzept voraussichtlich am 23. Juli im Rahmen einer Sondersitzung beschließen. Dann wären die neuen Vertreterinnen und Vertreter erst einen Tag im Amt. 

13.27 Uhr: Die wohnortnahe Notfallversorung 24/7 soll an allen Standorten erhalten bleiben. Schwere Notfälle werden zukünftig von Spezialteams in Aalen behandelt – später dann mal in Essingen.

13.25 Uhr: Das Medizinkonzept 2035 wird noch einmal vorgestellt. Essingen soll der neue Regionalversorger werden, Mutlangen Grund- und Regelversorger. Ellwangen soll sektorenübergreifender Versorger werden – mit klar abgestimmten Leistungsschwerpunkten.

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