Luft ist raus

Autozulieferer schließt Werk in Baden-Württemberg – 600 Jobs betroffen

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Der Autozulieferer Michelin hat beschlossen, mehrere Werke in Deutschland zu schließen. In Karlsruhe stehen 600 Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Karlsruhe - Dem Michelin-Männchen geht in Deutschland die Luft aus. Im vergangenen Jahr besuchte der SPD-Bundestagsabgeordnete Parsa Marvi noch das Werk des Reifenherstellers in Karlsruhe. Damals gewann er den Eindruck, der Standort sei gut aufgestellt. Doch der Schein trügt, wie sich jetzt zeigt, denn Michelin will seine Produktion in Deutschland beenden, kündigte der französische Reifenhersteller am Dienstag (28. November) an.

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Michelin-Mitarbeiter in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Saarland bangen um Arbeitsplätze

Betroffen sind davon vor allem die Werke in Karlsruhe und Trier, die bis Ende 2025 komplett geschlossen werden sollen. Im saarländischen Homburg wird demnach die Produktion von Neureifen und Halbfertig-Produkten beendet. Vor allem den Standort in Karlsruhe trifft der Entschluss heftig, denn 600 Arbeitsplätze sind dort betroffen. Hinzu kommt, dass das Kundenkontaktzentrum von der Fächerstadt nach Polen verlegt wird. Dies betrifft weitere hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wie Michelin bereits im Oktober ankündigte.

Im Michelin-Werk in Karlsruhe stehen 600 Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Christian Metzger, Werksleiter bei Michelin am Standort Karlsruhe, sehe die Gründe für die Schließung in der schlechter gewordenen Wirtschaftsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit von Michelin in Deutschland, wie er gegenüber dem SWR sagte. Doch von der Gewerkschaft IG Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) kommt herbe Kritik für die Pläne, denn dadurch würden deutschlandweit rund 1500 Menschen ihre Arbeit verlieren. Deshalb machte Gewerkschaftsvertreter Matthias Hille klar: „Wir geben die Standorte nicht auf und werden weiter an Alternativkonzepten arbeiten.“

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Michelin gehe es laut Gewerkschaft nur um Gewinnmaximierung

Er halte den geplanten Kahlschlag für falsch, so Hille weiter, der Michelin vorwirft, allein den Profit zu maximieren. Nicht nur Michelin macht in Deutschland dicht, auch der Reifenhersteller Goodyear will seine Werke in Fulda und Fürstenwalde einstampfen. Tausend Jobs stehen dort auf dem Spiel.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Was Michelin betrifft, gibt man in Karlsruhe nicht auf. Die Stadt teilte dem SWR allerdings mit, dass man seit Tagen in Gesprächen mit Michelin stehe, weshalb man von der Ankündigung überrascht sei. Zuletzt berichtete BW24 über einen anderen Autozulieferer, der in Baden-Württemberg massiv Stellen abbauen will.

Rubriklistenbild: © Michelin

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