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Der Autozulieferer Faurecia ist auf Sparkurs und will im Südwesten Standorte schließen. Betroffen sind sowohl Werke in Baden-Württemberg, als auch in Rheinland-Pfalz.
Stuttgart/Hannover - Aufgrund der aktuellen weltwirtschaftlichen Lage, mit stark gestiegenen Preisen und einem deutlich nachlassenden Konsumverhalten, müssen viele Unternehmen sparen. In der Autoindustrie kommt zusätzlich noch die große Herausforderung der Transformation hinzu, die sogar die größten Konzerne vor Probleme stellt. Der Autozulieferer ZF will etwa im kommenden Jahr einen deutschen Standort schließen und 200 Stellen abbauen. Auch beim französischen Konzern Forvia, der in Deutschland, Österreich und der Schweiz weiterhin unter dem alten Namen Faurecia agiert, stehen Sparmaßnahmen an.
Bereits im Jahr 2019 hatte der Autozulieferer angekündigt, den Standort im schwäbischen Böblingen bei Stuttgart schließen zu wollen. Nach erbitterten Protesten der Mitarbeiter und der Gewerkschaft IG Metall konnte die Standortschließung zwar abgewendet werden, knapp 100 Arbeitsplätze wurden dennoch abgebaut. Die aktuelle Krise zwingt den Konzern zu weiteren Standortschließungen in Baden-Württemberg und auch in Rheinland-Pfalz.
Autozulieferer will in Deutschland Stellen abbauen – Standort im Südwesten besonders betroffen
Aufgrund der hohen Kosten durch die Inflation und den vergleichsweise hohen Gewerbesteuern in Deutschland verlagern immer mehr Autozulieferer Teile der Produktion ins Ausland. Cooper Standard verlagerte Jobs nahe Baden-Württemberg ins Ausland, da der Standort in Lindau nicht mehr profitabel sei. Wie Faurecia kürzlich in einer Pressemitteilung erklärte, will die Tochter Faurecia Innenraum Systeme GmbH bis Mitte 2024 in Deutschland 172 von rund 500 Arbeitsplätzen abbauen und 40 davon vorrangig ins europäische Ausland verlagern. Hauptsächlich betroffen ist der Standort im pfälzischen Hagenbach.
| Name | Forvia SE |
|---|---|
| Gründung | Mai 1999 |
| Hauptsitz | Nanterre, Frankreich |
| Branche | Automobilzulieferer |
| Mitarbeiter | 157.460 weltweit |
| Umsatz | 25,5 Milliarden Euro (2022) |
Hagenbach ist mit 354 Mitarbeitern der größte Standort der Faurecia-Tochter in Deutschland und allein deshalb von den Plänen besonders betroffen. Der Konzern begründet den Stellenabbau und die Verlagerung von Arbeitsplätzen an europäische Standorte und an den Deutschland-Hauptsitz in Hannover mit der Transformation der Autoindustrie, dem deutlichen Auftragsrückgang und den deutlich höheren Kosten für Forschung und Entwicklung. Die Mitarbeiter in Hagenbach seien über die Maßnahmen informiert worden, Faurecia will die betroffenen Angestellten nach eigenen Angaben bei der Suche nach neuen Arbeitsplätzen unterstützen.
Heilbronner Standort von Faurencia soll Mitte 2025 geschlossen werden
Neben dem Standort Hagenbach will Faurecia auch an einem weiteren Werk im Südwesten deutliche Änderungen vornehmen. Konkret soll der Standort in Heilbronn bis Mitte 2025 komplett geschlossen werden, wie das Unternehmen ebenfalls in einer kürzlich veröffentlichten Mitteilung erklärte. Als Grund werden dabei Produktionsabläufe angegeben, die zum genannten Zeitpunkt auslaufen. „Da die einzigen Produktionsumfänge zu Mitte 2025 auslaufen und es keine Folgeaufträge für diesen Standort gibt, muss das Werk mit seinen 19 festangestellten Mitarbeitenden und vier Zeitarbeitskräften zu Mitte 2025 geschlossen werden“, schreibt der Konzern.
Wie auch in Hagenbach wurden die Mitarbeiter in Heilbronn über die Maßnahmen informiert. Geschäftsführung und Management des Heilbronner Standortes wollen in Gesprächen mit Arbeitnehmervertretern einen Interessenausgleich und einen Sozialplan erstellen. Faurecia plant ebenfalls, die betroffenen Mitarbeiter bei der Suche nach neuen Arbeitsplätzen zu unterstützen und sie nach Möglichkeit an einem anderen Standort des französischen Konzerns unterzubringen. Auch der Stuttgarter Autozulieferer Mahle hat angekündigt, die Anzahl der weltweiten Standorte verringern zu wollen.
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