VonSina Alonso Garciaschließen
Hiobsbotschaft für 400 Mitarbeiter: Die Unternehmensgruppe Theo Müller schließt bis 2026 zwei Werke in Baden-Württemberg. Als Gründe nennt das Unternehmen Kostendruck und Investitionsbedarf.
Heilbronn/Schefflenz – Erst vor gut einem Jahr hatte die Unternehmensgruppe Theo Müller die beiden Landliebe-Werke von der Molkerei Friesland Campina übernommen, nun stehen sie vor der Schließung: Die Standorte Heilbronn und Schefflenz (Neckar-Odenwald-Kreis) werden laut einer Ankündigung des Unternehmens bis 2026 schrittweise dichtgemacht. Für Mitarbeiter und Betriebsrat kam die Entscheidung offenbar völlig überraschend.
Die plötzliche und kurzfristige Ankündigung, das Hauptwerk in Heilbronn zu schließen, sei „ein doppelter Schlag ins Gesicht für die Beschäftigten“, sagt Uwe Hildebrandt, Landeschef der Gewerkschaft NGG, gegenüber der Stuttgarter Zeitung. „Nach der Übernahme des Werkes durch die Müller-Gruppe kam Hoffnung auf eine langfristige Perspektive auf, diese ist nun zerplatzt.“
Theo Müller sieht „keine Perspektive für Standorte, aus den tiefroten Zahlen zu kommen“
Als Gründe für die Schließungen führt Theo Müller den hohen Kostendruck an den Standorten sowie einen enormen Investitionsbedarf im Werk in Heilbronn auf. Der Markt der Milchprodukte sei derzeit stark umkämpft, während am Standort Heilbronn „mittel- und langfristig nicht mit einem signifikanten Volumenzuwachs“ zu rechnen sei.
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„Eine umfassende Analyse hat ergeben, dass die beiden Produktionsstandorte keine Perspektive haben, aus den tiefroten Zahlen zurück in ein langfristig profitables Geschäft zu kommen“, sagt Cornelia Heiser, die als Managing Director für das Landliebe-Geschäft verantwortlich ist. „Uns ist bewusst, dass diese Entscheidung bei den Mitarbeitern Bestürzung auslöst. Wir werden zeitnah Gespräche mit dem Betriebsrat aufnehmen, mit dem Ziel, sozialverträgliche Lösungen zu finden.“
Gewerkschafter vermutet, dass hinter Entscheidung reine Profitgier steckt
Gewerkschafter Uwe Hildebrandt vermutet, dass hinter der Entscheidung reine Profitgier steckt. „Die Vermutung liegt nahe, dass der Müller-Konzern die traditionsreiche Landliebe nur gekauft hat, um die Konkurrenz loszuwerden“, sagt er gegenüber der Stuttgarter Zeitung. Die Profitgier gehe nun zulasten der Beschäftigten, die „seit Jahrzehnten vor Ort die Produkte mit Herzblut herstellen“.
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Für den Gewerkschafter steht fest: „Der Mensch sollte im Mittelpunkt stehen, nicht die Marge.“ Die Belegschaft habe die Entscheidung nicht kommen sehen – was auch daran liege, dass die Müller-Deutschland-Chefin im Juni 2023 auf einer Betriebsversammlung noch von der Integration der Marke Landliebe ins Portfolio erzählt und erläutert habe, was für große Hoffnungen man auf die Marke setze. „Für uns war es unvorstellbar, dass man die Marke Landliebe von den Beschäftigten, die diese produzieren, trennen würde. Das wird nicht funktionieren“, sagt Hildebrandt.
Unternehmer Theo Müller zuletzt wegen Verbindungen zur AfD in der Kritik
Zuletzt rückte der Molkerei-Unternehmer Theo Müller ins Rampenlicht wegen seiner Verbindungen zur AfD. Während andere Wirtschaftsbosse sich von der Partei distanzierten, machte Müller keinen Hehl aus seiner Freundschaft zur AfD-Co-Chefin Alice Weidel. „Sie wohnt in der Nähe und kommt öfters zu Besuch“, sagte Müller im Gespräch mit der Neuen Zürcher Zeitung. Er unterhalte sich gern mit ihr, über Politik, Wirtschaft und gesellschaftlichen Wohlstand. Für die Kritik an seinem Kontakt zur AfD-Politikerin zeigte er kaum Verständnis.
Rubriklistenbild: © IMAGO / Arnulf Hettrich



