VonWolfgang Fischerschließen
Die IG Metall macht mit einer Kundgebung Druck auf die Verhandlungen um Stellenabbau am Standort. OB Arnold befürchtet weitergehende Streichung.
Schwäbisch Gmünd. Die Verhandlungen um Streichungen beim Gmünder Bosch-Standort gehen weiter und bisher habe sich die Arbeitgeberseite trotz vieler Lösungsvorschläge um keinen Millimeter bewegt. Das war für die IG Metall der Grund für eine Kundgebung vor dem Werk II im Schießtal, zu der am Dienstag mehrere Hundert Teilnehmer kamen. Gmünds OB Richard Arnold meint sogar, es könnte noch schlimmer kommen.
An jedem Werktag wird weiter verhandelt
Der früher beschlossene Abbau von Arbeitsplätzen ist noch nicht mal komplett umgesetzt, da fordere Bosch bereits die nächsten Kürzungen bei den Arbeitnehmern, schimpfte die 1. Bevollmächtigte der IG Metall Ostalb, Heike Madan. Diesmal gehe es um Verlagerungs- und Schließungspläne für Werk II. Das betreffe den ganzen Gmünder Raum. Die Verhandlungen über die Forderungen des Konzerns gingen auch in dieser Woche täglich, den Tag der Arbeit ausgenommen, weiter.
Einer, der für die IG Metall daran teilnimmt, ist Thorsten Schlicht. Er forderte die Arbeitgeberseite auf, Werte wie Glaubwürdigkeit, Zuverlässigkeit und Sicherheit endlich einzuhalten. Bisher seien die Forderungen der Belegschaft gar kein Thema gewesen: der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen, die Bestandsgarantie für eine bestimmte Zahl Arbeitsplätze und eine Standortgarantie zum Beispiel.
OB Richard Arnold sorgt sich um die Jugend
Die Ankündigung von Bosch, in Gmünd 1300 Arbeitsplätze streichen zu wollen, betreffe auch die Stadt Schwäbisch Gmünd sehr hart, stellte Oberbürgermeister Richard Arnold fest. Schließlich sei das Unternehmen der größte Arbeitgeber vor Ort. Arnold fordert von Bosch ein klares Bekenntnis zum Standort. Immerhin seien hier alle Voraussetzungen da, die an neuen Standorten erst geschaffen werden müssten: die Infrastruktur ebenso wie die geschulte und motivierte Belegschaft.
Ebenso wie andere Redner kritisierte der Oberbürgermeister besonders die Überlegungen des Konzerns, die Ausbildung in Gmünd einzustellen. Damit verliere die Jugend eine Perspektive. Dass aber in den laufenden Verhandlungen "vom Management auf stur geschaltet wird", lasse ihn sogar befürchten, dass der Konzern über die Streichung aller Arbeitsplätze am Standort nachdenke.
Seit acht Jahren Stellenabbau am Standort
"Wir sind keine Zahlen in einer Excel-Tabelle" stellte der Betriebsrat und Vertrauenskörperleiter Engin Yilmaz fest. Er erinnerte daran, dass die Mitarbeiter von Bosch AS in der Vergangenheit immer wieder den Aufbau von Werken im Ausland unterstützt und dafür Opfer gebracht hätten. Dass jetzt, wo der Standort auf einem guten Weg sei, der Konzern hier streichen wolle, sei "ein Verrat an der Gmünder Belegschaft".
Dass Bosch-Chef Stefan Hartung über soziale Werte rede, sei ein Hohn, wenn man den maximalen Stellenabbau betrachte, der seit acht Jahren bei Bosch in Gmünd verfolgt werde. Die Pläne seien auch Ausdruck von Führungsschwäche und fehlender Wertschätzung. Yilmaz bekräftigte, dass sich die Mitarbeiter in Fertigung und Entwicklung nicht auseinanderdividieren lassen. Er kündigte weiteren Widerstand an.
Arbeitnehmer aus anderen Unternehmen zeigen Solidarität
Die Solidaritätsadresse der Metaller bei ZF in Alfdorf überbrachte Vertrauenskörperleiter Alexander Karlin. Heike Madan informierte, dass auch Vertreter anderer Metallfirmen bei der Kundgebung im Schießtal seien. Schließlich strahle die Gefahr der Streichungen auch auf andere Unternehmen aus. Dieter Böttcher vom Senioren-Arbeitskreis der IG Metall in Waiblingen machte den Gmünder Boschlern Mut. Schon 2010 habe der Konzern den Plan gehabt, den Standort in Schorndorf zu schließen. Dieses Vorhaben sei durch die Belegschaft in jahrelangem Kampf verhindert worden.
Die nächste Kundgebung gegen die Pläne des Bosch-Konzerns wird am Dienstag, 6. Mai, ab 18.30 Uhr auf dem Gmünder Marktplatz beginnen. Die Erste Bevollmächtigte der IG Metall, Heike Madan, und Oberbürgermeister Richard Arnold riefen zur Teilnahme an dieser weiteren Protestaktion auf.
