VonBernd Müllerschließen
Wolfgang Fischerschließen
Bei der Wahl zum Gmünder Gemeinderat sind am Montag nicht alle Stimmbezirke ausgezählt worden. Der Zwischenstand nach 53 gezählten von 61 Wahlbezirken: Die CDU liegt klar vorne. Drei Parteien liegen etwa gleichauf dahinter.
Schwäbisch Gmünd. Die CDU hat wieder die Mehrheit der Sitze im Gmünder Gemeinderat, ziemlich gleichauf dahinter finden sich Grüne, SPD und AfD. Das steht fest, nachdem am Montag gut 80 Prozent der Stimmen der Kommunalwahl ausgezählt worden sind. Die restlichen Stimmbezirke werden an diesem Dienstag noch ausgezählt, das Ergebnis dürfte um die Mittagszeit feststehen. Um 17.45 Uhr stellte Wahlleiter Helmut Ott klar: „Wir schaffen es heute nicht mehr.“ Auf jedem Wahlschein für den Gemeinderat standen 278 Namen, unter denen die Wähler maximal 48 Stimmen aufteilen konnten.
53 von 61 Bezirken ausgezählt
Nach dem Zwischenstand – um 19 Uhr waren schließlich 53 von 61 Bezirken ausgezählt – sind acht Parteien und Gruppierungen im neu gewählten Gemeinderat vertreten. Stärkste Fraktion bleibt die CDU, die nach bisherigem Stand mit knapp 34 Prozent 16 der insgesamt 48 Sitze holt. Auf den Plätzen zwei, drei und vier liegen zum aktuellen Stand der Auszählung Grüne (14,5 Prozent, 7 Sitze), SPD (14 Prozent, 7 Sitze) und AfD (13 Prozent, 6 Sitze).
Die Grünen verlieren deutlich
Die Grünen sind wie bei der Europawahl die Verlierer, sie büßen fast 7 Prozent ein im Vergleich zu 2019. Neu im Rat sind nach aktuellem Stand AfD und die Satire-Partei „Die Partei“ (rund 1,3 Prozent, ein Sitz).
Die solidarisch.ökologisch.links (söl), die 2019 noch als Die Linke antrat, verliert ein Prozent im Vergleich zur vorherigen Wahl (söl von 9,5 auf 8,5). Die FDP/FW wächst um ein paar Punkte nach dem Komma von 3,1 auf 3,5 Prozent). Die Bürgerliste, die sich allerdings mit Kandidatinnen der nicht mehr angetretenen Freien Wähler Frauen verstärkt hat, gewinnt dazu und wäre mit 11,5 Prozent künftig mit fünf Stadträten vertreten.
Um vier Sitze kleiner geworden
Mit 48 Sitzen wird der neue Gemeinderat um vier Sitze kleiner ausfallen als das bisherige Gremium. Der Grund: Es gibt keine so genannten Überhangmandate mehr, weil Gmünd die „Unechte Teilortswahl“ abgeschafft hat, durch die die Teilorte garantiert im Rat repräsentiert waren.
Die Reform des Wahlrechts hat einen der erwünschten Effekte mit sich gebracht: Die Zahl der ungültigen Stimmen hat sich im Vergleich zur letzten Wahl in etwa halbiert. „Wir lagen immer bei Kommunalwahlen bei knapp acht Prozent, jetzt sind es aktuell noch 3,3 Prozent“, sagt Wahlleiter Helmut Ott.
Höhere Wahlbeteiligung als 2019
Das Wählen ist offensichtlich einfacher geworden für die Stimmberechtigten: „Das war ja eines der Argumente für die Abschaffung der unechten Teilortswahl.“ Auch Oberbürgermeister Richard Arnold sieht sich in dem Beschluss bestätigt: „Die Teilorte sind trotz der Abschaffung gut vertreten im künftigen Gemeinderat.“
Deutlich besser als bei der letzten Wahl 2019 dürfte die Wahlbeteiligung ausgefallen: 2019 hatten gut 51 Prozent bei den Kommunalwahlen von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht, nach den bisher ausgezählten Stimmbezirken ist diese auf 65 Prozent gestiegen.
Stimmenkönig Alfred Baumhauer
Unter den derzeit vorne liegenden Stimmenkönigen der Parteien sind bekannte Gesichter aus dem vorigen Gemeinderat: Für die CDU holt der bisherige Fraktionsvorsitzende Alfred Baumhauer als Nummer eins auf der Wahlliste auch die meisten Stimmen. Genauso bei der SPD und der söl: Sigrid Heusel holt die meisten Stimmen für die Sozialdemokraten, Sebastian Fritz ist von der söl-Liste am häufigsten von den Wählern angekreuzt worden.
Nummer eins bei der absoluten Stimmenzahl bei der Bürgerliste ist aktuell Constance Schwarzkopf-Streit (früher Freie Wähler Frauen), die meisten Stimmen für die Grünen kann Bettringens Ortsvorsteher Karl-Andreas Tickert gewinnen, Nummer eins nach Stimmen bei der FDP/FW ist Jens Freitag. Auch hier sieht es so aus, als ob die bisherigen Fraktionsvorsitzenden allesamt wiedergewählt sind: Ullrich Dombrowski (Bürgerliste), Gabriel Baum (Grüne) und Dr. Peter Vatheuer (FDP/FW).
Die meisten Stimmen für die AfD hat Andreas Wörner, der frühere Bundestagskandidat und Kreisrat. Unter den Kandidaten der „Partei“ hat Carlo Geiger derzeit die meisten Stimmen, er gewänne damit den einzigen Sitz für seine Partei.
Nachtwache beschützt Stimmzettel
Mit einer Nachtwache schützte die Gmünder Stadtverwaltung die Wahlzettel der Kommunal- und Europawahl vor möglichen Manipulationen: Da das Rathaus derzeit wegen Sanierungsarbeiten an der südwestlichen Ecke angerüstet ist, hätten Einbrecher womöglich leichteres Spiel gehabt. Deshalb hatten Wahlamtsleiter Helmut Ott, Michele Napolitano und Jörg Neumann am Sonntagabend gegen 21 Uhr spontan entschieden, als Nachtwache vor Ort zu bleiben. Sie richteten sich auf Iso-Matten und Luftmatratzen im ersten Stock des Rathauses ein. Wie Helmut Ott berichtete, kehrte gegen ein Uhr morgens Ruhe ein. Gegen halb acht Uhr am Montagmorgen kamen die ersten Mitarbeiter, um mit der Auszählung fortzufahren. Wegen der Auszählung sind an diesem Dienstag, 11. Juni, wie bereits am Vortag alle städtischen Dienststellen geschlossen.

