VonKatharina Scholzschließen
Der Politiker gerät mit Sicherheitskräften aneinander. Das sagt er dazu.
Ellwangen. Roderich Kiesewetter ruft am Mittwochabend aus Odessa zurück. Der CDU-Bundestagsabgeordnete ahnt schon, was die SchwäPo von ihm möchte. Kurz zuvor hat die AfD-Fraktion im Aalener Gemeinderat eine Pressemitteilung verschickt. Das Schreiben enthält schwere Vorwürfe. Kiesewetter soll spät am Abend betrunken bei den Ellwanger Heimattagen im Juli eine Diskussion mit Sicherheitskräften geführt haben und sich dabei eine schwerwiegende verbale Entgleisung geleistet haben.
Auf die Frage, ob das stimmt, antwortet Kiesewetter: „Ich nehme es an, kann es aber weder bestätigen noch dementieren.“ Er könne sich an seine genauen Worte nicht mehr erinnern, weil er zu viel Alkohol getrunken habe. Drei Maß Bier seien es gewesen. Er spricht auch von einem Glas Wein, das er am Ende noch in einem Keller bestellt, aber nicht mehr ausgetrunken habe. Er und die Gruppe, mit der er unterwegs war, seien anschließend abrupt aufgebrochen. „Ich weiß nur, dass der Saal geräumt werden musste und wir gerade bestellt hatten.“ Eine Gruppe von vier oder fünf Personen mit gelben Westen hätte die Gruppe um Kiesewetter aufgefordert, zu gehen. „Und das wollten wir nicht. Mehr weiß ich nicht.“
Am nächsten Tag sei er auf die Ellwanger Stadtverwaltung und die Sicherheitsfirma zugegangen und habe um Verzeihung gebeten. Mit dem Leiter der Sicherheitsfirma hätte er sich am Samstag getroffen. Alle Beteiligten hätten die Entschuldigung akzeptiert. Auf die Frage, wofür er sich entschuldigt habe, wenn er sich nicht mehr erinnern könne, sagt der Abgeordnete: „Ich habe um Verzeihung gebeten dafür, dass ich mich daneben benommen habe.“ Zwar könne er sich an seine genauen Worte nicht mehr erinnern. „Ich weiß aber, dass es nicht gut war, was da war.“
An einen anderen Vorfall kurz vor der Diskussion mit den Sicherheitskräften erinnert sich Kiesewetter noch, wenn auch nicht mehr im Einzelnen, wie er sagt. Er sei furchtbar gewesen, sagt der Abgeordnete. Ein Russlanddeutscher – ein Besucher der Heimattage – habe ihm den Weg versperrt, ihn „Kriegstreiber“ genannt und ihm Gewalt angedroht. „Offenbar hat mich das emotional so bewegt, dass ich Dampf abgelassen habe“, sagt Kiesewetter.
Auf die Frage, ob es öfter vorkomme, dass er so viel Alkohol trinke, dass er sich am nächsten Tag nicht mehr an alles erinnern könne, sagt Kiesewetter: „Nein, überhaupt nicht.“ Es ist aber nicht das erste Mal, dass sich Kiesewetter für eine verbale Entgleisung entschuldigt. 2016 war eine interne E-Mail öffentlich geworden, in der er die damalige Grünen-Bundestagsabgeordnete Margit Stumpp beleidigt hatte.
Bei der Ellwanger Stadtverwaltung wollte man sich am Mittwochabend noch nicht zu dem Vorfall bei den Heimattagen äußern. Pressesprecher Olaf Thielke kündigte aber für Donnerstag ein Statement der Stadtverwaltung an.
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