Roderich Kiesewetter macht einen KZ-Vergleich

+
Kiesewetter
  • schließen

Der Inhaber der Sicherheitsfirma D.S.O. Ellwangen, Peter Odenwälder, hat gehört, was der CDU-Bundestagsabgeordnete bei den Heimattagen gesagt hat.

Ellwangen/Aalen

CDU-Bundestagsabgeordneter Roderich Kiesewetter hat bei den Ellwanger Heimattagen einen Nazi-Vergleich gemacht. Das bestätigte eine unabhängige Quelle am Donnerstag der SchwäPo. Dass sich Kiesewetter bei den Heimattagen im Juli daneben benommen hat, hat er am Mittwoch gegenüber der SchwäPo bereits eingeräumt. Betrunken sei er spät am Abend im Barbarossakeller mit Sicherheitskräften aneinandergeraten. An alle Einzelheiten erinnere er sich nicht mehr, weil er zu viel Alkohol getrunken habe. Drei Maß Bier seien es am Ende des Abends gewesen.

Im Barbarossakeller im Schloss hätten er und die Gruppe, mit der er unterwegs war, noch ein letztes Glas Wein trinken wollen. An alle Einzelheiten erinnere er sich nicht mehr. „Ich weiß nur, dass der Saal geräumt werden musste und wir gerade bestellt hatten.“ Eine Gruppe von vier oder fünf Personen mit gelben Westen habe die Gruppe um Kiesewetter aufgefordert, zu gehen. „Und das wollten wir nicht. Mehr weiß ich nicht.“ Was dann kam, das machte die AfD-Fraktion im Aalener Gemeinderat öffentlich. Er habe zu den Sicherheitskräften gesagt: „Ihr seid ja schlimmer als KZ-Wächter!“

Zu viel Alkohol: Kiesewetter könne sich nicht mehr erinnern

Auf die Frage, ob das stimmt, hatte Kiesewetter am Mittwochabend gegenüber der SchwäPo gesagt: „Ich nehme es an, kann es aber weder bestätigen noch dementieren.“ Er könne sich an seine genauen Worte nicht mehr erinnern. Peter Odenwälder, der Inhaber der Ellwanger Sicherheitsfirma D.S.O, kann sich noch erinnern. Er sei dabei gewesen und habe gehört, was Kiesewetter gesagt hat. Auf die Frage, ob er zu den Sicherheitskräften gesagt habe „ihr seid ja schlimmer als KZ-Wächter“, antwortet Odenwälder: „Eine Aussage in dieser Richtung ist gefallen. Das kann ich bestätigen.“

Bei allen Beteiligten entschuldigt

Ob Kiesewetter von KZ-Wächtern gesprochen hat, wisse er nicht mehr hundertprozentig. Aber einen KZ-Vergleich habe der Bundestagsabgeordnete gemacht, da ist sich Odenwälder sicher. Kiesewetter habe sich in der Woche nach den Heimattagen persönlich beim Chef der Sicherheitsfirma entschuldigt. „Damit war das Thema für mich vom Tisch“, sagt Odenwälder. Auch bei der Ellwanger Stadtverwaltung hat sich Kiesewetter entschuldigt. Das bestätigt Olaf Thielke vom Kultur- und Presseamt. Schriftlich teilt er mit: „Wir bestätigen, dass es bei den Ellwanger Heimattagen in diesem Jahr ein Vorkommnis gab.“ Kiesewetter habe sich dafür umgehend und umfassend schriftlich und persönlich entschuldigt. „Die Entschuldigung wurde von allen Seiten angenommen. Wir betrachten die Angelegenheit damit als abgeschlossen“, so Thielke.

Für Kiesewetter ist der Fall erledigt

Auch für Kiesewetter scheint der Vorfall abgeschlossen. Am Donnerstagnachmittag war er telefonisch nicht zu erreichen. Er hält sich dieser Tage in der Ukraine auf. Schriftlich schickt sein Büro folgende Stellungnahme: „Ich habe um Verzeihung für den Vorfall gebeten und diese auch erhalten. Für mich ist das damit erledigt.“ Tatsache ist, dass Kiesewetter im vergangenen Jahr den SPD-Kanzleramtschef Wolfgang Schmidt für einen Nazi-Vergleich scharf kritisiert hat. Schmidt hatte die deutsche Diskussion um die Lieferung von Leopard 2 Panzern in die Ukraine „V2-Syndrom“ genannt. Zum Hintergrund: Die V2 haben die Nationalsozialisten als angebliche Wunderwaffe entwickelt, um den Zweiten Weltkrieg doch noch zu gewinnen. „Bundeskanzlerin Merkel hätte einen Kanzleramtsminister mit solchen Aussagen abberufen“, sagte Kiesewetter damals gegenüber dem Tagesspiegel.

Mehr zum Thema:

Kommentar von Katharina Scholz: "Konsequenzen für Kiesewetter müssen folgen"

Kommentare