VonJulian Baumannschließen
Die AfD wird in Deutschland immer stärker, was auch von der Wirtschaft mit Sorge beobachtet wird. Daimler Truck CEO Martin Daum warnt vor den Auswirkungen.
Stuttgart - Die rechtspopulistische und in Teilen rechtsextreme Partei AfD (Alternative für Deutschland) erstarkt längst nicht mehr nur in den ostdeutschen Bundesländern. Auch im Gemeinderat Stuttgart hat die Partei vier Sitze und Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper hat generell nichts dagegen, AfD-Vorschläge anzunehmen. Mit den Erfolgen der Partei in mehreren Wahlkreisen erwarten Experten, dass die AfD in Zukunft wohl noch stärker werden wird. Das beobachtet auch die Wirtschaft mit Sorge, da die Entwicklung laut Martin Daum, Chef des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, fatale Auswirkungen haben wird.
Als global agierende und produzierende Unternehmen sind Mercedes-Benz, Bosch, Daimler Truck und Co. auch auf die Auslandsbeziehungen angewiesen, weswegen die Haltung und das Parteiprogramm der AfD bei einer weiteren Erstarkung zum deutlichen Problem werden könnte. „Wir sind ein globales Unternehmen, natürlich schadet uns draußen in der Welt ein Aufschwung des Nationalismus in Deutschland“, sagte Martin Daum gegenüber Focus. „Wenn wir um uns rum, außerhalb unserer Grenzen, immer nur die Bösen sehen, den Feind – dann hat diese Haltung immer zum Desaster geführt.“
Daimler Truck-CEO sieht Zuspruch der AfD in Unzufriedenheit mit der Regierung – „nutzt Wut und den Ärger“
Wie stark die AfD bereits in Süddeutschland ist, zeigt sich aktuell vor den Wahlen in Bayern. Laut einer aktuellen Umfrage hat die Partei dort bereits die Grünen überholt. Dass eine Partei, die in einzelnen Bundesländern vom Verfassungsschutz beobachtet wird und Einwanderungen an bestimmte Kriterien knüpfen will, derartigen Zuspruch erfährt, führt Daimler Truck-Chef Daum auf die Unzufriedenheit mit der Regierung zurück. „Die AfD hat zwar auch keine Idee, geschweige denn eine Lösung“, machte er deutlich. „Aber sie nutzt die Wut und den Ärger, und schürt dabei die Illusion, dass früher alles besser war.“
| Name | Daimler Truck AG |
|---|---|
| Gründung | 12. April 2021 (nach Aufspaltung der Daimler AG) |
| Hauptsitz | Stuttgart/Leinfelden-Echterdingen (Hauptverwaltung) |
| Leitung | Martin Daum, CEO |
| Branche | Nutzfahrzeuge, Busse |
| Mitarbeiter | 104.729 (2022) |
| Umsatz | 50,9 Milliarden Euro (2022) |
Dass die AfD an alten Werten festhalten, beziehungsweise zu ihnen zurückkehren will, zeigte sich auch auf kommunaler Ebene bei der Einstellung der Landtagsfraktion zum Verbrenner-Aus der EU. „Die AfD-Fraktion lehnt die Entscheidung ab, da sie zum gravierenden Nachteil Deutschlands und ganz besonders Baden-Württembergs ist“, hatte der verkehrspolitische Sprecher Miguel Klauß im Rahmen einer BW24-Umfrage unter allen Landtagsfraktionen erklärt. „Es erschüttert auch das Vertrauen der Bürger, wenn ungelernte und unqualifizierte Politiker über eine Technologie entschieden, die von Ingenieuren und Erfindern entwickelt wurde.“
Wirtschaftsverbände machen sich laut Umfrage mehr Sorgen um Politik, als um die Wirtschaft
Martin Daum führte das Erstarken der AfD neben der Unzufriedenheit mit der Regierung auch auf eine gewisse Trotzhaltung in Teilen der Bevölkerung zurück. „Auf der einen Seite wollen wir die Welt retten, auf der anderen Seite wollen wir den Wirtschaftsstandort Deutschland retten – und die Seiten stehen sich unversöhnlich gegenüber“, sagte er gegenüber Focus. Zudem wolle man den Klimawandel bekämpfen, aber es dürfe nichts kosten. Klimaneutralität, auf die auch der Nutzfahrzeughersteller aus Baden-Württemberg mit dem Fokus auf Elektro und Wasserstoff setzt, bedeute aber, dass höhere Kosten in Kauf genommen werden müssen. „Das müssen wir aushalten.“
Die große Frage sei jedoch, wie man solche höheren Kosten rechtfertigen könne, ohne die Bevölkerung gegen einen aufzubringen. „Es ist für mich schon sehr ärgerlich, wenn die Reaktion dann ist: Dann wählen wir halt AfD“, so der Daimler Truck-CEO. Aktuell hat die Wirtschaft mit der Inflation, hohen Kosten und einem erheblichen Fachkräftemangel zu kämpfen. Laut einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) sorgen sich die Verbände aber mehr um die Politik als um die Wirtschaft. „Sollte die AfD an die heute noch weit entfernten Schalthebel der Macht gelangen, läuten die Alarmglocken: Sowohl im Bund als auch in den Ländern wird die Partei durchweg als nicht regierungsfähig angesehen.“
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