VonAlexandra Rimkusschließen
Die Demonstration für „Demokratie und Vielfalt – Nie wieder ist jetzt“ mobilisiert in Aalen mehr als 5000 Menschen - viele Redebeiträge.
Aalen. Aalen hat am Samstag ein deutliches Zeichen gegen Rechtsextremismus gesetzt. Laut Polizei haben hier am Nachmittag rund 5000 Menschen an der Demonstration für „Demokratie und Vielfalt – Nie wieder ist jetzt“ teilgenommen. Die Veranstalter vom „Bündnis Aufstehen gegen Rassismus Aalen“ sprachen gar von 7000 Teilnehmern. Etwa die Hälfte der Teilnehmer sollen es eine Woche zuvor bei der Demo in Schwäbisch Gmünd gewesen sein.
Kurz nach 15 Uhr hatte sich der gewaltige Menschenzug vom Bahnhof über die Friedrichstraße auf den Weg zum Rathausplatz gemacht, wo eine Kundgebung stattfand.
Dort zeigte sich der Demo-Mitorganisator und Moderator der Kundgebung, Christian Zeeb, überwältigt von der Resonanz. „Leute, Ihr seid der Wahnsinn. Ganz Aalen ist hier, die ganze Ostalb ist hier“, freute sich Zeeb, um danach auf den ernsten Hintergrund der Veranstaltung einzugehen - die Enthüllungen der Rechercheplattform „Correctiv“ über die rechtsextremistischen Pläne zur Abschiebung von Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Zeeb mahnte, dass es im Land einen unübersehbaren Ruck nach Rechtsaußen gebe. Dieser Entwicklung müsse man sich gemeinsam entgegenstellen.
Aalens Oberbürgermeister als Redner bei der Demo gegen Rechts
Genau das unterstrichen im Anschluss auch die Kundgebungsredner, die sich aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens rekrutierten. Den Anfang machte Aalens OB Frederick Brütting, der sich erschüttert zeigte über die „Deportationspläne“ der Rechtsextremen. Diese Pläne seien erschreckend „klar und konkret“: „Sie wollen unsere Mitbürger, unsere Nachbarn, Kollegen, Mitschüler und Freunde aus Deutschland einfach verschwinden lassen. Aber das werden wir nicht zulassen“, rief Brütting der Menge zu, die zwischen den Redebeiträgen immer wieder skandierte „Nie, nie, nie wieder Faschismus“.
Demo und Kundgebung gegen Rechtsextremismus in Aalen




„Eine brandgefährliche Lage“
Frauke Krauss vom Interkulturellen Garten verlas danach das Statement der Vorstandsvorsitzenden der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg, Barbara Traub, die mahnte, dass die Lage in Deutschland aktuell „brandgefährlich“ sei. Es wäre fahrlässig, die „rechtsextremen Remigrationsfantasien“ nicht ernstzunehmen. Diesen Fehler hätten die Deutschen vor einigen Jahrzehnten schon einmal begangen. „Man dachte, die Nationalsozialisten würden wieder verschwinden. Doch es war eine Lunte, die die Menschen unseres Landes nicht mehr alleine auszutreten vermochten.“
Ein flammender Appell an die junge Generation
Anne Klöcker vom Klimaentscheid Aalen bedauerte im Anschluss, dass viele Menschen – getrieben von Sorgen und Zukunftsangst – das Vertrauen in die demokratischen Organe verloren hätten. Gleichwohl zeigte sie sich überzeugt, dass die „soziale, kulturelle und politische Bildung der letzten Jahrzehnte Früchte trägt“ und die Demokratie am Ende so stark ist, dass sie „dem Sturm der Populisten“ standhalten wird. Ihre Tochter Leni, die als Vertreterin von „Fridays for Future“ das Wort ergriff, richtete einen flammenden Appell an die junge Generation: Die Möglichkeiten, die eine freiheitliche und tolerante Gesellschaft bietet, seien nicht selbstverständlich, sondern „das Ergebnis jahrzehntelanger Bemühungen von Politik und Zivilgesellschaft“. Ihre Generation müsse begreifen, dass der Widerstand gegen Faschismus nicht nur Teil des Geschichtsunterrichts sei, sondern „ein ständiges Bemühen“ erfordere.
Bewegende Worte richteten danach Bettina Seipp und Mihat Basaran vom Migrations- und Integrationsausschuss an die Kundgebungsteilnehmer. Seipp betonte, dass in Aalen Menschen aus 120 Ländern friedlich miteinander lebten. Die „Deportationspläne“ der Rechtsextremen machten sie wütend und traurig. Auch, weil Menschen, die ihr viel bedeuten - Familie, gute Freunde, geschätzte Kollegen - betroffen wären. Ganz stark auch der Beitrag von Mithat Basaran, der seit über 40 Jahren in Aalen zu Hause ist. Er erinnerte daran, dass Demokratie „Mitbestimmung, teilnehmen und teilhaben“ bedeutet und forderte die Menschen dazu auf, bei den Kommunal- und Europawahlen am 9. Juni dieses Jahres die demokratischen Parteien zu stärken.
Pakistani aus Abtsgmünd auf der Bühne
Danach „schummelte“ sich – außerplanmäßig – ein junger Pakistani, auf die Bühne, der als Redner gar nicht vorgesehen war, aber unbedingt etwas loswerden wollte. Der Mann, der in Abtsgmünd lebt und als Kfz-Mechatroniker arbeitet, zitierte den persischen Dichter Saadi: „Ein Mensch ohne Mitgefühl verdient es nicht, Mensch zu heißen.“
Schlussrednerin war die DGB-Kreisvorsitzende Heike Madan, die dazu aufrief, Diskriminierung, Intoleranz und Hass entgegenzutreten.
Danach folgten Beiträge von Eva-Maria Markert (Omas gegen Rechts), Yannick Vorholzer (Pfadfinderstamm Salvator), Ayan Ulusan (Alevitische Gemeinde), Julius Siebert (Queere Ostalb), Karl-Heinz Vandrey (Aalener Sportallianz), Britta Sturm (Soroptimistinnen) und Tonio Kleinknecht (Theater Aalen) und Jonas Beck. Für die evangelische Kirche sprach Dekan Ralf Drescher, der genauso wie die Vertreter der katholischen Kirche, Wolfgang Sedlmeier und Wolfgang Fimpel, klar machte, dass in der Kirche für Rechtsextremismus kein Platz ist. „Die AfD ist für Christen nicht wählbar“, unterstrich Drescher unter dem Jubel der Demonstranten.
Polizei meldet einen Störer bei Demo in Aalen
Den musikalischen Schlusspunkt unter die Kundgebung setzte die Demoband mit Flex Flechsler, Selle Hafner, Ralf Meiser, Ole und Jan Borst, Valentin Rettenmaier, Andi Beuge, Thomas Göringer, Roland Teufel, Matthias Kehrle und Peter Maile. Gemeinsam mit dem Publikum wurde der Ärzte-Song „Schrei nach Liebe“ angestimmt.
Laut Polizei verlief die Demo ohne Zwischenfälle. Lediglich ein Autofahrer wurde von der Polizei gestoppt, der mit AfD-Plakaten im Fenster die Veranstaltung offenbar stören wollte.
