Gmünd setzt ein sehr klares Zeichen gegen Rechtsaußen

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Ein brechend voller Johannisplatz: Tausende Gmünder haben am Samstag gegen Rechtsextremismus und Ausgrenzung und für Demokratie, Freiheit, Offenheit und Vielfalt demonstriert. Alle Redner, unter ihnen Oberbürgermeister Richard Arnold, würdigten dieses Engagement. ⋌Alle Fotos: Tom
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  • Wolfgang Fischer
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Tausende Menschen füllen den Johannisplatz bei der Demo gegen Rechtsradikalismus. Alle Redner würdigen das Aufstehen für Demokratie, Freiheit und Vielfalt.

Schwäbisch Gmünd. Sage nein, misch Dich ein“, mit diesen Zeilen aus einem Lied von Konstantin Wecker war der Ton gesetzt: Tausende Menschen demonstrierten am Samstag auf dem Johannisplatz bei der Kundgebung gegen Rechtsextremismus. Aufgerufen hatte das „Bündnis Aufstehen gegen Rassismus“. Die Polizei schätzte die Zahl der Teilnehmer auf 1500, die Veranstalter sprachen von 3000 bis 3500 Menschen. So oder so: Der Johannisplatz war brechend voll, Menschen lauschten den Rednern sogar vom Marktplatz und von der Bocksgasse aus.

Bunt und laut: die Demo gegen Rechtsradikalismus auf dem Gmünder Johannisplatz.

Das Fass zum Überlaufen gebracht

„Wir sind viele, das macht Mut“, eröffnete Ann-Kathrin Lauer vom Bündnis die Kundgebung. Dieser vorausgegangen war ein Spaziergang durch Gmünd, der Mahnmale der Erinnerung streifte. Die „Pläne des Geheimtreffens“ in Potsdam hätten das Fass zum Überlaufen gebracht, sagte Lauer und forderte ein klares „Nein zu AfD, Rechtsruck, Spaltung und faschistischen Deportationsfantasien“. Die AfD, sagte Lauer weiter, sei der „parlamentarische Arm der extremen Rechten in Deutschland“. Sie begrüßte die Unterstützung der Kundgebung durch Oberbürgermeister Richard Arnold, Landrat Dr. Joachim Bläse und „alle Fraktionen im Gemeinderat“.

Demo gegen Rechtsextremismus in Gmünd

Demo Stadtrundgang in der Grabenallee
Demo Stadtrundgang in der Grabenallee © Tom
Kundgebung auf dem Johannisplatz
Kundgebung auf dem Johannisplatz © Tom
Demo Stadtrundgang am kalten Markt
Demo Stadtrundgang am kalten Markt © Tom
Demo Stadtrundgang im Türlensteg
Demo Stadtrundgang im Türlensteg © Tom
Demo Stadtrundgang am Bockstorplatz
Demo Stadtrundgang am Bockstorplatz © Tom
Demo Stadtrundgang in der Grabenallee
Demo Stadtrundgang in der Grabenallee © Tom
Kundgebung auf dem Johannisplatz
Kundgebung auf dem Johannisplatz © Tom
Kundgebung auf dem Johannisplatz
Kundgebung auf dem Johannisplatz © Tom
Kundgebung auf dem Johannisplatz
Kundgebung auf dem Johannisplatz © Tom
Demo Stadtrundgang am Bockstorplatz
Demo Stadtrundgang am Bockstorplatz © Tom
Kundgebung auf dem Johannisplatz
Kundgebung auf dem Johannisplatz © Tom
Kundgebung auf dem Johannisplatz
Kundgebung auf dem Johannisplatz © Tom
Demo Stadtrundgang am kalten Markt
Demo Stadtrundgang am kalten Markt © Tom
Demo Stadtrundgang in der Grabenallee
Demo Stadtrundgang in der Grabenallee © Tom
Kundgebung auf dem Johannisplatz
Kundgebung auf dem Johannisplatz © Tom
Demo Stadtrundgang beim Flüchtlingsboot
Demo Stadtrundgang beim Flüchtlingsboot © Tom
Kundgebung auf dem Johannisplatz mit Margit Moser
Kundgebung auf dem Johannisplatz mit Margit Moser © Tom
Kundgebung auf dem Johannisplatz
Kundgebung auf dem Johannisplatz © Tom
Kundgebung auf dem Johannisplatz
Kundgebung auf dem Johannisplatz © Tom
Kundgebung auf dem Johannisplatz
Kundgebung auf dem Johannisplatz © Tom
Margit Moser, mit 102 Jahren älteste Demo-Teilnehmerin und Zeitzeugin des Nazi-Regimes, ist überzeugt dabei, weil sie findet, gegen Extremismus jeglicher Richtung muss man etwas machen.
Margit Moser, mit 102 Jahren älteste Demo-Teilnehmerin und Zeitzeugin des Nazi-Regimes, ist überzeugt dabei, weil sie findet, gegen Extremismus jeglicher Richtung muss man etwas machen. © Tom
Karolina Tomanek sprach darüber, wie rechtsextreme Populisten die Müdigkeit einer von Krisen und Kriegen ausgezehrten Gesellschaft ausnutzen.
Karolina Tomanek sprach darüber, wie rechtsextreme Populisten die Müdigkeit einer von Krisen und Kriegen ausgezehrten Gesellschaft ausnutzen. © Tom
Gmünds Oberbürgermeister Richard Arnold freute sich über das klare "Zeichen gegen Ausgrenzung und für Demokratie", das die tausenden Demoteilnehmer setzten.
Gmünds Oberbürgermeister Richard Arnold freute sich über das klare "Zeichen gegen Ausgrenzung und für Demokratie", das die tausenden Demoteilnehmer setzten. © Tom
Bunt und laut: die Demo gegen Rechtsradikalismus auf dem Gmünder Johannisplatz.
Bunt und laut: die Demo gegen Rechtsradikalismus auf dem Gmünder Johannisplatz. © Tom
Ein brechend voller Johannisplatz: Tausende Gmünder haben am Samstag gegen Rechtsextremismus und Ausgrenzung und für Demokratie, Freiheit, Offenheit und Vielfalt demonstriert. Alle Redner, unter ihnen Oberbürgermeister Richard Arnold, würdigten dieses Engagement. ⋌Alle
Ein brechend voller Johannisplatz: Tausende Gmünder haben am Samstag gegen Rechtsextremismus und Ausgrenzung und für Demokratie, Freiheit, Offenheit und Vielfalt demonstriert. Alle Redner, unter ihnen Oberbürgermeister Richard Arnold, würdigten dieses Engagement. ⋌Alle © Tom

Die AfD nicht den politischen Kurs bestimmen zu lassen, ihr entschlossen entgegen zu treten, forderte Christian Zeeb, DGB-Regionalsekretär für Ostwürttemberg. Seit dem 10. Januar gebe es „Gewissheit, dass wenige Kilometer vom Wannsee entfernt wieder Deportationen geplant“ worden seien. Zeeb forderte, dagegen aufzustehen.

Lokales Engagement gefragt

Arnold freute sich über so viele Menschen, die ein „Zeichen gegen Ausgrenzung und für Demokratie“ setzten. „Es ist die lokale Demokratie, das lokale Engagement, das wir brauchen“, betonte der OB, gerade in einem Wahljahr wie 2024. Es stimme, dass es viele Probleme gebe, die dringend angepackt werden müssten. Viele Menschen fühlten sich nicht ernst genommen. All das aber „darf niemals auf Kosten der Demokratie gehen“, sagte der OB und ergänzte: „Wer den demokratischen Konsens verlässt, kann nicht mit demokratischer Toleranz rechnen.“

Dilnaz Alkan von der „Seebrücke Stuttgart“, selbst „vor Unterdrückung geflohen“, kritisierte Friedrich Merz, CDU-Chef, für seine Aussage, Deutsche würden der Flüchtlinge wegen keine Arzttermine kriegen, und Bundeskanzler Olaf Scholz für die Forderung, man müsse im großen Stil abschieben. Die Politiker müssten aufhören, populistischen Äußerungen zu folgen, statt Spaltung brauche es konkrete Lösungen und offenen Dialog.

Der verdunkelte Himmel bei Auschwitz

„Nie wieder ist jetzt“, sagte Karolina Tomanek, katholische Betriebsseelsorgerin in Ostwürttemberg. Sie ist in Polen geboren, hat dort bis zu ihrem achten Lebensjahr gelebt. Tomanek erzählte, was ihre Großeltern von Nachbarn erfahren hatten, die in der Nähe von Auschwitz gelebt hatten. Dass „der Himmel wochenlang verdunkelt war, weil so viele Menschen verbrannt worden waren“. Als Jugendliche habe sie sich schon gefragt, wie es sein kann, dass so etwas möglich war. Ihre Antwort: „eine Mehrheit, die schweigt, die eigene Sorgen hat, die müde ist“. Diese müde Gesellschaft, von Corona, Kriegen, Inflation, Klima, Hass „ausgezehrt“, sieht Tomanek heute wieder. Und dass „rechtsextreme Populisten dies ausnutzen“. Und sich deren Gedankengut gegen die Schwächsten richtet: Geflüchtete, Queere, Menschen mit Behinderung. Ihr Schluss daraus: „Wenn wir uns jetzt nicht wehren, verlieren wir unsere Menschlichkeit und unsere Würde.“ Deshalb: „Nie wieder ist jetzt.“

Dazu auch der Kommentar „Ein starkes Zeichen der Stadtgemeinschaft“.

Von der Zeitzeugin bis zur Rassismusbetroffenen: Warum Menschen demonstrieren

Margit Moser ist mit 102 Jahren die älteste Demoteilnehmerin. Sie hat den Zweiten Weltkrieg als junge Frau erlebt und sich immer aufgeregt über jene, „die das alles nicht gewusst haben“ wollen, wenn es um Nazi-Verbrechen ging. Sie war schon immer gegen Extremismus, rechten wie linken, „da muss man doch was dagegen machen“.

Margit Moser, mit 102 Jahren älteste Demo-Teilnehmerin und Zeitzeugin des Nazi-Regimes, ist überzeugt dabei, weil sie findet, gegen Extremismus jeglicher Richtung muss man etwas machen.

Jennifer Maria Jones aus Mutlangen ist in Deutschland als Tochter einer Deutschen und eines Amerikaners geboren. „Ich definiere mich als Deutsche, werde aber wegen meiner Hautfarbe nicht als Deutsche gesehen.“ Rassismus erlebe sie täglich, aber „Rassismus ist keine Meinung, sondern ein No-Go“. Es könne nicht sein, dass sich die AfD „so kranke Gedanken herausnimmt“, darum ist sie bei der Demo.

Florian Färber und Sonja Seelaus stammen aus Österreich, leben seit 2009 in Gmünd und sind mit ihren Kindern zur Demo gekommen. Färber hofft, „Toleranz als höchstes Gut“ an seine Kinder weiterzugeben. Er findet es gut, das all das Aufgestaute jetzt in den Demonstrationen gegen Rechtsextremismus gipfelt. Andererseits: „Man muss auch die Ängste der Leute wahrnehmen.“

Blanka Rupp war als Gewerkschafterin „früher schon auf der Straße“. Vor der Demo hat sie den Rundgang zum Auschwitz-Gedenktag mitgemacht und lobt die sachlichen Reden und den geschichtlichen Hintergrund. Zur Demo geht sie unter anderem, weil sie gut ausgebildete Geflüchtete kennt und „das Gedöns“ über Remigration seitens der AfD „nicht haben kann“. ⋌an

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