VonJulian Baumannschließen
Der Technologiekonzern Bosch überlegt offenbar, sich von einem Geschäftsfeld zu trennen. Die Frage ist, was in diesem Fall mit den Beschäftigten geschehen wird.
Stuttgart - Durch die Transformation zur E-Mobilität und die aktuelle Inflation ist selbst der weltgrößte Autozulieferer zum Sparen angehalten. Die Bosch-Mitarbeiter haben in den vergangenen Monaten mit der IG Metall um ihre Zukunft gekämpft, was sich letztendlich bezahlt machte. Für die deutschen Mobility-Standorte des Stuttgarter Technologiekonzerns besteht ein Kündigungsschutz bis 2027. Beim Personal will Bosch vorerst also keine Einsparungen vornehmen, erwägt offenbar jedoch den Verkauf eines weiteren Geschäftsbereichs, wie das Handelsblatt aus Finanzkreisen erfahren hat.
Im Zuge der großen Transformation und der hohen Betriebskosten ist der Verkauf von weniger lukrativen Geschäftsbereichen keine Seltenheit. Autozulieferer Mahle hat jüngst das Thermostat-Geschäft verkauft und auch die ZF prüft den Verkauf von Sparten, wodurch ein Standort nahe Stuttgart betroffen sein könnte. Bei Bosch könnte es konkret den Geschäftsbereich Gebäudesicherheit (Security and Safety Systems) betreffen, zu dem auch die Bereiche Gebäudeautomation, Service und Systemintegration gehören. Im gesamten Bereich der Gebäudelösungen beschäftigt der schwäbische Weltkonzern mehr als 10.000 Mitarbeiter.
Bosch überlegt Geschäftsbereich zu verkaufen – Marktführerschaft würde zu hohe Investionen bedeuten
Gebäudesicherheitssysteme wie Kameras, Einbruchmeldeanlagen oder Brandmeldesysteme sind mit Sicherheit keine Auslaufmodelle. Laut dem Handelsblatt liegt die Überlegung, den Geschäftsbereich zu verkaufen, aber auch an anderer Stelle begründet. Der 1886 von Namensgeber Robert Bosch in Stuttgart gegründete Mischkonzern ist zwar der größte Autozulieferer der Welt, Konzernchef Stefan Hartung strebt aber auch in den anderen Geschäftsbereichen eine Marktführung an. Bei der Gebäudesicherheit liegt Bosch allerdings hinter der starken Konkurrenz zurück und eine Aufrüstung würde aufgrund des rasanten Fortschritts bei Software und KI hohe finanzielle Aufwendungen bedeuten.
| Name | Bosch Building Technologies |
|---|---|
| Gründung | 2018 (Umbenennung der Bosch Security Systems) |
| Sitz | Grasbrunn bei München, Bayern |
| Konzern | Robert Bosch GmbH |
| Geschäftsfelder | - Sicherheits- und Kommunikationssysteme |
| - Gebäudeautomation | |
| - Videoüberwachung | |
| - Zutrittskontrolle | |
| - Brandmeldesysteme | |
| - Einbruchmeldesysteme | |
| - Energieeffizienzlösungen für Gebäude | |
| - Lösungen für Smart Buildings | |
| Kunden | Unternehmen, Regierungsbehörden, Bildungseinrichtungen, Einzelhandel und weitere |
| Mitarbeiter | Rund 10.900 weltweit |
| Umsatz | 2,5 Milliarden Euro (Geschäftsjahr 2022) |
Wie auch im Falle der ZF Friedrichshafen ist ein Verkauf von Geschäftssparten bei Bosch derzeit noch Gegenstand von Verhandlungen. So heißt es zumindest in Finanzkreisen, der Konzern selbst wollte sich laut dem Handelsblatt nicht konkret zu der Überlegung äußern. Sollte der Geschäftsbereich wirklich aufgegeben werden, stellt sich jedoch die Frage, was aus den weltweit rund 10.900 Mitarbeitern wird. Bei vorherigen Verkäufen von Sparten und Marken des Bosch-Konzerns, wie dem der Traditionsmarke Blaupunkt im Jahr 2010, hatte der neue Eigentümer die Belegschaft übernommen.
Sicherheitstechnik von Bosch: Im Falle eines Verkaufs stehen Interessenten bereit
Obwohl der Geschäftsbereich Gebäudesicherheit im Gegensatz zu anderen Sparten von Bosch nicht um die Marktführerschaft mitspielt, ist der Bereich durchaus lukrativ. Im Geschäftsjahr 2022 erwirtschaften die 10.900 Mitarbeiter einen Umsatz von 2,5 Milliarden Euro. Im Falle des Verkaufs der Teilsparte Security and Safety Systems würden laut Handelsblatt eine lange Liste an Abnehmern bereitstehen, allen voran Finanzinvestoren. Zuletzt hatte Bosch im Jahr 2019 die Verpackungstechniksparte inklusive 6.000 Mitarbeiter an das Finanzunternehmen CVC aus Luxemburg verkauft.
Wie Mahle und die ZF hat auch Bosch derzeit mit den hohen Preisen und der großen Herausforderung der Transformation zu kämpfen. Die Betriebsräte der drei Autozulieferer baten deshalb bereits in Berlin um Staatshilfen. Trotz herausforderndem Marktumfeld und den weltwirtschaftlichen Problemen zeigte sich der Konzern mit dem Geschäftsjahr 2022 aber zufrieden und erklärte, die gesteckten Ziele erreicht zu haben.
Rubriklistenbild: © Barbara Burg/Oliver Schuh/Bosch

