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Das Familienunternehmen Lapp hat einen Umsatzrekord erzielt, wächst aber deutlich langsamer als zuvor. Das hat Auswirkungen auf die Mitarbeiter am Konzernsitz.
Stuttgart - Aufgrund der wirtschaftlichen Herausforderungen mussten in den ersten Wochen des neuen Jahres bereits mehrere Unternehmen aus Baden-Württemberg auf gewisse Maßnahmen zurückgreifen. Der Werkzeugkonzern Groz-Beckert schickte die Mitarbeiter am Stammsitz in Balingen zum ersten Januar in Kurzarbeit und Maschinenbauer Trumpf aus Ditzingen meldete die Maßnahme für einen Standort in der Schweiz an. Als Gründe werden meist die Auftragslage und die nachlassende Kundennachfrage genannt. Der familiengeführte Kabelkonzern Lapp aus Stuttgart hat trotz der schwierigen Lage den Umsatz gesteigert, wächst allerdings deutlich langsamer als zuvor.
Das 1959 in Stuttgart gegründete Unternehmen Lapp gilt als Weltmarktführer für integrierte Lösungen im Bereich der Kabel- und Verbindungstechnologie und hat laut einer Pressemitteilung im vergangenen Geschäftsjahr auch von dem starken Fokus auf die E-Mobilität profitiert. Mit der Umsatzsteigerung um 2,9 Prozent auf 1,92 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2022/2023 zeigte sich CEO Matthias Lapp zwar zufrieden, die anhaltenden Herausforderungen werden im laufenden Jahr aller Voraussicht aber mit einem schwächeren Auftragseingang einhergehen. Darauf reagiert das Familienunternehmen bereits am Stammsitz.
Lapp rechnet mit schwächerem Auftragseingang und reagiert am Stammsitz mit Kurzarbeit
Die hohen Kosten für Energie, Rohstoffe und Personal haben in den vergangenen Monaten einige Unternehmen in eine gefährliche Schieflage gebracht. Lapp konnte sich im schwierigen Marktumfeld aber dennoch steigern. „Wir sind angesichts der schwächelnden Konjunktur und trotz zunehmend schwieriger Lage im zweiten Halbjahr zufrieden mit dem Geschäftsjahr“, erklärte Matthias Lapp. „Auf das erzielte Umsatzwachstum blicken wir mit Stolz.“ Man habe im vergangenen Geschäftsjahr massiv investiert, um die Standorte nicht nur resilienter zu machen, sondern auch auf weiteres Wachstum vorzubereiten. Beispielsweise transferierte der Kabelkonzern sein Logistikzentrum von Stuttgart-Möhringen nach Ludwigsburg.
Im Zuge der Strategie 2027 will das schwäbische Familienunternehmen nach eigenen Angaben mehrere hundert Millionen Euro in Produktionskapazitäten, Technologien und Digitalisierung investieren. Gerade auf dem Heimmarkt in Deutschland, Österreich und der Schweiz rechnet Lapp im laufenden Geschäftsjahr aber mit „einem schwächeren Auftragseingang, dem wir kosten- und absatzseitig aktiv begegnen müssen“, erklärte der CEO. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) auf Nachfrage erfuhr, befinden sich deshalb 500 Mitarbeiter am Stammsitz in Stuttgart seit Anfang Februar in Kurzarbeit.
Chef von Familienunternehmen fordert für deutschen Heimatmarkt Mithilfe der Politik
Im abgelaufenen Geschäftsjahr erwirtschaftete Lapp in Europa nach eigenen Angaben den größten Anteil am Konzernumsatz, aufgrund verschiedener Faktoren will sich das Unternehmen künftig aber auf Wachstum außerhalb des Kontinents konzentrieren. „Die zunehmende Regulierung, die Planungsunsicherheit, hohe Energiepreise und nicht zuletzt der Fachkräftemangel machen uns große Sorgen“, macht Matthias Lapp in der Mitteilung deutlich. Das Hauptaugenmerk des global agierenden Kabelkonzerns liegt deshalb auf Asien und Nordamerika, allerdings sieht der Lapp-Chef auch in Europa noch weiteres Wachstumspotenzial.
| Name | LAPP Gruppe |
|---|---|
| Gründungsjahr | 1959 |
| Hauptsitz | Stuttgart, Baden-Württemberg |
| Branche | Kabel- und Verbindungstechnologie |
| Produkte | Industrielle Kabel und Leitungen, Kabelzubehör und -systeme, Industrielle Steckverbinder, Netzwerk- und Datenkommunikationslösungen, Konfektionierung von Kabeln und Leitungen, Automatisierungslösungen |
| Geschäftsbereiche | LAPP Kabel, LAPP Systems, LAPP Connectors, LAPP Netzwerktechnologie, LAPP Automation |
| Leitung | Matthias Lapp (CEO), Christoph Hiller (CSO), Jan Ciliax (CFO), Hubertus Breier (CTO) |
| Mitarbeiter | 5.550 (2023) |
| Umsatz | 1,92 Milliarden Euro (2023) |
„Wir werden unsere globale Wettbewerbsfähigkeit weiter stärken und für Kunden attraktive Angebote vor Ort schaffen“, erklärte er. „In unserem Heimatmarkt Deutschland brauchen wir dafür auch die Mithilfe der Politik.“ Die kostenintensiven Standortfaktoren würden es immer schwieriger machen, vorausschauend zu planen und zu wirtschaften. „Ich wünsche mir verlässliche Leitplanken und keine Knüppel zwischen den Beinen.“ Der Chef des Stuttgarter Familienunternehmens hatte bereits zuvor die Bürokratie in Deutschland kritisiert und sich besorgt um den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg gezeigt.
Rubriklistenbild: © IMAGO/Arnulf Hettrich


