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Nach Stihl, Liebherr und Groz-Beckert plant auch Maschinenbauer Trumpf an einem Standort Kurzarbeit einzuführen. Das hat einen speziellen Grund.
Ditzingen/Grüsch - Die weltwirtschaftlichen Herausforderungen zwingen Industrieunternehmen in Baden-Württemberg weiterhin zum Sparen. Maschinenbauer Stihl hatte im vergangenen Jahr an zwei Standorten Kurzarbeit angemeldet. Die Maßnahme für Teile der Belegschaft am Stammsitz in Waiblingen und in Weinsheim (Rheinland-Pfalz) dauert weiterhin an, wie eine Sprecherin am Montag (8. Januar) auf BW24-Anfrage bestätigte. Auch der Textilkonzern Groz-Beckert hatte die Belegschaft am Stammsitz in Albstadt zum Jahreswechsel in Kurzarbeit geschickt.
Neben den hohen Kosten für Energie, Rohstoffe und Personal wird für die Sparmaßnahmen oftmals der Mangel an Aufträgen angeführt. Wie die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) berichtet, plant der Maschinenbauer Trumpf mit Stammsitz in Ditzingen (Kreis Ludwigsburg) Teile der Belegschaft an einem Standort ab Februar in die Kurzarbeit zu schicken. Auf Anfrage unserer Redaktion bestätigte dies ein Sprecher und nannte den Auftragsrückgang in den dort produzierten Produktkategorien als Grund für den Schritt.
Trumpf schickt 350 von 650 Mitarbeitern in Grüsch ab Februar in Kurzarbeit
Der Maschinenbauer Trumpf hatte im vergangenen Jahr nicht nur seinen 100. Geburtstag gefeiert und dafür den Himmel der Region Stuttgart mit einem grünen Laserstrahl erhellt, sondern auch ein Allzeithoch beim Umsatz erzielt. Dennoch macht dem schwäbischen Konzern die gedrückte Nachfrage zu schaffen, was nun am Standort in Grüsch in der Schweiz Folgen für die Belegschaft hat. Demnach sollen ab Februar 350 der insgesamt 650 Mitarbeiter in die Kurzarbeit geschickt werden. Das Trumpf-Werk in Grüsch ist der größte Arbeitgeber in der Gemeinde sowie der gesamten Region Prättigau im Kanton Graubünden.
Wie die NZZ berichtet, hatten Mitarbeiter von Trumpf am Standort Grüsch bereits im vergangenen Jahr Überstunden abgebaut. Zudem seien Verträge von temporär eingestellten Mitarbeitern nicht verlängert worden. Auch beim Autobauer Porsche sind hunderte temporäre Arbeitsverträge zum Jahreswechsel ausgelaufen. Von Trumpf hieß es auf BW24-Anfrage jedoch, dass an keinem anderen Standort des Unternehmens Kurzarbeit geplant sei. „In der Schweiz liegt es an den speziellen Produktkategorien, die dort produziert werden“, so der Sprecher. In Grüsch produziert das Unternehmen unter anderem Laserschneidmaschinen und Hochleistungslaser.
Trumpf-Chefin äußerte bereits 2023 Sorge in Bezug auf nachlassende Investitionsbereitschaft
Obwohl auch die Wirtschaft in Baden-Württemberg mit einem deutlichen Auftragsrückgang zu kämpfen hat – Liebherr hat deshalb Teile der Belegschaft in Biberach in die Kurzarbeit geschickt – sind bei Trumpf demnach keine Standorte in Deutschland von der Maßnahme betroffen. Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller hatte trotz gutem Umsatz aber bereits im vergangenen Jahr Sorge in Bezug auf die nachlassende Investitionsbereitschaft in den USA und in China geäußert. „Wenn Kunden dort zurückhaltend reagieren und Investitionen zurückstellen, spüren wir das unmittelbar“, hatte sie bei der Bilanzpressekonferenz Ende Oktober erklärt.
| Name | Trumpf SE + Co. KG |
|---|---|
| Gründung | 1923 |
| Hauptsitz | Ditzingen, Baden-Württemberg |
| Branche | Maschinenbau |
| Produkte | Werkzeugmaschinen, Lasertechnik |
| Leitung | Nicola Leibinger-Kammüller (Vorstandsvorsitzende) |
| Mitarbeiter | 18.352 (2023) |
| Umsatz | 5,4 Milliarden Euro (2023) |
Die Kurzarbeit ist als Maßnahme teilweise umstritten. Mercedes-Benz wurde beispielsweise kritisiert, weil der Autobauer trotz Milliardenumsatz Mitarbeiter in die Kurzarbeit schickte. Als Alternative zu einem Stellenabbau ist die Maßnahme für die Belegschaft aber klar von Vorteil, da sie so Kurzarbeitergeld erhalten, sofern sie die Voraussetzungen erfüllen. Zudem profitieren die Unternehmen, da sie die Mitarbeiter beim Eintreten einer besseren Auftragslage nicht neu einarbeiten müssen. Auch hunderte Mitarbeiter des Technologiekonzerns Schott sind seit Oktober in Kurzarbeit.
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