Die Lämmerei im Schweizerhof in Böbingen schließt

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Petra Häring, die viele unter dem Namen Krajisnik kennen, schließt ihre Lämmerei im Schweizerhof schweren Herzens. Am Samstag, 28. Oktober, ist dort das letzte Mal regulär offen.
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Petra Krajisnik, die seit kurzem wieder Häring heißt, gibt ihr Restaurant nach acht Jahren auf. Die 48-Jährige erzählt, wie schwer ihr dies fällt und warum es dennoch die richtige Entscheidung ist.

Böbingen

Der Schritt fällt ihr schwer, sehr schwer. Doch Petra Krajisnik, die seit ihrer Scheidung im Mai wieder Häring heißt, weiß: Es ist richtig, das Restaurant Lämmerei im Schweizerhof aufzugeben, das sie vor acht Jahren mit ihrem damaligen Mann Eneli eröffnet hat. Seit drei Jahren schmeißt sie das Lokal für Balkanküche und schwäbische Gerichte alleine, das innen 120 Sitzplätze bietet und außen noch mal so viele. Bei Festen wie Hochzeiten oder Geburtstagen sei sie morgens die Erste, die aufbaut, und in der Nacht gegen 3 Uhr die Letzte, die noch Getränke ausgibt. Und am nächsten Morgen gehe es weiter. An den Ruhetagen sitze sie im Büro, um die vielen bürokratischen Auflagen zu erfüllen, die Gastronomen mittlerweile auferlegt seien.

80 Arbeitsstunden die Woche

„Meine Woche hat 80 Arbeitsstunden“, fasst die 48-Jährige zusammen. Aktuell beschäftigt sie einen Koch und eine „Allrounderin“ als Festangestellte sowie drei Aushilfen. „Das beste Team, das man sich vorstellen kann“, lobt die Wirtin. Doch für die Größe des Lokals brauche es mehr gute Mitarbeiter und die seien schwer zu finden. „Viele wollen einfach nicht arbeiten – da steht die Work-Life-Balance an erster Stelle.“ Und das passe so gar nicht zu den Arbeitszeiten in der Gastronomie: „Freitag, Samstag und Sonntag sind meine besten Tage“, erzählt Petra Häring. Freie Wochenenden oder längere Urlaube seien bei ihr seit Jahren nicht mehr drin gewesen. Selbstständig kommt eben von selbst und ständig. Doch das wird sich für die 48-Jährige jetzt ändern. Sie öffnet die Lämmerei im Schweizerhof am Samstag, 28. Oktober, das letzte Mal regulär. Für Freitag bis Sonntag, 10. bis 12. November, plant sie noch ein Abschiedswochenende mit kleinerer Karte. Danach veranstaltet sie an zwei Wochenenden einen Flohmarkt, bei dem sie Deko verkauft.

Es gibt einen Nachfolger

Den Pachtvertrag für das Lokal habe sie auf Ende dieses Jahres gekündigt. Es gebe einen Nachpächter, der dort im kommenden Jahr wieder ein Restaurant eröffnen wird. Doch er wolle jetzt noch nicht an die Öffentlichkeit gehen damit.

Auch für Petra Häring wird es in der Gastronomie weitergehen, allerdings im Angestelltenverhältnis. Wo, will sie erst erzählen, wenn es ganz fix ist. „Ich bin ein Gastro-Kind“, sagt sie. Mit 14 hat die Fachsenfelderin das erste Mal in einem Vereinsheim in Niederalfingen bedient. Auch neben ihrer Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau und ihrer späteren Arbeit in der Auftragsabteilung bei Triumph sei sie immer im Service tätig gewesen. Unter anderem im Bühr's am Gmünder Marktplatz oder in der früheren Rose in Radelstetten. Der Zunftkeller im Gmünder Freudental sei ab 2001 bis 2006 ihr erstes eigenes Lokal gewesen. 2013 eröffnete sie zusammen mit Eneli Krajisnik das Gasthaus Lamm in Mutlangen, 2015 die Lämmerei im Schweizerhof in Böbingen. Ab 2018 führten die beiden zusätzlich das Restaurant Tagblatt und das Café Spielplatz in Gmünd. Corona und die Lage ohne Laufkundschaft am Münsterplatz zwangen sie 2020, diese aufzugeben, um sich auf ihr Lokal in Böbingen zu konzentrieren. „Corona haben wir dort gemeistert“, sagt Petra Häring. Aber es habe schon viel Kraft gekostet. Sie sei unendlich dankbar, dass ihr Verpächter damals immer an ihrer Seite war: der 2022 viel zu früh verstorbene „Dag“, Dagobert Hämmerer.

Legendäre Feste

Die schwere Zeit habe den harten Kern des Teams der Lämmerei im Schweizerhof zusammengeschweißt. Möglicherweise kommen ihre aktuellen Aushilfen mit zu ihrem neuen Arbeitgeber. Ihre „Allrounderin“ habe bereits eine neue Arbeitsstelle, ihr Koch habe etwas in Aussicht. Der Abschied von ihren Mitarbeitern wie auch von ihren Stammgästen fällt Petra Häring sehr schwer. Einige seien jede Woche bei ihr, andere haben in der Lämmerei im Schweizerhof alle großen Familienfeste gefeiert. Erst die Hochzeit, dann die Taufe. Sie habe einige legendäre Feste in der Lämmerei ausgerichtet. Das Highlight sei die Hochzeit eines lesbischen Paares im Sommer gewesen: „Da war der ganze Garten bunt“, erzählt Petra Häring, die beim Abschiedsgedanken Tränen in den Augen hat. Wohl wissend, dass sie das Richtige tut. „Ich werde schließlich auch nicht jünger und die Uhr tickt nur in eine Richtung.“

Geöffnet ist die Lämmerei im Schweizerhof diese Woche bis einschließlich Samstag. Am Abschiedswochenende hat das Lokal am Freitag, 10. November, ab 17 bis 21 Uhr geöffnet, am 11. November ab 17 bis 22 Uhr und am 12. November ab 11.30 bis 14 Uhr und 17 bis 21 Uhr. Um Reservierung wird gebeten unter Telefon (07173) 7104700.

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Das Hotel ist weiterhin geöffnet

Das Hotel Schweizerhof führt die Eigentümerfamilie Hämmerer unabhängig vom Restaurant weiter. Sie bietet Übernachtungen mit Frühstück in zehn Einzelzimmern, zehn Doppelzimmern und zwei Appartements, sagt Sigrid Hämmerer, die den Betrieb nach dem Tod ihres Mannes „Dag“ mit ihrer Familie leitet. Sie ist froh, für das Lokal nebenan einen neuen Pächter gefunden zu haben, der auch für die Hotelgäste Essen anbietet.

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