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Klinikvorstand Thomas Schneider hat dem Kreistag aktuelle Finanzzahlen präsentiert. Wie gravierend das Defizit ist, wo sofort eingespart werden soll und wie die Prognose bis 2027 aussieht.
Aalen. Tiefrote Zahlen schreiben die Kliniken des Ostalbkreises. Wie die aktuelle Lage ist und wie die Zukunft aussehen könnte, darüber hat Kliniken-Vorstand Thomas Schneider den Kreistag unterrichtet.
Schneider geht davon aus, dass die Kliniken 2023 Erträge von rund 287 Millionen Euro erzielen. Dem gegenüber stehen ein Personalaufwand in Höhe von rund 183 Millionen Euro sowie Sach- und sonstige Aufwendungen in Höhe von rund 135,1 Millionen Euro.
Dies ergibt im Bilanzergebnis ein Minus von rund 31 Millionen Euro. Addiert um den Strukturbeitrag, den der Kreis in Höhe von vier Millionen Euro leistet, muss der Landkreis aktuell wohl insgesamt für das Jahr 2023 rund 35 Millionen Euro Defizit auffangen.
Schneiders ernüchternde Prognose für das Jahr 2024
Schneiders Prognose im Wirtschaftsplan 2024 für die Kliniken sieht noch schlechter aus. Geplant sind hier Einnahmen von rund 295 Millionen Euro, ein Personalaufwand von rund 196 Millionen Euro sowie Sach- und sonstige Aufwendungen in Höhe von rund 138 Millionen Euro.
Das würde im Bilanzergebnis 2024 ein Minus von rund 39,5 Millionen Euro ergeben. Zuzüglich des vier Millionen Euro Strukturbetrags, müsste der Landkreis demnach 2024 insgesamt rund 43,5 Millionen Euro Defizit bei den Kliniken abdecken.
Welche Rolle das Klinikendefizit im Kreishaushalt spielt, lesen Sie hier
Diese Gründe nennt der Klinikvorstand Schneider für die anhaltende Misere
2024 blieben die Rahmenbedingungen für die Kliniken weiterhin schwierig, sagte Schneider. Der politische Druck für Veränderungen in der Krankenhausstruktur bleibe groß. Es gebe umfassende Personalvorgaben, ebenso wie Strukturvorgaben, die erfüllt werden müssten.
Mindestmengen bei Operationen würden gefordert. Diese haben das Ziel, dass besonders anspruchsvolle, komplizierte und planbare Operationen und Behandlungen nur in Kliniken vorgenommen werden, die hier über ein Mindestmaß an Erfahrung verfügen.
Der Bundestag hat zudem beschlossen, dass der Medizinische Dienst (MD) organisatorisch von den Krankenkassen gelöst wird. Das MD-Gesetz erfordere ein umfassendes Prüfsystem.
Dass die Ostalb-Kliniken mehrfach identische medizinische Leistungen an drei Standorten vorhielten, verursache weiterhin hohe Kosten. Für 2024 sieht Schneider einen Erlösrückgang im stationären Bereich kommen und einen noch stärker werdenden Trend zur Ambulantisierung.
Zudem stiegen ganz allgemein die Kosten für Personal, Medizintechnik, medizinischen Sachbedarf und Energie - hier endeten überdies staatliche Beihilfen.
Stark steigende Zinsen machten das nötige Geld zur Liquiditätssicherung der Kliniken teurer, so Schneider.
Bei den Erträgen der Kliniken rechnet Schneider 2024 mit einer Steigerung um rund 7,846 Millionen Euro. Die soll, zusammengefasst gesagt, durch eine Steigerung der Behandlungen, vor allem aber durch die 5,2-prozentige Preiserhöhung der Landesbasisfallwerte zustande kommen.
Zum Verständnis: Die Landesbasisfallwerte werden jährlich in den Bundesländern zwischen den Krankenkassen und der Landeskrankenhausgesellschaft ausgehandelt. Der Landesbasisfallwert bezeichnet den Betrag, der bei der Berechnung der DRG-Preise (früher Fallpauschalen) für die Krankenhausbehandlung zugrunde gelegt wird. Der Basisfallwert bildet die Grundlage für die Vergütung der Krankenhausleistungen. Zur Berechnung des Preises für die Krankenhausbehandlung wird die Bewertungsrelation der DRG mit dem Basisfallwert multipliziert.
Beim Personal rechnet Schneider mit einem Anstieg der Ausgaben um rund 13,1 Millionen Euro und beim Sach- und sonstigen Aufwand mit einer Steigerung um rund 3,25 Millionen Euro im Vergleich zum Planansatz 2023.
Massiv eingespart werden soll bei den Honorarkräften. Hier soll der Aufwand von aktuell 9,4 Millionen Euro auf 3,8 Millionen Euro gesenkt werden. Schneider räumt ein, dass dies „sehr ambitioniert geplant“ sei.
Wo an den Kliniken 2024 investiert wird, lesen Sie hier.
Diese Sofortmaßnahmen der Vorstandschaft sollen rasch greifen
Schneider nannte einige Sofortmaßnahmen des Vorstandes für 2024: Weniger Überstunden sollen 2024 rund zwei Millionen Euro Kosten einsparen, bei den Honorarkräften sollen so sofort zumindest 1,5 Millionen Euro eingespart werden können.
Die Erlöse sollen 2024 um eine Million Euro gesteigert werden.
Digitalisierung und Prozessoptimierung sollen rasch zwei bis 2,5 Millionen Euro Einsparung bringen.
Die Prozessoptimierung beim Zentraleinkauf soll eine Million Euro bringen.
Finanzeffekte aus ersten Schwerpunktbildungen könnten rasch bis zu zwei Millionen Kosten einsparen, meint Schneider. Insgesamt, so glaubt er, ließen sich neun bis zehn Millionen Euro einsparen.
In seiner Mittelfristigen Finanzplanung erwartet Schneider einen Abbau des Klinikendefizites von 44,5 Millionen Euro im Jahr 2024 auf 39,1 Millionen Euro im Jahr 2025, auf 34,3 Millionen Euro im Jahr 2026 und auf schließlich 29,3 Millionen Euro im Jahr 2027.
Die Nebenbetriebe der Kliniken sind meist lukrativ
Geld verdient der Kreis – zumindest insgesamt betrachtet - mit den Nebenbetrieben der Kliniken.
So wird für 2023 beim Medizinischen Dienstleistungszentrum Aalen ein Überschuss von rund 124.000 Euro prognostiziert, beim Medi-Center Schwäbisch Gmünd ein Überschuss von rund 76.000 Euro.
Das zusammen deckt das erwartete Defizit bei der Vermögensverwaltung der Immobilie Klinik am Ipf mit rund 38.000 Euro und das am Arzt- und Therapiezentrum Ellwangen mit rund 60.000 Euro sowie auch den erwarteten Verlust an der Wachkomastation in Bopfingen in Höhe von rund 53.000 Euro. ⋌mas

