Dinkelacker will ein Brauhaus im früheren Woha am Gmünder Marktplatz eröffnen

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Das frühere Kaufhaus Woha am Gmünder Marktplatz.
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Die Brauerei möchte ein Wirtshaus mit Außengastronomie auf dem Marktplatz von Schwäbisch Gmünd einrichten. Sridevan Sriskandarajah von der GS Gastronomie ist als Wirt im Gespräch.

Schwäbisch Gmünd

Wo früher das Kaufhaus Woha am Gmünder Marktplatz war, würde Dinkelacker gerne ein Brauhaus eröffnen. Die Verträge seien noch nicht unterzeichnet, aber er sei „in guten Verhandlungen“ mit den Eigentümern des Gebäudes und mit einem potenziellen Betreiber, sagt Dinkelacker-Vertriebsdirektor Til Odenwald. Geplant sei, einen großen Teil des Erdgeschosses zu entkernen und dort „bierige Gastronomie“ anzubieten. Die Bauarbeiten würden etwa eineinhalb Jahre dauern, also bis Herbst 2024. Ohne Sitzplätze im Freien sei ein solches Wirtshaus heutzutage nicht mehr machbar, weiß Til Odenwald. Er plant zu dem Gasthaus daher eine Außengastronomie auf dem Marktplatz, die eher „in der Breite angeordnet“ sein werde. Denn „wir werden sicher nicht hergehen und mit der Außengastronomie den Spielplatz beeinträchtigen“, der jeden Sommer auf dem Marktplatz aufgebaut ist, verspricht er.

Der Dinkelacker-Vertriebschef hat bereits 2017 versucht, auf dem Gmünder Marktplatz einen Standort für ein Gasthaus der Brauerei zu finden. Die Verhandlungen mit dem Eigentümer des Hauses am Marktplatz 12, in dem früher das Modehaus Rudolph war, führten allerdings nicht zum Abschluss. Heute ist dort im Erdgeschoss das Wäschegeschäft Hunkemöller. Die Begebenheiten dort hätten nicht so recht gepasst, sagt Til Odenwald. Doch Schwäbisch Gmünd und konkret den Marktplatz hält er als Standort nach wie vor für „spannend“. Obwohl es dort bereits die Lokale Alpen-Kulinarik und das Paulaner-Wirtshaus gibt? Ja, antwortet Til Odenwald, „Konkurrenz belebt das Geschäft. Der Bessere wird sich am Ende durchsetzen“. Wobei er der Meinung sei, dass man auch voneinander profitieren könne. Durch neue Angebote veränderten sich auch die Laufwege der Leute. Gastronomie brauche ein „gesundes, funktionierendes Umfeld“, zu dem auch der Einzelhandel gehöre. So halte er wenig davon, Gastronomie „in Solitärlagen“ anzusiedeln. Auf dem flachen Land werde es immer schwieriger, ein Lokal zu etablieren. Schwäbisch Gmünd hingegen sei als Stadt gut entwickelt. Und mit Richard Arnold habe Schwäbisch Gmünd einen Oberbürgermeister, „der etwas für seine Stadt bewegen will“, sagt Til Odenwald. Als weiteren Pluspunkt der Stadt nennt er deren Lage „in einer vernünftigen Reichweite zu Stuttgart, wo wir unseren Kernmarkt haben“. Dort betreibt Dinkelacker am Schlossplatz die Brauereigaststätte Carls Brauhaus. In diesem Stil solle auch das Gmünder Wirtshaus sein. Ob es ebenso Carls Brauhaus heißen solle, stehe noch nicht fest.

Sride Sriskandarajah als Wirt?

Für ein Gasthaus mit um die 200 Sitzplätzen innen und über 100 außen braucht es allerdings einen Wirt, Köche und Servicekräfte – und die sind immer schwerer zu finden. Auf Nachfrage bestätigt Til Odenwald, dass er mit Sridevan Sriskandarajah von der GS Gastronomie als möglichem Betreiber verhandelt. Dieser ist in der Gastronomie erfahren und kann auf einen großen Personalpool zurückgreifen. Schließlich betreibt die GS Gastronomie in Schwäbisch Gmünd bereits das El Mexicano, das Forum Gold und Silber, den Platzhirsch im Becherlehen, die Villa Hirzel, die Bar am Remsstrand, das Bassano und das Lokal Namaste im City-Center sowie in Aalen die Stadthalle, den Kulturbahnhof und den VIP-Raum des VfR. Zu den Gesprächen mit Dinkelacker will sich Sridevan Sriskandarajah aktuell noch nicht äußern.

Die Zeit vor und nach Woha am Marktplatz 6

Ein Wirtshaus am Marktplatz 6 in Schwäbisch Gmünd würde einer alten Tradition folgen: An diesem Standort ist seit 1635 das Gasthaus „Das goldene Rad“ nachweisbar, wie Theo Zanek in seinem Buch Alte Gmünder Gasthausherrlichkeit beschrieb. Die Wirte dort wechselten über die Jahrhunderte. Ein Brand zerstörte 1894 das Hinterhaus und zog auch das Giebelhaus am Marktplatz in Mitleidenschaft. Dieses wurde 1895 abgebrochen und wich einem klassizistischen Neubau. 1919 wurde dort aus dem Hotel Rad das Hotel Gmünder Hof – ein Dinkelacker-Lokal, wie Dinkelacker-Vetriebsdirektor Til Odenwald recherchiert hat.

Das Kaufhaus Woha, das 1932 am Marktplatz 32 als „Wohlfeile Handelsgesellschaft“ gegründet worden war, ist 1936 ins Erdgeschoss am Marktplatz 6 gezogen. Das Hotel wurde in diesem Zuge in die oberen Etagen verlegt. Bis der Goldene Hof 1960 schloss und das Kaufhaus Woha auch die oberen Stockwerke übernahm.

Das Ende von Wohakam im Jahr 2008, als der Betreiber Jürgen Marquardt Insolvenz für das Kaufhaus anmeldete. Seither sucht die Stadt nach einer neuen Nutzung für das insgesamt 3000 Quadratmeter große Areal. Die Eigentümerfamilien konnten sich jedoch über viele Jahre hinweg nicht einigen. Nun hat die Stadtverwaltung eine Bauanfrage dafür erhalten, wie Stadtsprecher Markus Herrmann bestätigte. Neben Gastronomie sollen nach und nach Dienstleister, Gewerbetreibende und Ärzte dort einziehen und im hinteren Bereich zudem Wohnungen entstehen.  jul

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