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Mercedes-Benz verabschiedet sich von einem reinen Elektrokurs und will laut Konzernchef Ola Källenius noch stärker in die Verbrenner-Technologie investieren.
Stuttgart - Bereits Ende 2022 hatte Autokonzern Mercedes-Benz angekündigt, die wichtigsten Motorenwerke ab 2024 auf Elektro umstellen zu wollen. Das ursprüngliche Ziel war, bereits ab kommendem Jahr zur Hälfte nur noch Elektro- und Hybridfahrzeuge zu verkaufen und ab 2030 vollkommen auf E-Autos zu setzen. Aufgrund von mehreren Komplikationen, unter anderem der mangelnden Nachfrage nach E-Autos in Teilen der Welt, haben die Schwaben dieses Ziel aber immer weiter aufgeweicht. Mercedes-Benz plant trotz des Fokus auf E-Mobilität weiter mit dem Verbrenner, hieß es im Juli 2023.
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Dass der älteste Autobauer der Welt trotz der starken Ausrichtung auf elektrische Fahrzeuge mit einem reinen Elektro-Kurs nicht auskommt, scheint inzwischen bestätigt zu sein. In einem aktuellen Interview mit der WirtschaftsWoche erklärt Konzernchef Ola Källenius, dass Mercedes-Benz neben den Schwerpunkten Elektromobilität und Digitalisierung noch stärker in Hightech-Verbrenner investieren wolle. Die Anlagen im zweistelligen Milliardenbereich sollen vor allem in der Mercedes-Heimat Baden-Württemberg aufgewendet werden.
Mercedes-Benz investiert in diesem Jahr 14 Milliarden Euro in Werke – größtenteils in Deutschland
Der Abschied von der Verbrennertechnologie wird seit langem heftig diskutiert. Umweltschützer wollten Mercedes-Benz bereits früher zur Abkehr vom Verbrenner zwingen, scheiterten aber vor Gericht. Nun scheint ein endgültiges Ende der Verbrennerproduktion in den Werken des schwäbischen Weltkonzerns noch weiter in die Zukunft zu rücken. Allein im Jahr 2024 investiere Mercedes „14 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung und in unsere Werke mit den Schwerpunkten Digitalisierung, Elektromobilität und Hightech-Verbrennertechnologie“, sagte Ola Källenius. „Davon wird ein erheblicher Teil in Deutschland und hier vor allem in Baden-Württemberg ausgegeben.“
| Name | Mercedes-Benz Group AG |
|---|---|
| Gründung | 17. November 1998 (Vorgängerunternehmen gehen bis ins Jahr 1883 zurück) |
| Hauptsitz | Stuttgart, Baden-Württemberg |
| Branche | Automobilindustrie, Finanzdienstleistungen |
| Produkte | Premium-Automodelle, Vans, Finanzdienstleistungen |
| Leitung | Ola Källenius (Vorstandsvorsitzender) |
| Mitarbeiter | 166.000 (2023) |
| Umsatz | 153,2 Milliarden Euro (2023) |
Wie stark der Hochlauf der E-Mobilität aktuell schwächelt, zeigt sich nicht nur bei Mercedes, sondern auch bei Konkurrenten wie dem VW-Konzern. Die Schwaben wollen deshalb die vorhandenen industriellen Strukturen erhalten und effizient weiternutzen. Zudem werde Mercedes den Antriebsstrang für elektrische Hightech-Verbrenner „noch einmal richtig“ überarbeiten, sodass „er bis tief in die 2023er Jahre hält“, sagte Källenius der WirtschaftsWoche. Unter Hightech-Verbrenner versteht der Stuttgarter Autobauer offenbar elektrifizierte Hybrid-Modelle mit Verbrennungs- und zusätzlichem Elektro-Motor.
Festhalten am Verbrenner könnte bei Mercedes (temporär) viele Arbeitsplätze sichern
Mit dem Verbrennergeschäft will Mercedes-Benz weiterhin auch die Elektro-Strategie finanzieren; das Festhalten an der Technologie hat jedoch in naher Zukunft Einfluss auf das Fahrzeugangebot. Mercedes hatte mit dem EQE SUV zwar das E-Auto-Quartett komplettiert und kürzlich die elektrische G-Klasse präsentiert; weitere Verbrenner-Modellreihen sind aber ebenfalls geplant. „Für die Modellpflege der neuen Verbrenner-S-Klasse haben wir sehr viel mehr investiert, wie wir normalerweise für ein Facelift ausgeben“, erklärte Källenius. Mercedes wolle insgesamt „wieder mehr Geld in Verbrenner“ setzen, „als bislang geplant.“ Die neue Generation des Flaggschiffs ist für Mitte 2026 terminiert.
Mit der stärkeren Investition in die Verbrenner-Technologie wird die Transformation bei Mercedes-Benz länger dauern, als bislang angenommen. Dennoch hält der Konzern an seiner Elektro-Strategie fest; Källenius plant der WirtschaftsWoche zufolge aktuell aber mit einem 50:50-Szenario für 2030. Das Festhalten an der Verbrenner-Produktion könnte unter Umständen auch viele Arbeitsplätze beim Autokonzern bewahren, die nach wie vor an der Technologie hängen. Mercedes-Personalchefin Sabine Kohleisen hatte Anfang 2023 erklärt, dass Digitalisierung und Transformation an bestimmten Standorten Arbeitsplätze kosten werden.
Rubriklistenbild: © Mercedes-Benz AG – Communications

