Kein reiner Elektrokurs

Mercedes-Benz investiert verstärkt in den Verbrenner – „vor allem hier in Baden-Württemberg“

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Mercedes-Benz verabschiedet sich von einem reinen Elektrokurs und will laut Konzernchef Ola Källenius noch stärker in die Verbrenner-Technologie investieren.

Stuttgart - Bereits Ende 2022 hatte Autokonzern Mercedes-Benz angekündigt, die wichtigsten Motorenwerke ab 2024 auf Elektro umstellen zu wollen. Das ursprüngliche Ziel war, bereits ab kommendem Jahr zur Hälfte nur noch Elektro- und Hybridfahrzeuge zu verkaufen und ab 2030 vollkommen auf E-Autos zu setzen. Aufgrund von mehreren Komplikationen, unter anderem der mangelnden Nachfrage nach E-Autos in Teilen der Welt, haben die Schwaben dieses Ziel aber immer weiter aufgeweicht. Mercedes-Benz plant trotz des Fokus auf E-Mobilität weiter mit dem Verbrenner, hieß es im Juli 2023.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Dass der älteste Autobauer der Welt trotz der starken Ausrichtung auf elektrische Fahrzeuge mit einem reinen Elektro-Kurs nicht auskommt, scheint inzwischen bestätigt zu sein. In einem aktuellen Interview mit der WirtschaftsWoche erklärt Konzernchef Ola Källenius, dass Mercedes-Benz neben den Schwerpunkten Elektromobilität und Digitalisierung noch stärker in Hightech-Verbrenner investieren wolle. Die Anlagen im zweistelligen Milliardenbereich sollen vor allem in der Mercedes-Heimat Baden-Württemberg aufgewendet werden.

Mercedes-Benz investiert in diesem Jahr 14 Milliarden Euro in Werke – größtenteils in Deutschland

Der Abschied von der Verbrennertechnologie wird seit langem heftig diskutiert. Umweltschützer wollten Mercedes-Benz bereits früher zur Abkehr vom Verbrenner zwingen, scheiterten aber vor Gericht. Nun scheint ein endgültiges Ende der Verbrennerproduktion in den Werken des schwäbischen Weltkonzerns noch weiter in die Zukunft zu rücken. Allein im Jahr 2024 investiere Mercedes „14 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung und in unsere Werke mit den Schwerpunkten Digitalisierung, Elektromobilität und Hightech-Verbrennertechnologie“, sagte Ola Källenius. „Davon wird ein erheblicher Teil in Deutschland und hier vor allem in Baden-Württemberg ausgegeben.“

Name Mercedes-Benz Group AG
Gründung 17. November 1998 (Vorgängerunternehmen gehen bis ins Jahr 1883 zurück)
Hauptsitz Stuttgart, Baden-Württemberg
Branche Automobilindustrie, Finanzdienstleistungen
Produkte Premium-Automodelle, Vans, Finanzdienstleistungen
Leitung Ola Källenius (Vorstandsvorsitzender)
Mitarbeiter 166.000 (2023)
Umsatz 153,2 Milliarden Euro (2023)

Wie stark der Hochlauf der E-Mobilität aktuell schwächelt, zeigt sich nicht nur bei Mercedes, sondern auch bei Konkurrenten wie dem VW-Konzern. Die Schwaben wollen deshalb die vorhandenen industriellen Strukturen erhalten und effizient weiternutzen. Zudem werde Mercedes den Antriebsstrang für elektrische Hightech-Verbrenner „noch einmal richtig“ überarbeiten, sodass „er bis tief in die 2023er Jahre hält“, sagte Källenius der WirtschaftsWoche. Unter Hightech-Verbrenner versteht der Stuttgarter Autobauer offenbar elektrifizierte Hybrid-Modelle mit Verbrennungs- und zusätzlichem Elektro-Motor.

Festhalten am Verbrenner könnte bei Mercedes (temporär) viele Arbeitsplätze sichern

Mit dem Verbrennergeschäft will Mercedes-Benz weiterhin auch die Elektro-Strategie finanzieren; das Festhalten an der Technologie hat jedoch in naher Zukunft Einfluss auf das Fahrzeugangebot. Mercedes hatte mit dem EQE SUV zwar das E-Auto-Quartett komplettiert und kürzlich die elektrische G-Klasse präsentiert; weitere Verbrenner-Modellreihen sind aber ebenfalls geplant. „Für die Modellpflege der neuen Verbrenner-S-Klasse haben wir sehr viel mehr investiert, wie wir normalerweise für ein Facelift ausgeben“, erklärte Källenius. Mercedes wolle insgesamt „wieder mehr Geld in Verbrenner“ setzen, „als bislang geplant.“ Die neue Generation des Flaggschiffs ist für Mitte 2026 terminiert.

Mercedes-Benz will laut Konzernchef Ola Källenius „wieder mehr Geld in Verbrenner“ investieren.

Mit der stärkeren Investition in die Verbrenner-Technologie wird die Transformation bei Mercedes-Benz länger dauern, als bislang angenommen. Dennoch hält der Konzern an seiner Elektro-Strategie fest; Källenius plant der WirtschaftsWoche zufolge aktuell aber mit einem 50:50-Szenario für 2030. Das Festhalten an der Verbrenner-Produktion könnte unter Umständen auch viele Arbeitsplätze beim Autokonzern bewahren, die nach wie vor an der Technologie hängen. Mercedes-Personalchefin Sabine Kohleisen hatte Anfang 2023 erklärt, dass Digitalisierung und Transformation an bestimmten Standorten Arbeitsplätze kosten werden.

Rubriklistenbild: © Mercedes-Benz AG – Communications

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