Entscheidung nach Grundschule: Das raten Rektoren den Eltern

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Wie belastbar ist ein Kind? Lernt es gerne? Und kommt es mit Misserfolgen klar? Diese Fragen sollten sich Eltern beim Wechsel nach der Grundschule stellen, empfehlen Rektoren.
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Für Familien von Viertklässlern entscheidet sich, welche Schule das Kind ab September besucht. Rektoren aus Schwäbisch Gmünd, Aalen und Heubach geben Tipps.

Schwäbisch Gmünd/Aalen. In diesem Schuljahr hat das Land Baden-Württemberg die Art und Weise geändert, wie Kinder auf weiterführende Schulen empfohlen werden. Schon zuvor war der Entscheidungsprozess für Familien oft kein leichter. Drei Rektoren geben Tipps, die dabei helfen können.

Das neue Prozedere (siehe unten) setzt vor allem für den Übergang aufs Gymnasium Grenzen. Fixieren sich zu viele Familien auf diese Schulart? „Ich glaube, wenn, dann ist das eher ein städtisches als ein ländliches Problem“, meint Bernd Gockel.

Übergangsquote aufs Gymnasium "harmlos"

Der Direktor des Gmünder Scheffold-Gymnasiums berichtet, dass in Stuttgart über die Hälfte der Kinder ans Gymnasium wechselt. „Was eine extreme Übergangsquote ist.“

Dagegen sei die Situation in Schwäbisch Gmünd „harmlos“, er spricht von etwa 40 Prozent. Diese Zahl nennt auch Dr. Christoph Hatscher, Direktor des Theodor-Heuss-Gymnasiums in Aalen und geschäftsführender Rektor der Aalener Gymnasien.

Rektoren: "Empfehlung war immer zielführend"

Bernd Gockel wirbt für Vertrauen in die Meinung der Lehrerinnen und Lehrer. „Bei uns ist die Erfahrung, dass die Gymnasialempfehlung der Lehrkräfte immer sehr zielführend waren.“

Kinder mit einer solchen Empfehlung würden das Gymnasium schaffen. „Kinder, die ohne Empfehlung aufs Gymnasium gehen, haben sich in der Vergangenheit zum Großteil eher schwergetan.“

Eltern planen Wechsel ein: Kinder sollen ausprobieren

Er spricht aber auch die Durchlässigkeit des deutschen Schulsystems an: „Es gibt ganz klar Eltern, die sagen, mein Kind soll es versuchen. Und zur Not wechselt es später auf die Realschule.“ Das sei jederzeit möglich.

Von der Realschule aufs allgemeine Gymnasium zu wechseln, habe dagegen seine Grenzen: „Weil ab der sechsten Klasse zwingend eine zweite Fremdsprache nötig ist.“ Allerdings kann jede und jeder mit einem Realschulabschluss die Oberstufe eines beruflichen Gymnasiums besuchen.

Schulsystem in Deutschland ohne Sackgassen

Auch Thorsten Krischke betont, dass das deutsche Schulsystem „keine Sackgassen kennt“. Selbst mit Hauptschulabschluss lasse sich die Mittlere Reife und mehr erreichen, sagt der Rektor der Schillerschule in Heubach, eine Grundschule mit angegliederter Gemeinschaftsschule.

„Unsere Empfehlungen waren bislang in den allermeisten Fällen zutreffend“, spiegelt er Gockels Aussage wider. Bei den entsprechenden Konferenzen kämen alle Lehrkräfte zu Wort und jedes Kind werde einzeln besprochen. Krischkes Erfahrung ist: "Die Eltern haben sich bisher schon überwiegend an die Empfehlung der Schule gehalten."

Wichtiger Aspekt: Hat das Kind Lust am Lernen?

Er meint, Mutter und Vater sollten sich anschauen, wie belastbar ihr Kind ist. „Aber auch, wie gut es mit Misserfolgen umgeht. Und wie viel Lust es am Lernen hat.“ Seiner Erfahrung nach müssten Gymnasiasten bereit sein, ihr Freizeitvergnügen und Hobby für die Schule zurückzustellen.

Tipp für Eltern: Entscheidung gelassen angehen

Gymnasialrektor Hatscher meint: „Die Eltern sollten ihr Kind gut kennen.“ Er nennt Beispiele, die für ein Kind sprechen, das auf dem Gymnasium gut aufgehoben wäre: „Es schaut interessiert die „Sendung mit der Maus“ oder „Wissen macht Ah“, hockt aber nicht zehn Stunden am Tag vor einer Mattscheibe.“

Kann sich das Kind nach Misserfolgen wieder neu motivieren? „Das lässt sich zum Beispiel von Erfahrungen im Sport ableiten.“ Hatscher plädiert für Gelassenheit. Die Erkenntnis, ob ein Kind richtig an einer Schule ist, komme meist in der sechsten Klasse. "Und dann gibt es Wechselmöglichkeiten", beruhigt Hatscher.

Das hat sich bei der Grundschulempfehlung geändert

Seit 2013 lag die Entscheidung, wo das Kind ab der fünften Klasse zur Schule geht, bei den Eltern. Zwar empfahlen die Lehrkräfte für jedes Kind eine Schulart. Diese Empfehlung war aber nicht bindend.

Wohin ein Kind nach der Grundschule wechselt, liegt nun nicht mehr am reinen Elternwillen. Dieser zählt nur noch in Kombination mit der Empfehlung der Lehrkräfte und mit dem Kompetenztest.

Den sogenannten „Kompass 4“-Test schrieben alle vierten Klassen Ende November 2024. Er enthielt einen Deutsch- und einen Mathematik-Teil. Wobei sich nach ersten Auswertungen der mathematische Teil als zu anspruchsvoll herausstellte. Er soll überarbeitet werden.

Wer nicht aufs Gymnasium empfohlen wird, aber diese Schulart besuchen möchte, legt einen Potenzialtest am Gymnasium ab. Die Eltern müssen ihre Kinder dafür anmelden.

Der Test findet in diesem Jahr am 18. Februar statt. Wer diesen besteht, darf ein Gymnasium besuchen. Andernfalls ist diese Option ausgeschlossen.

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