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Schock für 185 Passagiere am späten Samstagabend (01. Juni): Sie entgleisten in einem ICE der Deutschen Bahn in Schwäbisch Gmünd.
Schwäbisch Gmünd. Die starken Regenfälle in und um Schwäbisch Gmünd haben am späten Samstagabend für einen in etwa 30 Meter breiten Erdrutsch an der Bahnstrecke in der Nähe des Gewerbegebiets "Krähe" gesorgt. Dieser Erdrutsch brachte gegen 23.20 Uhr einen ICE der Deutschen Bahn auf dem Weg nach Stuttgart zum Entgleisen. Dies berichtete die Stadtverwaltung von Schwäbisch Gmünd zuerst.
Die ersten beiden Waggons des ICE 510 auf dem Weg von München nach Köln sprangen aus den Gleisen, sie kippten allerdings nicht um. Nur wenige Minuten nach der Alarmierung gegen 23.30 Uhr waren die Feuerwehren aus Gmünd und den Teilorten, die Rettungskräfte des DRK, die Polizei und Notfallkräfte der Deutschen Bahn vor Ort. Der gesamte Zug wurde evakuiert.
ICE entgleist in Schwäbisch Gmünd




ICE in Schwäbisch Gmünd entgleist: Alle Passagiere blieben unverletzt
Für 185 Passagiere, die alle unverletzt blieben, war die Fahrt auf der Remsbahn nach Stuttgart beendet. Über eine Notleiter wurden die Fahrgäste zunächst über einen Hang entlang der Bahnstrecke zur Marie-Curie-Straße geführt und in einen nahe gelegenen Kindergarten gebracht. Die Weiterfahrt in die Landeshauptstadt erfolgte gegen 2 Uhr in Bussen der Gmünder Busunternehmen. Kurios: Der ICE 510 fährt normalerweise gar nicht auf der Strecke an Schwäbisch Gmünd vorbei, wurde aber aufgrund des Hochwassers zwischen Ulm und Stuttgart umgeleitet.
ICE entgleist: „Das war erstmal schon ein ziemlicher Schock“
„Es hat ein bisschen gerumpelt. Dann war eigentlich alles gut geregelt, keine Panik, alle waren ruhig. Die Einsatzkräfte waren schnell da und haben sich gut um uns gekümmert“, sagte Passagierin Elena Fabian der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Miriam Kusche, eine weitere Reisende, erklärte: „Wir dachten zunächst, dass Äste auf den Gleisen liegen, weil es ziemlich geruckelt hat.“ Kurz danach war klar, dass es sich um einen Erdrutsch gehandelt hat und der vordere Zugteil entgleist ist. „Das war erstmal schon ein ziemlicher Schock, vor allem als es hieß, der Hang rutscht weiter …“
Gleis der Bahnstrecke Schwäbisch Gmünd – Lorch auf 200 Metern beschädigt
Die Bahnstrecke musste nach dem Zwischenfall komplett gesperrt werden. Ein Bus-Notverkehr wurde eingerichtet. Am Sonntagmittag konnte der Zugverkehr wieder eingleisig freigegeben werden. Wie lange das zweite, auf einer Distanz von 200 Metern beschädigte Gleis gesperrt bleibe, konnte ein Sprecher der Bahn nicht sagen. Das Gleis müsse repariert werden, was voraussichtlich einige Wochen in Anspruch nehmen wird.
ICE-Entgleisung in Schwäbisch Gmünd: Unklar, ob ICE beschädigt ist
Nachdem sich am Sonntagmorgen Bahn-Mitarbeiter ein genaueres Bild von der Situation gemacht hatten, begann die Bergung des Zuges. Um kurz nach 10 Uhr wurde der Baumstamm unter dem ICE erfolgreich entfernt und begonnen, den 896 Tonnen schweren ICE hydraulisch auf die Gleise zu heben. Klarheit, ob der ICE selbst beschädigt ist, herrschte am Sonntagnachmittag (14:48 Uhr) noch nicht. Erst, wenn dies ausgeschlossen werden kann, könne der ICE fahrtüchtig gemacht und weggefahren werden.
Für den Bahnverkehr bedeutet die eingeschränkte Gleisnutzung: Zwischen Stuttgart und Lorch sowie Schwäbisch Gmünd und Aalen werden beide Gleise befahren, der Streckenabschnitt zwischen Lorch und Schwäbisch Gmünd eingleisig. Pendler werden gebeten, sich vor Fahrtantritt online zu informieren, ob ihre Züge planmäßig fahren oder sich Einschränkungen ergeben.
Nach Erdrutsch und ICE-Entgleisung: Stadt warnt vor Betreten des Unfallbereichs
Aufgrund der weiterhin erhöhten Gefahrenlage wird dringend davor gewarnt, den Unfallbereich auch entlang der parallelen Straßenstrecken zu betreten. Auch die "alte" B29 von Gmünd nach Lorch ist aufgrund des Erdrutsches in beiden Richtungen komplett gesperrt.
Die Feuerwehr war bei der ICE-Entgleisung mit 85 Einsatzkräften und 16 Fahrzeugen im Einsatz; das DRK war mit über 70 Helferinnen und Helfern vor Ort. Die Bundespolizei hatte zehn Kräfte am Unfallort. Mehrere TV-Teams berichteten.
Rubriklistenbild: © Marius Bulling/dpa

