VonAnja Müllerschließen
Entspannung der Lage an der Rems in Gmünd. In Waldhausen kämpft die Feuerwehr am Sonntag noch immer mit Grundwasser, das in Keller drückt.
Schwäbisch Gmünd/Lorch/Leintal. Die Situation am Sonntagabend: Entlang der Rems ist die Lage entspannt.
Hochwassergefahr am Sonntagmorgen: Die Situation bleibt unruhig. Der Regen hat zwar in der Nacht zum Sonntag etwas nachgelassen, für die Feuerwehren in der Region bleibt die Lage allerdings angespannt - aus unterschiedlichen Gründen.
Nachts war der Pegel der Rems in Gmünd bei 2,56 Metern und fällt aktuell, die Situation habe sich gegen 22, 23 Uhr entspannt, sagt Gmünds Feuerwehrkommandant Uwe Schubert. Bislang sei Gmünd gut durchs Wochenende gekommen. Dazu habe beigetragen, dass kein Starkregen, sondern durchgehend Landregen auftrat. Kritisch werde die Situation bei einem Pegelstand von 3 Metern, „da läuft die Rems über“. Allerdings: „Wenn‘s so regnet, passiert gar nichts“, meint Schubert am Sonntagmorgen mit Blick auf den wieder einsetzenden Landregen. Allerdings ist er da gerade unterwegs zu einem anderen, durch die Niederschläge ausgelösten Problem: einem auf Höhe des Gewerbegebiets „Krähe“ in der Nacht wegen eines Erdrutsches entgleisten ICE.
Der am Samstag gegen 23.30 Uhr entgleiste Zug hat auch die Lorcher Feuerwehr beschäftigt, die ebenfalls zu diesem Einsatz herangezogen wurde, berichtet Lorchs Feuerwehrkommandant Marco Wahl. Und „es bleibt unruhig“: Die Feuerwehr habe weiter mit Grundwasser zu kämpfen, das in Waldhausen in Keller drückt.
Aus Heubach meldet Feuerwehrkommandant Heinz Pfisterer fallende Pegel an den Bächen. „Die Lage ist momentan beherrschbar.“ Allerdings ist die Fritz-Spießhofer-Straße von der Stellung abwärts aus Sicherheitsgründen gesperrt. Dort laufen nach wie vor Massen von Oberflächenwasser den Berg hinab. Damit dies ungehindert abfließen kann, habe die Feuerwehr die Schmutzfangkörbe in den Dohlen entfernt und die Kanaldeckel geöffnet. Ebenso wie an der Ölmühle werde hier das Wasser wohl noch ein paar Tage ablaufen. Ebenfalls aus Sicherheitsgründen werde es nun nicht die eigentlich vorgesehene Umleitung für das Oldtimertreffen an diesem Sonntag geben. Die Veranstaltung werde sich auf den Heubacher Schlossplatz konzentrieren.
Die Situation am Samstagabend (1.6.)
In Heubach schießt das Oberflächenwasser wasserfallartig die Stellung hinab, Bäche treten über die Ufer, teilt Feuerwehrkommandant Heinz Pfisterer mit, die Lage sei jedoch stabil. An bestimmten Bacheinläufen habe die Feuerwehr Sandsäcke aufgestellt und sei ständig auf Kontrollfahrten unterwegs, auch das Feuerwehrgerätehaus bleibe durchgehend besetzt.
In Oberböbingen ist entlang des Klotzbaches die Hochwassergefahr groß, informiert Bürgermeister Jürgen Stempfle am Abend. Noch greifen die Hochwasserschutzmaßnahmen, die die Gemeinde baulich umgesetzt hat, vereinzelt seien jedoch Keller vollgelaufen. Die Seergasse, der Park und die Straße zum Anwesen Bachäcker mussten gesperrt werden. „Hoffen wir, dass wir die nächsten 24 Stunden gut überstehen.“
Starkregen und Hochwassergefahr im Gmünder Raum 2024




In Lorch „kämpfen wir noch immer mit Grundwasser in Kellern“, vor allem in Waldhausen, meldet Kommandant Marco Wahl. Weiterhin gilt: Seit dem Mittag würden die Pegelspitzen der Rems mit Hilfe des Wehrs am Reichenhof gebrochen.
In Gmünd sind die Pegel zum Abend hin zwar gefallen, meldet Feuerwehrkommandant Uwe Schubert. Allerdings habe sich zuvor die Situation bei einem Pegelstand von 2,86 Meter - laut Hochwasservorhersagezentrale etwa im Bereich eines 50-jährlichen Hochwassers - insbesondere in Hussenhofen zugespitzt. Dass Anlieger sich hier selbst um Schutzmaßnahmen für ihre Häuser gekümmert hatten, habe sie vor Schlimmerem bewahrt. Im Bereich Becherlehen in der Innenstadt habe sich die Feuerwehr um einen Baum kümmern müssen, der auf ein Wohnhaus gefallen war. Derzeit seien alle Feuerwehrabteilungen aus ihren Einsätzen zurück, teilt Schubert gegen 21 Uhr mit. Allerdings würden vorsorglich im Bauhof weitere Sandsäcke gefüllt. Er hoffe, sagt Schubert mit Blick auf den Wetterbericht für die kommenden Stunden, „dass uns die Gewitter nicht gar so heftig treffen“.
Schwer vorhersehbare Wetterlage
Zwischenstand am Samstagnachmittag: Gmünds Feuerwehrkommandant Uwe Schubert berichtet auf dem Rückweg vom Einsatz in Degenfeld, dass hier der Bach aus seinem Bett getreten ist und sich seinen Weg durch die Ortsdurchfahrt gesucht hat, die Bürger haben ihre Häuser teils mit Sandsäcken geschützt.
Insgesamt sei die Situation „gerade am Scheidepunkt“, sagt Schubert. Die derzeitige Wetterlage ist sehr schwer vorhersehbar, meint er weiter. Das Remsdelta sei voll, aber „was gerade ‚runterkommt, fließt noch ab“. Stadtsprecher Markus Herrmann ist „im Moment noch hoffnungsvoll“. Der Remspegel habe mit 2,51 Metern mittags den Stand eines 20-jährlichen Hochwassers erreicht gehabt, sei nun aber wieder gefallen. Dass die Situation bisher glimpflich verlief, dazu haben offenbar auch die Hochwassermaßnahmen beigetragen, die die Stadt 2014 ergriffen hat, sagt Herrmann - die Verbreiterung des Rems-Durchlaufs in Hussenhofen und in Gmünd sowie der Umbau des Josefsbachs. Außerdem seien Feuerwehr und Baubetriebsamt „extrem achtsam und aufmerksam“ und insbesondere viel in Hussenhofen unterwegs und der Bauhof habe Sandsäcke vorbereitet.
Lorcher Feuerwehr muss Umspannwerk sichern
Flussabwärts berichtet Lorchs Feuerwehrkommandant Marco Wahl vom Wehr beim Reichenhof, dass der Durchfluss dort nun begrenzt werde und in den Regenrückhalteraum davor „ganz langsam“ das Wasser aus der Rems laufe. Bis zum Samstagnachmittag hatte die Lorcher Feuerwehr zwölf Einsätze: vor allem vollgelaufene Keller in Waldhausen und ein umgestürzter Baum, berichtet Wahl. Außerdem ein Umspannwerk im Süden von Waldhausen, in das ein Bach zu laufen drohte, und das die Feuerwehr mit Sandsäcken gesichert hat. „Das muss man im Blick behalten.“
Besonders wachsam schaut auch die Waldstetter Feuerwehr seit Freitag auf den an der Hauptstraße entlang fließenden Stoffelbach.Der sei nur noch 20 Zentimeter vor dem Überlaufen gewesen, berichtet Feuerwehrkommandant Ingo Brosch. Auch wenn der Pegelstand nun zurückgehe, wird das Bachufer nun an der Engstelle im Bereich der Poststraße mit Sandsäcken abgesichert.
Die Situation am Samstagmorgen
Der Josefsbach in Gmünd schießt am Samstagmorgen lärmend seinen Lauf hinab, der Steg entlang des Bachs ist gesperrt, weil das Wasser dort über das Ufer tritt.
Wo der Josefsbach in die Rems mündet, beginnt das Wasser Besitz von der Terrasse am Forum Gold und Silber zu ergreifen. Regen, und das seit Freitagmorgen fast ohne Unterlass und zunehmend stärker, wie im Wetterbericht angekündigt, sorgt für diesen Anblick.
Doch bisher sorgt der starke Dauerregen offenbar für keine Probleme, melden die Feuerwehren in Gmünd und Lorch sowie der Wasserverband Kocher-Lein.
Baum bei Hangendeinbach über die Straße gefallen
Demnach hatte die Gmünder Feuerwehr keine Einsätze wegen Hochwassers in der Nacht zum Samstag. Allerdings war bei Hangendeinbach ein Baum über die Straße gefallen.
Für Lorch und Waldhausen meldet Feuerwehrkommandant Marco Wahl am Samstagmorgen ebenfalls: „Alles im grünen Bereich“. Auch hier hatte die Feuerwehr in der Nacht keine Einsätze zu leisten, musste sich jedoch am Samstagmorgen darum kümmern, dass Grundwasser in ein Haus drückte. „Die Rems ist noch nicht das Problem“, sagt Wahl. Das Oberflächenwasser sorge für ein „untypisches Hochwasser“. In Lorch sind nach dem verheerenden Hochwasser im Juni 2018 insbesondere Schutzmaßnahmen am Zulauf des Götzenbachs zur Rems ergriffen worden.
Hochwasserrückhaltebecken an der Lein zu zehn Prozent eingestaut
Bernd Stäb, Bauhofleiter beim Wasserverband Kocher-Lein, meldet ebenfalls: „noch alles entspannt.“ Die Hochwasserrückhaltebecken entlang der Lein befänden sich aktuell bei zehn Prozent ihres Einstauvolumens.
Das Problem werden die Seitenbäche werden“, sagt er. Und erklärt weiter: Für diesen Fall haben die Feuerwehren und Bauhofmitarbeiter entlang der Lein bereits Sandsäcke gesetzt.
Ein Blick auf Aufzeichnung und Prognose der Hochwasservorhersagezentrale Baden-Württemberg zeigt: Der seit Freitagvormittag steil ansteigende Pegel der Rems bei Gmünd ist in der Nacht auf Samstag eine kurze Zeit auf dem Niveau von 1,50 Metern verweilt und steigt nun weiter steil an, während der Wetterbericht für das Wochenende weiter von sehr hohen Niederschlagsmengen ausgeht.
