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Der Freudenberg-Konzern will Arbeitsplätze bei einer Autozulieferer-Tochter ins Ausland verlagern. Die Gewerkschaft IGBCE zeigt sich schockiert.
Weinheim - Die Freudenberg-Gruppe ist mit weltweit 51.500 Mitarbeitern eines der größten Unternehmen aus Baden-Württemberg. Der familiengeführte Konzern mit Stammsitz in Weinheim (Rhein-Neckar-Kreis) ist wohl vor allem für die Reinigungsartikel der Marke Vileda bekannt, daneben aber in vielen anderen Bereichen als Zulieferer tätig – darunter auch in der Automobilindustrie. Für Mitarbeiter des Tochter-Unternehmens Vibracoustic gab es wenige Wochen vor Weihnachten eine regelrechte Schocknachricht.
Wie die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) Bezirksgruppe Mannheim in einer Pressemitteilung erklärt, will die Autozulieferer-Tochter der Freudenberg-Gruppe, die ihren Sitz ebenfalls im baden-württembergischen Weinheim hat, aus mehreren Abteilungen Arbeitsplätze ins Ausland verlagern. Die Verlagerung von Arbeitsplätzen ist derzeit ein oft genutztes Mittel, um den hohen Personalkosten entgegenzuwirken. Batteriekonzern Varta hatte etwa zusätzlich zu einem Stellenabbau 150 Arbeitsplätze ins Ausland verlegt.
Freudenberg-Tochter Vibracoustic will Arbeitsplätze in Baden-Württemberg nach Indien und Frankreich verlagern
Die hohen Kosten für Energie, Rohstoffe und Personal machen der Wirtschaft seit langem zu schaffen. Für die Autozulieferer kommen diese Herausforderungen zu Unzeiten, da sie sich größtenteils noch mitten in der Transformation befinden. Das Unternehmen Vibracoustic, das ursprünglich als Joint Venture zwischen Freudenberg und der Phoenix AG aus Hamburg gegründet wurde und seit 2016 vollständig zum Familienunternehmen aus Baden-Württemberg gehört, produziert Antivibrationssysteme aus Gummi sowie Luftfedersysteme zur Reduzierung von Geräuschen und ist damit ebenfalls von der Transformation betroffen.
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Laut der IGBCE Mannheim haben die betroffenen Mitarbeiter bereits am 17. November per Videokonferenz erfahren, dass ihre Arbeitsplätze nach Frankreich und Indien verlagert werden sollen. Die Arbeitnehmervertreter hatten bis dahin aber offenbar keine Kenntnis über die geplanten Maßnahmen. „Wir waren als Betriebsrat über die Ankündigung des Arbeitgebers geschockt“, erklärte Harald Boch, Betriebsratsvorsitzender von Vibracoustic in Weinheim. „Es wurde kein Gespräch mit uns gesucht, um über Alternativen zu sprechen, um die Beschäftigung am Standort Weinheim zu erhalten.“
IGBCE kritisiert „stillose“ Kommunikation und fordert Mutterkonzern auf, Verantwortung zu zeigen
Der ehemalige IG Metall-Gesamtchef Jörg Hoffmann hatte eine Auslandsverlagerung deutlich kritisiert und erklärt, dass kein Job davor gefeit sei. Der IGBCE zufolge löste das Vorgehen der Freudenberg-Tochter, die Verlagerungen per Videokonferenz vor versammelter Mannschaft zu verkünden, in der Belegschaft Verunsicherung und Wut aus. Zudem sei auch eine nachvollziehbare Begründung für die Maßnahme nicht geliefert worden. „Neben der Stillosigkeit in der Kommunikation lehnen wir als IGBCE Methoden aus der Mottenkiste der 90er Jahre entschieden ab“, kritisierte Gewerkschaftssekretär Max Nothaft.
| Name | Vibracoustic SE |
| Gründung | 2001 (als Joint Venture), 2012 |
| Hauptsitz | Weinheim, Baden-Württemberg |
| Mutterkonzern | Freudenberg-Gruppe |
| Branche | Autoindustrie |
| Mitarbeiter | rund 10.000 |
| Umsatz | 1,8 Milliarden Euro (2020) |
Die Gewerkschaft fordert die Freudenberg-Gruppe deshalb dazu auf, sich der Verantwortung für ihre Mitarbeiter zu stellen. Durch die angesprochenen weltwirtschaftlichen Herausforderungen und die anhaltende Transformation in der Auto- und Maschinenbaubranche, hatten die Arbeitnehmergewerkschaften in diesem Jahr besonders viel zu tun. Autozulieferer Cooper Standard hatte am Standort Lindau Arbeitsplätze nach Polen verlagert, eine Standortsicherungsvereinbarung konnte aber immerhin einen deutlich drastischeren Stellenabbau verhindern.
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