Freudenberg-Gruppe

Familienunternehmen aus Baden-Württemberg verlagert Arbeitsplätze ins Ausland

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Der Freudenberg-Konzern will Arbeitsplätze bei einer Autozulieferer-Tochter ins Ausland verlagern. Die Gewerkschaft IGBCE zeigt sich schockiert.

Weinheim - Die Freudenberg-Gruppe ist mit weltweit 51.500 Mitarbeitern eines der größten Unternehmen aus Baden-Württemberg. Der familiengeführte Konzern mit Stammsitz in Weinheim (Rhein-Neckar-Kreis) ist wohl vor allem für die Reinigungsartikel der Marke Vileda bekannt, daneben aber in vielen anderen Bereichen als Zulieferer tätig – darunter auch in der Automobilindustrie. Für Mitarbeiter des Tochter-Unternehmens Vibracoustic gab es wenige Wochen vor Weihnachten eine regelrechte Schocknachricht.

Das Unternehmen Vibracoustic, das zur Freudenberg-Gruppe gehört, will Arbeitsplätze ins Ausland verlagern.

Wie die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) Bezirksgruppe Mannheim in einer Pressemitteilung erklärt, will die Autozulieferer-Tochter der Freudenberg-Gruppe, die ihren Sitz ebenfalls im baden-württembergischen Weinheim hat, aus mehreren Abteilungen Arbeitsplätze ins Ausland verlagern. Die Verlagerung von Arbeitsplätzen ist derzeit ein oft genutztes Mittel, um den hohen Personalkosten entgegenzuwirken. Batteriekonzern Varta hatte etwa zusätzlich zu einem Stellenabbau 150 Arbeitsplätze ins Ausland verlegt.

Freudenberg-Tochter Vibracoustic will Arbeitsplätze in Baden-Württemberg nach Indien und Frankreich verlagern

Die hohen Kosten für Energie, Rohstoffe und Personal machen der Wirtschaft seit langem zu schaffen. Für die Autozulieferer kommen diese Herausforderungen zu Unzeiten, da sie sich größtenteils noch mitten in der Transformation befinden. Das Unternehmen Vibracoustic, das ursprünglich als Joint Venture zwischen Freudenberg und der Phoenix AG aus Hamburg gegründet wurde und seit 2016 vollständig zum Familienunternehmen aus Baden-Württemberg gehört, produziert Antivibrationssysteme aus Gummi sowie Luftfedersysteme zur Reduzierung von Geräuschen und ist damit ebenfalls von der Transformation betroffen.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

Laut der IGBCE Mannheim haben die betroffenen Mitarbeiter bereits am 17. November per Videokonferenz erfahren, dass ihre Arbeitsplätze nach Frankreich und Indien verlagert werden sollen. Die Arbeitnehmervertreter hatten bis dahin aber offenbar keine Kenntnis über die geplanten Maßnahmen. „Wir waren als Betriebsrat über die Ankündigung des Arbeitgebers geschockt“, erklärte Harald Boch, Betriebsratsvorsitzender von Vibracoustic in Weinheim. „Es wurde kein Gespräch mit uns gesucht, um über Alternativen zu sprechen, um die Beschäftigung am Standort Weinheim zu erhalten.“

IGBCE kritisiert „stillose“ Kommunikation und fordert Mutterkonzern auf, Verantwortung zu zeigen

Der ehemalige IG Metall-Gesamtchef Jörg Hoffmann hatte eine Auslandsverlagerung deutlich kritisiert und erklärt, dass kein Job davor gefeit sei. Der IGBCE zufolge löste das Vorgehen der Freudenberg-Tochter, die Verlagerungen per Videokonferenz vor versammelter Mannschaft zu verkünden, in der Belegschaft Verunsicherung und Wut aus. Zudem sei auch eine nachvollziehbare Begründung für die Maßnahme nicht geliefert worden. „Neben der Stillosigkeit in der Kommunikation lehnen wir als IGBCE Methoden aus der Mottenkiste der 90er Jahre entschieden ab“, kritisierte Gewerkschaftssekretär Max Nothaft.

Name Vibracoustic SE
Gründung 2001 (als Joint Venture), 2012
Hauptsitz Weinheim, Baden-Württemberg
Mutterkonzern Freudenberg-Gruppe
Branche Autoindustrie
Mitarbeiter rund 10.000
Umsatz 1,8 Milliarden Euro (2020)

Die Gewerkschaft fordert die Freudenberg-Gruppe deshalb dazu auf, sich der Verantwortung für ihre Mitarbeiter zu stellen. Durch die angesprochenen weltwirtschaftlichen Herausforderungen und die anhaltende Transformation in der Auto- und Maschinenbaubranche, hatten die Arbeitnehmergewerkschaften in diesem Jahr besonders viel zu tun. Autozulieferer Cooper Standard hatte am Standort Lindau Arbeitsplätze nach Polen verlagert, eine Standortsicherungsvereinbarung konnte aber immerhin einen deutlich drastischeren Stellenabbau verhindern.

Rubriklistenbild: © Vibracoustic

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