Batteriekonzern Varta

Schwäbisches Traditionsunternehmen will 150 Vollzeitstellen ins Ausland verlagern

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Batteriehersteller Varta blickt auch durch das Restrukturierungsprogramm wieder positiver in die Zukunft. Dieses ist allerdings noch nicht ganz abgeschlossen.

Stuttgart/Ellwagen - Der angeschlagene Batteriekonzern Varta mit Stammsitz in Ellwangen (Ostalbkreis) blickt laut einer Mitteilung von Mitte August wieder positiver in die Zukunft. Neben der steigenden Nachfrage nach Energy Storage Systemen und Lithium-Ionen-Produkten ist dafür auch das Restrukturierungsprogramm verantwortlich. Im Rahmen dieses Programms hatte Varta angekündigt, weltweit 800 Vollzeitstellen abbauen zu wollen, darunter 390 an den deutschen Standorten in Ellwangen, Dischingen (beide Baden-Württemberg) und Nördlingen (Bayern).

Wie Varta auf Nachfrage von BW24 erklärt, ist der für das aktuelle Jahr geplante Abbau der Vollzeitstellen bereits abgeschlossen. „Durch zielgerichtete Maßnahmen ist es uns gelungen, die für 2023 geplanten Stellenstreichungen bereits umzusetzen“, erklärt Konzernsprecher Christian Kucznierz. Abgeschlossen sind die personellen Veränderungen im Zuge der Restrukturierung aber noch nicht. Für eine Verlagerung von 150 Vollzeitstellen ins Ausland im kommenden Jahr laufen aktuell aber bereits die Planungen.

Traditionskonzern Varta hat „Freiwilligenprogramm“ an Hauptsitz erfolgreich abgeschlossen

Daraus, dass das Restrukturierungsprogramm – neben Investitionen in Zukunftsfelder – auch mit einem Stellenabbau verknüpft sein wird, machte der traditionsreiche Batteriekonzern aus Baden-Württemberg von Anfang an keinen Hehl. „Uns ist bewusst, dass die Restrukturierung leider mit harten Einschnitten verbunden sein wird“, hatte Varta-Chef Markus Hackstein im April erklärt, aber auch betont, man wolle mit dem Betriebsrat sozialverträgliche Lösungen finden. „Alle Lösungen zur Kosteneinsparung im Personalbereich sind einvernehmlich mit dem Betriebsrat gefunden worden“, bestätigt Konzernsprecher Kucznierz den Vorgang. „Dazu zählt auch das Freiwilligenprogramm, das wir für den Standort Ellwangen aufgelegt hatten und das wir nun erfolgreich abschließen konnten.“

Name Varta AG
Gründungsjahr 1887
Hauptsitz Ellwangen, Baden-Württemberg
Branche Elektrotechnik
Produkte Batterien, Akkus und Energiespeichersysteme
Umsatz 902,9 Millionen Euro (2021)
Mitarbeiter 4.666

Anfang Juli hatte der Batteriekonzern erklärt, für den Hauptsitz ein „Freiwilligenprogramm“ gestartet zu haben. Dieses sieht konkret vor, dass für den Abbau von 88 Arbeitsplätzen in Ellwangen Arbeitnehmer, als auch Arbeitgeber gemeinsam einem Aufhebungsvertrag zustimmen. Im Gegenzug verspricht der Batteriehersteller neben einer Grundabfindung Steigerungsbeiträge für bestehende Unterhaltspflichten gegenüber Kindern und Menschen mit Behinderungen. Über genauere Details würde Stillschweigen vereinbart, offenbar konnte das Programm aber erfolgreich umgesetzt werden. „Die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat war durchgehend sehr gut und vertrauensvoll“, so Kucznierz.

Varta will im Rahmen von Kosteneinsparungen 150 Vollzeitstellen ins Ausland verlagern

Der Betriebsrat ist auch in die geplante Auslandsverlagerung eingebunden, die für das kommende Jahr angesetzt ist. „Das Restrukturierungsprogramm sieht vor, die Kosteneinsparungen im Personalbereich auch durch die Verlagerungen von rund 150 Vollzeitstellen ins Ausland zu erzielen“, erklärt Varta den geplanten Vorgang auf Nachfrage unserer Redaktion. Arbeitsplätze ins Ausland zu verlagern ist eine Maßnahme, die angesichts von steigenden Rohstoff- und Personalkosten mitunter notwendig, in vielen Fällen aber auch stark kritisiert wird. Der IG Metall-Chef warnte beispielsweise vor einer Verlagerung ganzer Produktionsschritte ins Ausland.

Das Restrukturierungsprogramm bei Varta nimmt Formen an. Aktuell laufen die Planungen für eine Auslandsverlagerung im kommenden Jahr.

Als Grund dafür, dass beim Traditionsunternehmen Varta überhaupt ein Restrukturierungsprogramm notwendig wurde, können die Folgen der Corona-Pandemie auf die Wirtschaft und die direkt daran anknüpfende Energiekrise durch den Ukraine-Krieg genannt werden. Die Probleme dauern auch aktuell noch an. „Hinter uns liegt eine herausfordernde Zeit und wir haben noch viel Arbeit vor uns“, wurde Markus Hackstein in der Pressemitteilung von Mitte August zitiert. „Aber wir sehen, dass unser entschiedenes Handeln und die Maßnahmen unseres Restrukturierungsprogramms Wirkung zeigen.“

Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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