Ferkelzucht auf dem Biohof: Die Tiere gehen immer vor

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Eine Muttersau säugt ihre Ferkel im Außenbereich der Abferkelbox: der Freilauf und Stroh sind Pflicht im Biobetrieb.
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Im zweiten Teil der Biohofserie geht es darum, wie Alois und Andreas Brenner sich die Arbeit im Schweinestall aufteilen und wie sich die Haltung von bio und konventionell unterscheiden.

Ellwangen-Engelhardsweiler. Wenn man sieht, wie die Schweine grunzend im Stroh wühlen, vergisst man leicht, dass letztlich alle in der Pfanne landen werden. Zweck der Schweinehaltung ist die Fleischproduktion, ob auf dem Biohof oder im konventionellen Betrieb. Das gilt auch für den Lautenhof von Alois und Andreas Brenner, deren Arbeit wir über ein ganzes Jahr begleiten wollen. Im zweiten Teil der Biohofserie geht es um die Arbeit im Stall.

Dass sich die Tiere wohlfühlen, genug zu fressen haben und gesund bleiben, dafür arbeiten die Landwirte jeden Tag. Weil nur dann der Hof Ertrag abwirft.

Die Stallarbeit beginnt für Alois und Andreas Brenner morgens um 6 Uhr. Der erste Rundgang, es ist noch dunkel draußen. Die Tiere hören schon, wenn sich die Stalltür öffnet. Sie wissen: jetzt gibt es Futter und es wird laut.

Warum Langeweile für Schweine ein Problem ist

Die Fütterung ist auf dem Lautenhof nicht voll automatisiert, in jeder Box wird per Hand ein Verschluss geöffnet. Dann rieselt das geschrotete Biogetreide durch ein Rohr zu den Tieren. Wenn die Schweine das Rohr anstupsen, rutscht mehr nach. „So ist man als Landwirt gezwungen, in jede Box zu schauen“, erklärt Alois Brenner. Man sehe besser, wenn etwas nicht stimmt, ein Tier krank ist oder das Tränkebecken verschmutzt ist. Für die Tiere hat die Technik den Vorteil, dass sie mehr Zeit mit Fressen verbringen. Langeweile ist nämlich ein Problem. Haben die Schweine nichts zu tun, ärgern sie sich gegenseitig, beißen sich in die Schwänze oder die Ohren. Deshalb das Stroh, in dem die Tiere wühlen können. Deshalb der Auslauf, der im Biobetrieb vorgeschrieben ist, mit nicht überdachter Fläche, wo Schnee und Regen fallen und die Tiere frei wählen können, wo sie sich aufhalten.

In der konventionellen Schweinezucht setzen die Landwirte dagegen in der Regel auf vollständig abgeschirmte Ställe, um die Belastung durch fremde Bakterien und andere Keime zu minimieren.

Ferkelzucht auf dem Biohof in Engelhardsweiler

Andreas (l.) und Alois Brenner bei den Muttersauen im „Kessel“.
Andreas (l.) und Alois Brenner bei den Muttersauen im „Kessel“. © Königer Gerhard

Im Ferkelstall toben sich die „Halbstarken“ aus, bis sie mit 25 bis 28 Kilogramm Gewicht an den Schweinemäster verkauft werden.
Im Ferkelstall toben sich die „Halbstarken“ aus, bis sie mit 25 bis 28 Kilogramm Gewicht an den Schweinemäster verkauft werden. © Königer Gerhard
Eine Muttersau säugt ihre Ferkel im Außenbereich der Abferkelbox: der Freilauf und Stroh sind Pflicht im Biobetrieb.
Eine Muttersau säugt ihre Ferkel im Außenbereich der Abferkelbox: der Freilauf und Stroh sind Pflicht im Biobetrieb. © Königer Gerhard

Auf dem Biohof müssen alle Tiere ständig die Möglichkeit haben, ins Freie zu gehen.
Auf dem Biohof müssen alle Tiere ständig die Möglichkeit haben, ins Freie zu gehen. © Königer Gerhard
Neugeborene Ferkel im gewärmten Nest.
Neugeborene Ferkel im gewärmten Nest. © Königer Gerhard
Man möchte sich fast dazulegen: Schweine im Strohbett auf dem Lautenhof.
Man möchte sich fast dazulegen: Schweine im Strohbett auf dem Lautenhof. © Königer Gerhard
Die Muttersauen im „Liegekessel“: Hier erholen sich die Tiere von der Mutterschaft bis sie erneut besamt werden.
Die Muttersauen im „Liegekessel“: Hier erholen sich die Tiere von der Mutterschaft bis sie erneut besamt werden. © Königer Gerhard

Der erste Stallrundgang zur Fütterung und allgemeinen Kontrolle dauert eine Stunde. Wenn alle Schweine zu fressen haben, darf auch der Landwirt zum Frühstück. Danach die zweite Stallrunde, jetzt werden auch die Futtersäcke kontrolliert, aus denen sich die Mischanlage bedient. Neues Stroh wird verteilt, Mist wird entfernt, wenn Tiere im Innenbereich gekotet haben. Die Tiere halten jedoch ihren Schlaf- und Liegebereich sehr sauber, der Mist sammelt sich im Freien, wo er alle drei bis vier Tage mit dem Traktor abgeschoben wird. Bis zur Fütterung am Abend gegen 18 Uhr werden nun Arbeiten erledigt, die nicht täglich anfallen.

Kontrollgang bei den Ferkeln

Andreas Brenner sieht nach den trächtigen Sauen im Abferkelstall: wie lange noch bis zur Geburt? Bei Sauen, die geworfen haben, kontrolliert er die geheizten Nester: haben alle Neugeborenen den sicheren Rückzugsort gefunden? Sechs Wochen säugen die 12 bis 15 Ferkel am Euter, ständig in Gefahr, von der zentnerschweren Mutter versehentlich getreten oder zerdrückt zu werden.

Dann ziehen die Jungtiere in den Ferkelaufzuchtstall um, wo sie in Gruppen von 60 bis 65 Stück bis zum Verkaufsgewicht heranwachsen. Die Sau kommt in den Wartestall, wo sie sich in Kleingruppen mit zehn weiteren Sauen von der Mutterschaft erholt. „Die Gruppen haben klare Hierarchien, die ständig neu ausgefochten werden“, erklärt Andreas Brenner. Das Alpha-Tier hat den besten Schlafplatz und darf zuerst ans Fressen.

Kommt eine Sau in die „Rausche“, wird sie in ein Einzelabteil gelockt und besamt. Ein, zwei Wochen bevor die Jungen ausgetragen sind, kommt das Schwein zurück in die Abferkelbox.

Währenddessen wachsen die Ferkel in der Gruppe schnell auf das Zielgewicht von 28 bis 34 Kilogramm heran. Sie werden geimpft, kastriert, mit Ohrmarken gekennzeichnet. Alle drei Wochen werden die Ferkel „ausgestallt", das heißt, sie werden an einen Züchter verkauft, die Box wird für die nächste Gruppe grundlegend gereinigt und neu belegt.

Die Ferkelproduktion ist der Haupterwerb auf dem Lautenhof. Daneben werden noch 60 Schweine gemästet und für den Hofladen geschlachtet beziehungsweise verkauft.

Info: Im März geht es in dieser Serie um Mist, Jauche und Düngung.

Serie: "Ein Jahr Biohof"

- Teil 1: Landwirtschaft ist mehr als Ackerbau und Viehzucht

- Teil 2: Ferkelzucht auf dem Biohof: Die Tiere gehen immer vor

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