Landwirtschaft ist mehr als Ackerbau und Viehzucht

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Der Lautenhof in Engelhardsweiler aus der Luft gesehen.
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Auf dem "Lautenhof" in Engelhardsweiler betreibt die Familie Brenner einen Biolandbetrieb mit Schweinezucht, Hühnermobil und Hofladen. Teil 1 der neuen Serie "Ein Jahr Biohof".

Ellwangen-Engelhardsweiler. Die Landwirtschaft steht nach den Traktorprotesten im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Viel wurde diskutiert darüber, warum die heimischen Betriebe auf Subventionen angewiesen sind, warum sie auf die Dieselvergünstigung nicht verzichten können. Viele Menschen solidarisieren sich mit den Protesten der Landwirte, doch wie sieht es auf den Höfen wirklich aus? Wie schwer ist es, als Landwirt seinen Lebensunterhalt zu verdienen? 

Seit ihre Ferkelzucht auf "bio" umgestellt ist, stehen die Tiere auf Stroh. Für Jungbauer Andreas Brenner einer großer Gewinn.

Das wollen wir in einer 12-teiligen Serie zeigen, die einen konkreten Agrarbetrieb über ein ganzes Jahr begleitet. 2019 hatten wir bei einer anderen Agrarserie "Das Leben eines Ostalbschweines" dargestellt und die konventionelle Schweinezucht von Tobias Schirrle in Wört-Schönbronn begleitet. 2012 war es der Milchviehbetrieb von Klaus Mayer (Lindenhof), von dem wir über das gesamte Jahr berichtet haben. Nun werden wir von Januar bis Dezember den Lautenhof in Engelhardsweiler begleiten.

Den 60-Hektar-Betrieb bewirtschaftet die Familie Alois Brenner als GBR. 2016 haben sie den gesamten Betrieb auf ökologischen Landbau umgestellt und sind von Bioland zertifiziert. In den Ställen stehen 190 Zuchtsauen mit 500 Ferkeln und 60 Mastschweinen, die über die Ökofleischschiene von Edeka vermarktet werden. Ein Hühnermobil mit 200 Legehennen im Freilauf bringt Eier, die im Hofladen verkauft werden. Auf den Äckern wächst eine umfangreiche Fruchtfolge, Getreide und Leguminosen als Futter für die Tiere, Speisekartoffeln für den Verkauf. Der Lautenhof produziert zudem Solarstrom, auf den Dächern der Gebäude sind 180 KW-Peak Module montiert.

Die Familie Brenner: (v.l.) Simon Brenner, Ingrid Brenner, Alois Brenner, Sarah Brenner, Andreas Brenner.

Die Arbeit teilen sich Vater Alois (58 Jahre), Mutter Ingrid (50) und Sohn Andreas (27) auf, der nach einer Ausbildung als Industriemechaniker auch Landwirt gelernt und die Meisterschule in Landshut absolviert hat. Wenn mehr Hände nötig sind, helfen auch der Sohn Simon, die Tochter Sarah sowie Freunde und Bekannte mit. „Mir macht der Bioanbau einfach Spaß“, sagt Andreas, und: „Wir sind noch nicht perfekt, aber wir lernen jedes Jahr dazu.“

Warum begleiten wir dieses Mal einen Biohof? Weil wir zeigen wollen, wo sich konventionelle und ökologische Landwirtschaft unterscheiden und weil wir herausfinden wollen, ob es wirklich möglich ist, in Baden-Württemberg den Ökolandbau bis 2030 auf 30 bis 40 Prozent der Agrarflächen auszuweiten. Das nämlich ist Ziel des Biodiversitätsstärkungsgesetzes, das die Koalition von Grünen und CDU beschlossen hat.

In unserer Serie wollen wir zeigen, wie die Arbeit im Stall und auf dem Feld aussieht. Die Ferkelaufzucht in Bioqualität: welche Standards gelten bei der Haltung? Welcher Pflanzenschutz ist beim ökologischen Anbau von Getreide- und Kartoffeln erlaubt? Es soll aber auch um die Schreibtischarbeit gehen. Immerhin beklagten die Landwirte bei ihren Protesten den wachsenden bürokratischen Aufwand. Der "gemeinsame Antrag", Voraussetzung für die Agrarsubventionen, die Kontrolle der gemeldeten Kulturen, die Dokumentation von Tierarztbehandlungen. Auf dem Biohof kommen noch Kontrollen des Bioland-Verbandes hinzu, die sicherstellen, dass wirklich bio drin ist, wo später bio drauf steht. Alois und Andreas Brenner werden die Fakten auf den Tisch legen.

Was läuft im Hofladen?

Spannend wird auch sein, wenn es um den Hofladen geht: Wer sind die Verbraucher, die "bio" einkaufen und dafür in den Hofladen kommen? Welche Produkte werden nachgefragt, wie viel sind die Kunden bereit für Bioqualität zu bezahlen?

Jeden Monat soll es eine größere Geschichte vom Lautenhof geben. Im Februar, wenn es auf den Feldern noch nichts zu tun gibt, werden wir uns zunächst den Stall und die Schweinehaltung anschauen.

Serie: "Ein Jahr Biohof"

- Teil 1: Landwirtschaft ist mehr als Ackerbau und Viehzucht

- Teil 2: Ferkelzucht auf dem Biohof: Die Tiere gehen immer vor

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