„Eine Katastrophe“

Wolf im Schwarzwald reißt Kuh „bei lebendigem Leib“ das Fleisch heraus – Landwirte alarmiert

+
Ein hungriger Wolf machte sich im Schwarzwald über eine Rinderherde her (Symbolbild).
  • schließen

Wölfe sind im Schwarzwald derzeit wieder auf dem Vormarsch. Landwirte beobachten die Entwicklung mit Sorge und berichten von Verstümmelungen ihrer Rinder.

Schluchsee - „Es war ein furchtbarer Anblick“: Noch immer sitzt der Schock bei Reinhold Götte tief. An einem Morgen Anfang des Jahres fand der Gastwirt aus der Gemeinde Schluchsee (Schwarzwald) seine Kuh Sabine tot auf der Weide vor. Das hochträchtige Tier sei „von hinten angefressen“ gewesen, das Kalb sei ihr halb aus dem Bauch herausgehangen. „Sie hatte keinen Kehlbiss. Der Wolf muss ihr bei lebendigem Leib das Fleisch hinten herausgerissen haben“, erinnert sich der Wirt im Rückblick gegenüber der ARD.

„Erstmal war ich schockiert“, erinnert sich Götte. „Als wir gesehen haben, wie viel von dem Rind gefehlt hat, war klar: Das kann nicht nur ein Fuchs gewesen sein.“ Inzwischen steht fest: Der Übeltäter war ein Wolf. Auch Göttes Nachbar, Markus Grabner, zeigt sich alarmiert. Der Landwirt fürchtet insbesondere um seine kleinen Kälber. „Das ist eine Katastrophe, das Gefühl“, beschreibt er die Situation. „Weil man ja ständig damit rechnen muss, dass der Übergriff schlagartig kommt.“

Nach Wolfsangriff: Rinder zeigen Verhaltensänderungen – „Waren davor viel zutraulicher“

Nach dem Wolfsangriff zeigten die Rinder von Reinhold Götte Verhaltensänderungen. „Sie waren davor viel, viel zutraulicher“, sagt der Wirt. Bei einem der Rinder habe sich das Verhalten nach dem Wolfsriss „extrem“ verändert. Sobald Götte sich ihm nähert, streckt das Tier ihm seine Hörner entgegen. „Das hätte sie früher nie gemacht“, sagt er.

Um seine Rinder besser zu schützen, hat Götte von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) einen Zaun bekommen. Das reicht dem Landwirt auf Dauer allerdings nicht, wie er sagt. So sei es auch wichtig, „dass der Wolf ins Jagdrecht kommt“ – sprich, dass er in bestimmten Fällen zum Abschuss freigegeben wird. Die bedrohliche Situation, in der sich seine Rinder befinden, sei auch für ihn psychisch belastend und er wolle so etwas „nicht noch einmal erleben“.

Landwirte im Schwarzwald sind wachsam: Wölfe breiten sich in der Region aus

Nur wenige Kilometer entfernt, in Bernau, hat Landwirt Markus Kaiser vergangenen Sommer gleich sechs Kühe an den Wolf verloren. „Dieses Jahr habe ich wirklich Angst“, sagt er gegenüber der ARD. Rund 300 Arbeitsstunden brauche er jedes Jahr, um Weidezäune aufzustellen – allerdings helfen auch die nicht gegen den Wolf. Im Schwarzwald ist man derzeit äußerst wachsam, was die Ausbreitung des Raubtiers betrifft. Erst kürzlich wurde in der Region erstmals ein Wolfsrudel nachgewiesen und Sichtungen der Tiere mehren sich. Ein Mountainbiker beobachtete sogar hautnah, wie Wölfe einen Rehbock fraßen.

Umweltministerium bittet um Mithilfe: Wolfssichtungen melden

Beobachtungen mit Verdacht auf Wolf sollten umgehend der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg gemeldet werden: info@wildtiermonitoring.de oder 0761 4018 274.

Für den Schaden, den ein Landwirt durch den Verlust seiner Nutztiere erfährt, muss er selbst nicht aufkommen. Über den „Ausgleichsfonds Wolf“ wird er zu 100 Prozent entschädigt. Der Ausgleichsfonds wurde vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gemeinsam mit anderen Naturschutzverbänden gegründet. Das Ziel: Betroffenen eine Entschädigung ermöglichen, wenn ein Wolf ein Nutztier reißt und dadurch die Akzeptanz für den Wolf erhöhen. Die Gemeinde Schluchsee liegt im Fördergebiet Wolfsprävention Schwarzwald.

Kommentare