VonMarie Enßleschließen
Wer sich die Schausammlung des Gmünder Prediger-Museums anschaut, kann die fünf Highlights des Museumsleiters entdecken. Wie diese aussehen und wo sie zu finden sind.
Schwäbisch Gmünd. Wer durch die Schausammlung des Gmünder Prediger-Museums geht, kommt an unzähligen Kunstwerken vorbei. Manche - wie beispielsweise der große hölzerne Palmesel mit Reiter und Wagen eines unbekannten Bildhauers um 1500 - fallen dem Betrachter sofort ins Auge. Andere werden gerne übersehen, sind aber unglaublich kostbar und fantastisch gearbeitet, wie Dr. Max Tillmann findet. Der Leiter des Gmünder Museums zeigt fünf Highlights aus 2000 Jahren Kunstgeschichte.
1. Highlight: die kleine Jupiterstatuette aus der Römerzeit
Die kleine Jupiterstatuette aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus ist nur etwa zwölf Zentimeter groß. Besucher finden sie gleich zu Beginn des Rundgangs. Dort geht es um die Römer, die einst Gmünd besiedelt und beispielsweise das Kastell Schierenhof erbaut hatten. Der kleine Jupiter aus Bronze mit Silber- und Kupfereinlagen war ein Zufallsfund, wie Dr. Max Tillmann weiß. Im Kies der Rems bei Gmünd habe man die äußerst filigran gearbeitete Figur im späten 19. Jahrhundert gefunden. Vielleicht habe sie ein römischer Reiter als Talisman genutzt, und sie ist ihm beim Überqueren des Flusses aus der Tasche gefallen. „Danach lag sie fast 2000 Jahre auf dem Grund des Flusses“, erklärt der Museumsleiter.
2. Highlight: Maria mit Kind - ein kleines Ölgemälde aus den Niederlanden
„Maria mit Kind“ - ein kleines Ölgemälde des niederländischen Künstlers Joos van Cleve findet Tillmann besonders beeindruckend. Auf dem Bild, das um 1520 entstanden ist, werde Maria nicht als Herrscherin oder Königin, sondern als gefühlvolle, stillende Mutter dargestellt. Haar, Hände, der Seidenschleier und die Falten des Stoffes seien unglaublich fein gezeichnet, schwärmt der Museumsleiter. Wohl habe der Künstler hierfür eine sehr dünne Feder verwendet, beispielsweise eine Wachtelfeder. Ein privater Sammler hat das Bild dem Museum geschenkt.
3. Highlight: eine sehr wertvolle Figurenuhr mit vergoldetem Einhorn
In Schwäbisch Gmünd kommt keiner am Wappentier vorbei: dem Einhorn. Die allerkostbarste Einhornfigur sei diejenige aus vergoldetem Messing auf einer Figurenuhr, die um 1600 entstanden ist. „Hightech aus der Renaissance“, erklärt Dr. Max Tillmann. Die Automatenuhr ist in Augsburg gefertigt worden, dem damaligen Zentrum für Kunsthandwerk. Der Clou daran: Im Rhythmus der Uhr hat das Einhorn einst das Bein gehoben, das Horn gesenkt und die Augen bewegt. Auf dem Sockel befindet sich das Zifferblatt. Verschiedene Künstler seien daran beteiligt gewesen: ein Goldschmied fürs Einhorn, ein Holzbildhauer für den Sockel aus wertvollem Ebenholz und ein Uhrmacher.
4. Highlight: Marc Chagalls Ölgemälde "Le village rouge"
Vorbei geht es im Prediger-Museum an mittelalterlicher Kunst, an Blättern von Hans Baldung Grien, an Gmünder Gold- und Silbergerät, an Kirchenschätzen und feinen Schmiedearbeiten. Im zweiten Stock finden sich Werke von Baumeister bis Leutze. Highlight Nummer 4 gehört zu den wohl wertvollsten Werken im Museum: Marc Chagalls Ölgemälde „Le village rouge“ („das rote Dorf“), eine großzügige Schenkung eines privaten Sammlers im Jahr 2019. Auf den ersten Blick zeige das Ölgemälde, das um 1965 entstanden ist, ein Liebespaar. Der Mann angezogen, die Frau nackt. Vermutlich sei die Frau tot, der Mann trauere um sie. Im Hintergrund ist ein jüdisches Städtchen zu sehen. Witebsk in Weißrussland, in der Chagall als Sohn einer jüdisch-orthodoxen Arbeiterfamilie aufgewachsen ist. Über der Stadt ein in eine Sonne verwobener Halbmond. „Ein Unglückssymbol“, erläutert der Museumsleiter. Der zweite Blick auf Chagalls Werk zeige die aus den Fugen geratene Welt, eine Anspielung auf den Holocaust und die Katastrophen des 20. Jahrhunderts. Die Verbindung zum einstigen jüdischen Leben in Schwäbisch Gmünd werde durch Chagall deutlich. Deshalb passe das Gemälde so gut in die Schausammlung.
5. Highlight: die Silberkanne "Watering X" des koreanischen Künstlers Dong-hyun Kim
Diese endet mit moderner Kunst. Max Tillmanns liebstes Objekt der Gegenwart ist eine Silberkanne des koreanischen Künstlers und Silberschmieds Dong-hyun Kim mit dem Titel „Kanne Watering X“. Die Kanne aus Sterlingsilber habe eine mit Wellenlinien gestaltete Oberfläche, sei mattiert und nicht hochpoliert und weise zwei Ausgänge auf. Eine von der Form her harmonische, fast meditativ wirkende Vase, schwärmt der Museumsleiter. Dieses Objekt habe der Künstler eigens für die Ausstellung „Timeless silver“ im Prediger angefertigt und dem Museum 2022 geschenkt. Hier lasse sich einerseits eine Verbindung zum einstigen Kunstgewerbemuseum im Prediger ziehen, andererseits zeige es, dass Kunst unglaublich inspirierend wirken könne und sich ein Museum immer weiter entwickle.
Öffnungszeiten des Prediger-Museums
Das Museum im Prediger ist dienstags, mittwochs und freitags jeweils von 14 bis 17 Uhr, donnerstags von 14 bis 19 Uhr, samstags, sonntags und an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Erwachsene zahlen 3 Euro Eintritt, Kinder bis 18 Jahre sind frei.
Alle weiteren Infos zum Museum gibt's online.




