VonJulian Baumannschließen
Die Transformation stellt auch die größten Autozulieferer vor massive Herausforderungen. Bei Bosch, ZF und Mahle gibt es inzwischen aber Zukunftsvereinbarungen.
Stuttgart/Friedrichshafen - Es waren Schocknachrichten für die Mitarbeiter der größten Autozulieferer in Baden-Württemberg: Der Bosch-Betriebsrat sorgt sich um einen drastischen Stellenabbau, da beim größten Autozulieferer der Welt acht von zehn Jobs nach wie vor am Verbrenner hängen, bei der ZF Friedrichshafen wird sogar ein regelrechter Kahlschlag befürchtet und auch Mahle-Chef Arnd Franz erklärte, dass nicht alle deutschen Standorte die Transformation überstehen werden. Inzwischen können die Mitarbeiter an den deutschen Standorten von Bosch, ZF und Mahle aber vorerst aufatmen.
Die Gewerkschaft IG Metall hat mit den Betriebsräten der großen Autozulieferer mit verschiedenen Protestaktionen Druck auf die Arbeitgeberseite aufgebaut, was letztendlich zu Zukunftsvereinbarungen führte. Bosch und die IG Metall erzielten Anfang Juli eine Einigung für die deutschen Standorte, die unter anderem einen Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen bis 2027 vorsieht. In einem Interview mit den beiden federführenden Gewerkschaftern in der aktuellen Ausgabe des IG-Metall-Magazins „Metall“ wird der Zukunftsvertrag bei Bosch als „Vorbild für die Automobilzuliefererindustrie“ bezeichnet.
Bosch mit Kündigungsschutz bis 2027, Zielbilder bei der ZF Friedrichshafen
Die Zukunftssicherung bei der Zulieferersparte von Bosch ist vor allem auch den Bemühungen der Mitarbeiter selbst zu verdanken. „Die Durchsetzung unserer Forderungen gelang nur mithilfe der Beschäftigten“, macht Raphael Menez, Leiter des Transformationsteams der IG Metall Baden-Württemberg, in „Metall“ deutlich. „Die synchronen Betriebsversammlungen an den Standorten mit 17.000 Teilnehmenden, die super Beteiligung an den aktivierenden Befragungen und die großartige Postkartenaktion mit mehr als 20.000 Beteiligten, hat der Unternehmensseite deutlich gemacht, dass die Beschäftigten hinter den Forderungen von Betriebsrat und IG Metall stehen.“
| Name | Robert Bosch GmbH | ZF Friedrichshafen AG | Mahle GmbH |
|---|---|---|---|
| Gründung | 15. November 1886 | 20. August 1915 | 1. Dezember 1920 |
| Hauptsitz | Stuttgart/Gerlingen | Friedrichshafen (Bodenseekreis) | Stuttgart |
| Branche | Autozulieferer, Mischkonzern | Autozulieferer, Mobilitätskonzepte | Autozulieferer |
| Mitarbeiter | 420.300 | 164.869 | 71.947 |
| Leitung | Stefan Hartung (Vorsitzender der Geschäftsführung) | Holger Klein (Vorstandsvorsitzender) | Arnd Franz (Vorstandsvorsitzender) |
| Umsatz (2022) | 88,4 Milliarden Euro | 43,8 Milliarden Euro | 12,4 Milliarden Euro |
Mit der Postkartenaktion hatten sich die Bosch-Mitarbeiter Ende Juni vor der Verwaltungszentrale in Gerlingen (Kreis Ludwigsburg) für einen Zukunftstarif stark gemacht. Neben den Zukunftsvereinbarungen bei Bosch an den deutschen Mobility-Standorten konnte die IG Metall mit dem Betriebsrat nahezu zeitgleich eine ähnliche Einigung bei der ZF Friedrichshafen erzielen. An den meisten Standorten des Stiftungskonzerns vom Bodensee wurden bereits sogenannte Zielbilder für die Transformation vereinbart. Der Autozulieferer bekannte sich zudem auch zum Hauptsitz in Friedrichshafen, zunächst jedoch ohne Jobgarantie.
Mahle schließt betriebsbedingte Kündingungen bis Ende 2025 aus
Der Dritte im Bunde, Mahle mit Stammsitz in Stuttgart, hat Anfang August die Einigung auf einen Zukunftsvertrag und den Anschluss betriebsbedingter Kündigungen bis 2025 verkündet. „Mit dem Zukunftstarifvertag gehen wir einen neuen Weg, damit Mahle auch in Zukunft wettbewerbsfähig ist und an den deutschen Standorten Beschäftigung gesichert wird“, sagte Gesamtbetriebsratschef Boris Schwürz. Der Zukunftsvertrag gilt konkret seit dem 1. August 2023 und läuft bis zum 31. Dezember 2025. „Nun haben alle drei großen Autozulieferer in Baden-Württemberg - ZF, Bosch und Mahle, einen Fahrplan für die Zukunft“, schreibt die IG Metall in der aktuellen „Metall“-Ausgabe.
Die Mitarbeiter der drei größten Autozulieferer im Südwesten können damit erstmal aufatmen. Die Sorge vor einem Stellenabbau kommt allerdings nicht von ungefähr. Die Traditionskonzerne haben jahrzehntelang Komponenten für den Verbrennungsmotor hergestellt, weswegen die Transformation eine besonders große Aufgabe darstellt. Auch deshalb haben die Betriebsräte von Bosch, ZF und Mahle bereits bei der Bundesregierung um Staatshilfen gebeten. Die Zielbilder geben den deutschen Standorten nun zwar eine gewisse Sicherheit, die Arbeit ist aber noch lange nicht getan.
Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand/ZF Friedrichshafen AG

