Ende für Standort Schalke

Autozulieferer ZF zieht die Reißleine: Deutsches Werk mit 200 Mitarbeitern wird Ende 2024 geschlossen

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Das ZF-Werk in Gelsenkirchen steht seit einiger Zeit auf der Kippe. Nun hat der schwäbische Autozulieferer angekündigt, den Standort Ende 2024 schließen zu wollen.

Update vom 11. Dezember, 15 Uhr: Das Werk der ZF Friedrichshafen im Gelsenkirchener Stadtteil Schalke steht seit einiger Zeit auf der Kippe. Befürchtet wurde, dass der schwäbische Konzern die Produktion am Standort einstellen könnte, da Kundenaufträge für Neuansiedlungen ausbleiben. Am Montag, 11. Dezember, erklärte der zweitgrößte deutsche Autozulieferer am Hauptsitz in Friedrichshafen (Bodenseekreis), das Werk in Gelsenkirchen in einem Jahr, also Ende 2024, schließen zu wollen. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa).

Das ZF-Werk in Gelsenkirchen soll Ende 2024 geschlossen werden.

Nachdem das Werk im Stadtteil Schalke bereits im Jahr 2018 vor dem Aus stand, die Schließung durch starke Proteste der IG Metall und unter Mithilfe der nordrhein-westfälischen Landesregierung aber verhindert werden konnte, steht der Standort nun offenbar vollständig vor dem Ende. Der Stiftungskonzern vom Bodensee erklärte, man wolle Verhandlungen mit Arbeitnehmervertretern aufnehmen, um „gute Lösungen für die betroffenen Mitarbeiter“ zu finden. Die ZF beschäftigt derzeit in Gelsenkirchen noch rund 200 Angestellte, die Lenkungen für Autos und Nutzfahrzeuge herstellen.

Erstmeldung vom 6. November: Stuttgart/Friedrichshafen - Die Transformation der Industrie ist für die Autozulieferer mit besonders großen Herausforderungen verbunden. Die ZF Friedrichshafen, nach Umsatz der drittgrößte Autozulieferer der Welt, hat für viele deutsche Standorte sogenannte Zukunftsbilder vereinbart, ein Stellenabbau scheint im Rahmen des Wandels aber auch in Deutschland nicht vom Tisch zu sein. Erst vor einigen Tagen wurde bekannt, dass die ZF im Südwesten – konkret in Saarbrücken – offenbar tausende Stellen abbauen will. Der Konzern revidierte die Anzahl, räumte jedoch Probleme ein.

Dass selbst die größten Unternehmen der Autoindustrie vor Problemen stehen, ist keine neue Entwicklung. Die Betriebsratschefs von Bosch, ZF und Mahle baten sogar bereits in Berlin um Staatshilfen und die IG Metall kämpft seit vielen Monaten um den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg. Laut einem Bericht der WirtschaftsWoche steht allerdings auch das ZF-Werk in Gelsenkirchen (Nordrhein-Westfalen) auf der Kippe, da Kundenaufträge für eine Neuansiedlung ausbleiben.

ZF-Werk in Gelsenkirchen steht nach Rettung im Jahr 2018 erneut auf der Kippe

Der Stiftungskonzern ZF Friedrichshafen hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der größten deutschen Industrieunternehmen entwickelt, sich mit millionenschweren Übernahmen aber übernommen und ist in eine gefährliche Schieflage geraten. Inzwischen ist der Autozulieferer unter dem neuen CEO Holger Klein wieder auf Wachstumskurs und macht auch im Feld der Elektromobilität große Fortschritte, wie ZF unter anderem auf der diesjährigen IAA in München demonstrierte. In Gelsenkirchen bleiben die Kundenaufträge für die geplante Ansiedlung einer elektrischen Lkw-Lenkung aber offenbar aus.

Name ZF Friedrichshafen AG
Gründungsjahr1915
HauptsitzFriedrichshafen, Baden-Württemberg
BrancheAutomobilzulieferer, Mobilitätssysteme
GeschäftsbereicheAutomobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik
Mitarbeiterzahl164.869 (Stand: 2022)
Produktionsstandorte168 in 32 Staaten
Hauptentwicklungsstandorte\t19 in neun Ländern
Umsatz43,8 Milliarden Euro (2022)
Geschäftsführung\tHolger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender)
Anteilseigner93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung

Das ZF-Werk im Stadtteil Schalke hat bereits seit einiger Zeit mit ausbleibenden Aufträgen zu kämpfen. Im Jahr 2018 hieß es, die Produktion am Standort müsse zum Jahresende eingestellt werden, wodurch rund 500 Mitarbeiter ihren Job verlieren würden. Die Schließung konnte nach massiven Protesten der IG Metall und unter Mithilfe der nordrhein-westfälischen Landesregierung vor rund fünf Jahren abgewendet werden, nun steht die Produktion aber erneut vor dem Aus. Ein ZF-Sprecher bestätigte der WirtschaftsWoche, man befinde sich „in Gesprächen mit der Arbeitnehmervertretung, wie wir mit dieser Situation umgehen“.

ZF-Werk in Schalke: Im Falle eines Produktionsstopps wären rund 200 Mitarbeiter betroffen

Als im Jahr 2018 erstmals von einer Schließung des ZF-Werks in Gelsenkirchen die Rede war, war der Schock bei Arbeitnehmervertretern und Politikern groß. Es hätte sich damals nämlich um die erste Werkschließung in der über 100-jährigen Geschichte des Konzerns gehandelt, inzwischen stehen durch den hohen Kostendruck aber auch andere Standorte auf der Kippe. Im vergangenen Jahr hatte ZF angekündigt, das Werk in Eitorf schließen zu müssen und auch der Verkauf von Sparten steht im Raum.

Sollte das Werk der ZF Friedrichshafen in Gelsenkirchen aufgrund des Ausbleibens an Kundenaufträgen tatsächlich die Produktion einstellen, wären laut WirtschaftsWoche 200 Mitarbeiter in der Produktion betroffen. Der Konzern beschäftigt am Standort zudem 150 Angestellte in einem Tech-Center, die mit Entwicklungsaufgaben betraut sind. In der Vergangenheit stand beim großen schwäbischen Autozulieferer sogar die Zukunft des Hauptsitzes zur Debatte. Inzwischen hat sich die ZF aber zum Hauptsitz in Friedrichshafen bekannt, zunächst aber noch ohne eindeutige Jobgarantie.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Olaf Ziegler

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