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Herrenknecht-Chef Martin Herrenknecht kritisiert die Politik, da man nicht mehr ausgeben könne, als man einnehme. Das Familienunternehmen aus Baden-Württemberg ist derzeit auch direkt vom Gaza-Konflikt betroffen.
Stuttgart/Schwanau - Das Familienunternehmen Herrenknecht mit Stammsitz in Schwanau (Baden-Württemberg) produziert Tunnelvortriebsmaschinen, die weltweit zum Einsatz kommen. Gründer und Vorstandsvorsitzender Martin Herrenknecht ist dafür bekannt, auch abseits seines Metiers eine klare Meinung zu vertreten. Der Herrenknecht-Chef spottete etwa gegen E-Autos von Tesla und bezeichnete sie „als billige Mühlen“. Im aktuellen Weltgeschehen, vorrangig den Konflikten zwischen Russland und der Ukraine sowie zwischen Israel und der Hamas, ist der Unternehmer allerdings nicht nur Beobachter von Außen.
In einem Interview mit dem Handelsblatt erklärten Martin Herrenknecht und sein Sohn Martin-Devid Herrenknecht, dass das badische Familienunternehmen nach den Folgen des Ukraine-Krieges auch direkt vom Gaza-Konflikt betroffen sei. Zugleich kritisierten die Herrenknechts, dass der Staat immer mehr Investitionen fordere, obwohl ein Unternehmen nicht mehr investieren könne, als es einnehme. Gerade weil auch der Tunnelbohrspezialist durch den Ukraine-Krieg lukrative Aufträge verloren hat, und durch den Gaza-Konflikt ebenfalls Rückschläge einstecken muss, wird das zunehmend zur Herausforderung.
Herrenknecht-Erbe von Politik enttäuscht, „weil immer viel geredet und kontrolliert wird“
Herrenknecht beschäftigt weltweit rund 5.000 Mitarbeiter, davon gut zwei Drittel am Stammsitz in Schwanau, erwirtschaftet den Großteil des Umsatzes aber seit langem im Ausland. Deshalb kommen Martin Herrenknecht und sein Sohn wohl auch nicht drumherum, die politischen Entwicklungen im Auge zu behalten. „Ich war immer politisch interessiert“, sagte Martin-Devid Herrenknecht im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Inzwischen bin ich aber auch enttäuscht, weil immer viel geredet und kontrolliert wird.“ Man würde in einer Art Blase leben und schaue nicht auf die Welt, was er als eingebildet und teilweise abgehoben bezeichnet.
| Name | Herrenknecht AG |
|---|---|
| Gründung | 1977 als GmbH, 1988 als AG |
| Hauptsitz | Schwanau-Allmannsweiler, Baden-Württemberg |
| Branche | Maschinenbau |
| Produkte | Tunnelvortriebsmaschinen |
| Leitung | Martin Herrenknecht, Vorstandsvorsitzender und Gründer |
| Mitarbeiter | 5.033 |
| Umsatz | 1,232 Milliarden Euro |
„Die Politiker denken, das Geld kommt vom Himmel“, kritisierte auch Martin Herrenknecht Senior. „Als normaler Unternehmer kann man nicht mehr ausgeben, als man einnimmt.“ Der Chef des Familienunternehmens führt aus, dass man durch die Sanktionen in Russland ein Projekt mit vier Maschinen und einem Auftragswert von rund 100 Millionen Euro verloren habe und diese Lücke nun durch Aufträge in anderen Ländern stopfen müsse. „Das ist kein Zuckerschlecken.“ Aufstrebende Konkurrenten wie die aus China, wo auch Herrenknecht derzeit rund 900 Mitarbeiter beschäftigt, würden dagegen mit ganz anderen Finanzierungsmöglichkeiten nach Europa kommen.
Herrenknecht-Chef positioniert sich deutlich: „Wir müssen den Israelis den Rücken stärken“
Der Konflikt in der Ukraine hatte einen deutlichen Einfluss auf die Wirtschaft in Baden-Württemberg. In der Autoindustrie mangelte es zeitweise an Kabelbäumen und auch die hohen Energiepreise machten den Unternehmen zu schaffen. Herrenknecht ist mit seinen Tunnelbaumaschinen jedoch nicht nur in der Ukraine im Einsatz, sondern auch in Israel. „Wir haben in Israel über zehn Mikromaschinen für unterirdische Leitungen und Kanäle im Einsatz“, konkretisierte der Firmenchef. Nach dem Angriff der Terrororganisation Hamas auf Israel habe das Familienunternehmen seine Spezialisten vor Ort sofort zurückgeholt.
Martin Herrenknecht befürchtet nach eigenen Angaben, dass sich die Hisbollah – eine islamistisch-schiitische Partei und Miliz im Libanon – nicht aus dem Konflikt heraushalten werde. „Die Politik sollte alles daransetzen, dies zu verhindern“, machte er deutlich, erklärte aber auch, dass die Präsenz von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) in Israel gut war. „Wir müssen den Israelis den Rücken stärken. Da gibt es keine Diskussion.“
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