VonJulian Baumannschließen
IG Metall und Betriebsrat haben ein Alternativkonzept für das bedrohte Werk von Outokumpu in Hockenheim vorgelegt. Der Konzern hält das nicht für ausreichend.
Update vom 5. März 2024, 15:40 Uhr: Nach der Vorlegung des Alternativkonzeptes gegen die Werkschließung und den Stellenabbau in Hockenheim hat Outokumpu Stellung bezogen. „Das Unternehmen bedankt sich nochmal für die Konzepte, die die Arbeitnehmerseite am 28.02. vorgelegt hat“, heißt es in der Stellungnahme, die die Pressestelle unserer Redaktion hat zukommen lassen. „Nach eingehender Prüfung hat das Unternehmen der Arbeitnehmerseite heute mitgeteilt, dass auch die vorgelegten Maßnahmen leider nicht ausreichend sind, um die zentralen Herausforderungen zu bewältigen.“
Das vorgelegte Konzept würde insbesondere den notwendigen, erheblichen Modernisierungsbedarf außer Acht lassen und die Standorte einzeln und nicht im Verbund betrachten. „Insgesamt beseitigen die Vorschläge damit nicht das Risiko von weiteren, womöglich tiefgreifenderen Restrukturierungen in der Zukunft“, heißt es vom Stahlkonzern. „Outokumpu verfolgt weiterhin das Ziel, die angekündigten Restrukturierungspläne zügig umzusetzen. Dies ist umso wichtiger, damit trotz fortgeschrittener Zeitplanung möglichst keine alternativen Arbeitsplatzangebote verloren gehen und die betroffenen Mitarbeiter zügig Planungssicherheit erhalten.“
IG Metall und Betriebsrat legen Alternativkonzept für Outokumpu-Standort Hockenheim vor
Erstmeldung vom 5. März 2024: Hockenheim - Ende vergangenen Jahres hatte der finnische Stahlkonzern Outokompu angekündigt, einen Standort in Baden-Württemberg Mitte 2024 schließen zu wollen. Konkret handelt es sich um den Standort in Hockenheim (Rhein-Neckar-Kreis), der im Zuge der „Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und der Marktführerschaft bei modernen Werkstoffen“ bis spätestens Juni dieses Jahres geschlossen werden soll, wie der Konzern mit Sitz in Helsinki und Deutschlandzentrale in Krefeld im Dezember 2023 mitteilte. Der erste Bevollmächtigte der IG Metall Mannheim hatte die Verkündung als „vergiftetes Weihnachtsgeschenk“ bezeichnet und „entschlossenen Widerstand“ angekündigt.
Wie die Gewerkschaft aktuell berichtet, haben Betriebsrat und IG Metall für den Outokumpu-Standort im baden-württembergischen Hockenheim ein Alternativkonzept erarbeitet, das die Werkschließung und damit auch den Abbau der dortigen Arbeitsplätze verhindern soll. „Nach wochenlangen Gesprächen und Vorarbeiten keimt nun Hoffnung in Hockenheim auf“, heißt es in der Mitteilung. Eine Reduzierung des aktuellen Personals könnte das Konzept allerdings auch nicht gänzlich verhindern. Die IG Metall konnte im vergangenen Jahr auch verhindern, dass ein Stellenabbau bei einem Autozulieferer im Südwesten so drastisch ausfällt, wie zuvor angekündigt.
Alternativkonzept sieht Sicherung des Standorts Hockenheim und Hälfte der Arbeitsplätze vor
An der Ausarbeitung des Alternativkonzepts für den Standort in Hockenheim waren laut Gewerkschaft neben der IG Metall und dem Gesamtbetriebsrat der Outokumpu Nirosta GmbH, der deutschen Tochter des finnischen Konzerns, auch externe juristische und betriebswirtschaftliche Berater beteiligt. Das Konzept wurde am Montag (4. März) der Belegschaft des Standorts vorgestellt und sieht den Erhalt des Werks sowie knapp der Hälfte der derzeitigen Arbeitsplätze vor. Demnach sind in Hockenheim derzeit 60 Mitarbeiter angestellt, fortgeführt werden soll die Produktion im Rhein-Neckar-Kreis dem Konzept zufolge mit einer Rumpfmannschaft von etwa 23 Angestellten.
| Name | Outokumpu |
|---|---|
| Gründung | 1932 |
| Hauptsitz | Helsinki, Finnland |
| Branche | Metallindustrie |
| Mitarbeiter | 10.390 weltweit |
| Deutschland-Zentrale | Outokumpu Nirosta, Krefeld, Nordrhein-Westfalen |
| Standorte in Baden-Württemberg | Hockenheim (Rhein-Neckar-Kreis), Sachsenheim (Kreis Ludwigsburg) |
Outokumpu Nirosta, der auch einen Standort in Sachsenheim im Kreis Ludwigsburg betreibt, hatte als Grund für die angekündigte Schließung des Standorts Hockenheim, die aktuelle Lage des Stahlmarktes sowie die stark gestiegenen Kosten angegeben. Das Konzept sieht deshalb vor, die Produktionskapazitäten an die aktuellen Erfordernisse des Stahlmarktes anzupassen und die Kosten deutlich zu senken. „Insgesamt beinhalten die Alternativplanungen Einspareffekte allein in Hockenheim von knapp sechs Mio. Euro“, schreibt die IG Metall Mannheim. Zudem könnte auch der Standort in Dahlerbrück (Nordrhein-Westfalen) durch das Konzept vor einer Schließung bewahrt werden.
IG Metall räumt „schmerzhafte Einschnitte“ für Belegschaft ein, sieht aber Zukunft für Hockenheim
Das Konzept muss von der Arbeitgeberseite zunächst kommentiert werden, die Gewerkschaft sieht darin aber eine Möglichkeit, den Standort langfristig zu erhalten. „Damit ist klar: Eine Schließung ist vermeidbar“, erklärt Thomas Hahl, der erste Bevollmächtigte der IG Metall Mannheim. „Das fundierte und durchgerechnete Konzept der Arbeitnehmer/innen würde zwar sehr schmerzhafte Einschnitte bedeuten. Doch eine Komplettschließung kann damit verhindert und der Standort langfristig gesichert werden.“ Die Gewerkschaft werde nun alle Kraft darauf verwenden, die Arbeitgeberseite von dem Konzept zu überzeugen.
Die Mannschaft am Standort von Outokumpu in Hockenheim sei gut ausgebildet, dynamisch und flexibel, sodass bei einer besseren Auftragslage die Produktion schnell wieder hochgefahren werden könne. Eine Schließung würde auf der anderen Seite zum einen den Verlust von ausgebildeten Mitarbeitern und hohe Rückbaukosten bedeuten, so die Gewerkschaft. „Wir fordern den Konzern auf, es sich anders zu überlegen und für die Menschen, Familien und die Region Rhein-Neckar die Signale auf Zukunft zu setzen“, sagt Gewerkschaftssekretär Benedikt Hummel. „Stahl hat Zukunft, auch in Hockenheim.“
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