Hunderte beim Rundgang zu Mahnmalen der Erinnerung in Gmünd

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Stilles Zeichen einer großen Anzahl Menschen: Zehn Minuten dauerte es, bis die letzten Teilnehmenden zum Anfang des Zuges beim Euthanasiedenkmal Lebenszeichen in der Grabenallee aufgeschlossen hatten.
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Vor der Demo gegen Rechtsextremismus geht es am Auschwitz-Gedenktag zu Orten von Naziverbrechen mit gut 500 Menschen, die Geschichte wachhalten wollen.

Schwäbisch Gmünd. Von gut 500 Menschen sprach die Polizei, von bis zu 1000 war unter den Teilnehmenden des Stadtrundgangs die Rede, der zu Orten führte, die mit Verfolgung im Nationalsozialismus zusammenhängen – am Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz und vor der Demo gegen Rechtsextremismus auf dem Johannisplatz.

Auschwitz habe in dieser Gesellschaft Wunden aufgerissen, „die nicht heilen können und die nicht heilen sollen“, hieß es von den Organisatoren vom Bündnis Aufstehen gegen Rassismus. Das Zeichen, das der Rundgang setzte, war weithin sichtbar: Eine immer größer werdende Menschenmenge bewegte sich still durch die Stadt, legte für kurze Zeit den Verkehr zwischen Kaltem Markt und Paradiesstraße lahm. Die Teilnehmenden begaben sich zu Orten, an denen die Vertreter des Bündnisses Aufstehen gegen Rassismus daran erinnerten, wo im Nationalsozialismus in Gmünd weggeschaut wurde, wo es Mitläufer oder überzeuge Nazis gab.

Nie wieder zurück nach Gmünd

So führte der Rundgang zunächst von der Ledergasse in den Türlensteg, wo der Handwerker Alfred Haag mit seiner Frau Lina gelebt hatte. Der Schreiner, Mitglied der kommunistischen Partei, wurde 1933 am Tag nach der Machtergreifung verhaftet, kam ins KZ, später mit der Wehrmacht nach Russland. Auch seine Frau Lina Haag wurde mehrfach verhaftet. Beide kehrten nie wieder nach Gmünd zurück, wo Nachbarn gegafft oder sie sogar bestohlen hatten, während Alfred Haag festgenommen wurde.

Im Türlensteg hören die Teilnehmenden vom Schicksal des Handwerkers Alfred Haag und seiner Frau Lina. Beide wurden von den Nazis mehrfach inhaftiert, Alfred Haag, Mitglied der kommunistischen Partei, musste ins KZ und zur Wehrmacht. Die beiden kehrten nie wieder nach Gmünd zurück, wo sie von Nachbarn geschmäht und bestohlen worden waren.

PH-Studentin Frida (25) lebt seit fünf Jahren in Gmünd, wusste bisher nur vom jüdischen Viertel und dem Euthanasie-Denkmal am Graben. Sie fand es wichtig, ein Zeichen zu setzen „gegen die Verharmlosung der AfD“.

Weiter ging’s zum Kalten Markt und dem früheren Metallarbeiterheim, der Ort erinnert an die Zerschlagung der Gewerkschaften durch die Nazis und die Überführung von deren Eigentum an die der NSDAP angeschlossene Arbeitsfront. Wer dort als Gewerkschafter nicht einzahlte, galt als Volksverräter.

Von gut 500 Menschen sprach die Polizei, von bis zu Tausend die Teilnehmenden - den Verkehr in der Innenstadt legten die wachsende Masse an Menschen, die sich dem Rundgang anschloss, kurzfristig lahm.

Auf dem weiteren Weg, die Menge brauchte die gesamte Breite der Rosen- und der Königsturmstraße, erzählte Landrat Dr. Joachim Bläse, warum er sich unbedingt die Zeit nimmt für diesen Rundgang, aber nicht zur Demo bleiben kann. Er sei wichtig, dass so viele jetzt dabei sind, die noch nie auf einer Demo waren. Unterwegs habe er mit vielen verschiedenen Gruppen gesprochen, es sei wichtig, „dass die Gesellschaft bunt ist“. Dazu gehören Menschen mit Behinderung, sagte er mit Blick auf sein nächstes Ziel, den Fasching für eben diese. Und auf dem Rundgang das Euthanasiedenkmal Lebenszeichen am Graben, das daran erinnert, wie die Nationalsozialisten mit „lebensunwertem Leben“ verfahren sind.

Geschlossen weiter zur Demo

81 Zwangssterilisationen gab es allein in Gmünd, außerdem Zwangsabtreibungen, erfahren die Rundgangsteilnehmer. Dazu den Bezug zur Gegenwart und dem AfD-Europaabgeordneten Maximilian Krah, der zum Thema Abtreibungen gesagt habe, er wolle nicht wissen, wie viele nichtbehinderte Kinder dabei abgetrieben werden.

An den Treppenstufen bei der ehemaligen Synagoge am Bockstor ging es um die ehemals 90 Mitglieder der restlos ausgelöschten jüdischen Gemeinde in Gmünd, um Übergriffe auf jüdische Geschäfte und die Synagoge, an deren Stelle heute die Kreissparkasse steht.

Den Schlusspunkt setzte Joschi Moser vom Aids-Hilfe-Wohnprojekt Rainbow Refugees für homosexuelle Flüchtlinge. Am Flüchtlingsboot am Josefsbach erzählte er von menschenverachtenden Umständen, die Menschen zur Flucht treiben.

Von der Vergangenheit in die Gegenwart: Beim Flüchtlingsboot am Josefsbach endete der Rundgang mit Joschi Mosers bewegten Worten zum Wohnprojekt Rainbow Refugees für homosexuelle Flüchtlinge.

Die Menge löste sich nicht auf. Beinahe geschlossen gingen die Teilnehmenden weiter zur Demo gegen Rechtsextremismus auf dem Johannisplatz.

Hunderte Menschen beim Rundgang zum Auschwitz-Gedenktag, am Bockstorplatz erinnert ein Denkmal an jüdisches Leben in Gmünd und die ehemalige Synagoge, wo heute die Kreissparkasse steht.

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