Es brodelt im Osten

„Stoppt Henry“: Belegschaft kämpft gegen Stellenabbau bei Elektronikkonzern in Baden-Württemberg

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Der Elektronikkonzern TDK plant den Abbau von 300 Stellen in Heidenheim. Die Gewerkschaft IG Metall kündigt Widerstand an.

Heidenheim an der Brenz - Fußballerisch läuft es in Heidenheim durchaus gut, bei der Wirtschaft in der Mittelstadt im Osten Baden-Württembergs gibt es aber so einige Probleme. Ende Februar hat der Heidenheimer Raumausstatter TTL Insolvenz angemeldet, nachdem es bereits zuvor Meldungen von ausbleibenden Gehaltszahlungen und geschlossenen Filialen gegeben hatte. Der Elektronikkonzern TDK hat dagegen angekündigt, bis 2026 die Hälfte der derzeitigen Arbeitsplätze am Standort Heidenheim streichen zu wollen.

TDK Electronics ist ein Hersteller von elektronischen Bauelementen und hat seinen Stammsitz in der bayerischen Landeshauptstadt München. Im baden-württembergischen Heidenheim produziert das Unternehmen Elektronikteile für die Automobilindustrie, große Teile der Produktion sollen jedoch ins Ausland verlagert werden. Nachdem bei der Verkündung des Stellenabbaus Berichten zufolge bereits Tränen geflossen waren, wirft die Gewerkschaft IG Metall dem Unternehmen zudem vor, die Rechte des Betriebsrats missachtet zu haben.

Arbeitnehmervertreter bezeichnen Stellenabbau in Heidenheim als „von langer Hand geplant“

Als TDK Electronics die Belegschaft in Heidenheim an der Brenz am 18. März über den Abbau von rund 300 Arbeitsplätzen informierte, zeigte sich die IG Metall überrascht. Normalerweise würden Unternehmen solche Maßnahmen frühzeitig mit den Arbeitnehmervertretern absprechen, hatte Tobias Bucher von der IG Metall Heidenheim dem SWR erklärt. Da dies im Falle von TDK nicht geschehen sei, sei davon auszugehen, dass der Konzern ein solches Gespräch überhaupt nicht angestrebt hatte. „Das ist von langer Hand geplant – ohne uns“, hatte die Betriebsratsvorsitzende Marion Beylschmidt kritisiert.

Name TDK Electronics AG
Gründung 1999
HauptsitzMünchen, Bayern
Branche Elektronik
Mitarbeiter 24.100
Umsatz 1,8 Milliarden Euro

In einer aktuellen Mitteilung vom 10. April betont die IG Metall Heidenheim, fest hinter der Belegschaft von TDK zu stehen und fordert, den „Kahlschlag“ zu stoppen, den der Elektronikkonzern „Henry“ nennt. Das geht nach Angaben der Gewerkschaft aus ihr zugespielten Informationen hervor. „Dieses ‚Projekt‘ scheint von langer Hand geplant“, schreibt die IG Metall. „Dabei hat der Arbeitgeber offensichtlich Rechte des Betriebsrates missachtet, indem er den Betriebsrat nicht früh genug informiert und beteiligt hat.“

IG Metall wirft TDK vor, keine anderweitigen Lösungen für Heidenheim gesucht zu haben

TDK Electronics will am Standort in Heidenheim Stellen abbauen.

Zudem werfen die Arbeitnehmervertreter TDK vor, in Bezug auf den Stellenabbau in Heidenheim keine Versuche unternommen zu haben, anderweitige Lösungen zu finden. Das Unternehmen hatte die Maßnahme im März mit der schwachen Konjunktur, steigenden Fertigungskosten sowie der verstärkten Konkurrenz aus Asien begründet. Die Gewerkschaft kündigt Widerstand gegen die Entscheidung an. „Die Belegschaft hat etwas Besseres verdient“, heißt es in der Mitteilung. „Die IG Metall Heidenheim wird alle Hebel in Bewegung setzen, um für die Belegschaft das Beste herauszuholen und ‚Henry‘ zu stoppen!“

BW24 berichtete jüngst auch über die Forderung der IG Metall in Bezug auf den Stellenabbau bei Bosch.

Rubriklistenbild: © TDK Electronics

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