Protest gegen Stellenabbau

„Stoppt den Kahlschlag bei Bosch!“: Gewerkschaft stellt Forderungen an Management

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Bei Bosch stehen in mehreren Geschäftssparten tausende Stellen auf dem Spiel. Die IG Metall hat Widerstand angekündigt und stellt Forderungen.

Stuttgart - Das Jahr 2024 begann beim Technologiekonzern Bosch aus Stuttgart mit einer Welle an Hiobsbotschaften. Allein in der Automotive-Sparte, dem umsatzstärksten Geschäftsbereich, will Bosch in den kommenden Jahren kumuliert mehr als 3.000 Stellen abbauen und auch bei den Elektrogeräten ist ein deutlicher Stellenabbau vorgesehen. Zudem haben in der Zwischenzeit auch die Haushaltsgerätetochter BSH und aktuell der Maschinenbauer Bosch Rexroth am Standort Schweinfurt personelle Einsparungen verkündet. Der Betriebsrat und die IG Metall haben für den 20. März zu einem bundesweiten Protest gegen den Stellenabbau bei Bosch aufgerufen.

Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) ist mit weltweit rund 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Christian Johner/dpa
Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
Technologiekonzern Bosch beschäftigt weltweit mehr als 420.000 Mitarbeiter.  © Inga Kjer/dpa
Beschilderung in der Zentrale der Mercedes-Benz Group AG in Stuttgart-Untertürkheim.
Beim Stuttgarter Autokonzern Mercedes-Benz sind mehr als 172.000 Mitarbeiter angestellt. © Corporate Communication (MS/CC)
Drei Fahnen mit dem Logo der ZF Friedrichshafen AG wehen vor dem Forum und der Verwaltungszentrale des Konzerns.
Autozulieferer ZF Friedrichshafen beschäftigt rund 164.000 Mitarbeiter weltweit.  © Felix Kästle/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
SAP ist das größte europäische Softwareunternehmen und hat rund 112.000 Angestellte.  © Uwe Anspach/dpa
Martin Daum, der Vorstandsvorsitzende des Nutzfahrzeugherstellers Daimler Truck, steht vor der Firmenzentrale bei Stuttgart vor einem eActros Lastwagen.
Daimler Truck hat fast 105.000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer im Bereich der Nutzfahrzeuge.  © Bernd Weißbrod/dpa
Eine Mitarbeiterin des Handelskonzerns Würth trägt in einem Gang eines Hochregallagers eine Palette auf einem Gabelstapler.
Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Bereich Befestigungs- und Montagetechnik und beschäftigt mehr als 85.600 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen
Mahle ist mit rund 71.620 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer Deutschlands.  © Marijan Murat/dpa
Die Firmenzentrale der Drogeriemarktkette dm in Karlsruhe.
dm ist der größte Drogeriekonzern Deutschlands und beschäftigt rund 66.000 Mitarbeiter. © Uli Deck/dpa
Ein Schild mit dem Schriftzug "Freudenberg" hängt in Weinheim an einem Bürogebäude des Technologiekonzerns Freudenberg.
Mischkonzern Freudenberg ist gleich in mehreren wichtigen Branchen tätig und beschäftigt fast 51.500 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa

In Bezug auf den genannten Termin, den die Gewerkschaft einen „ersten Aktionstag“ nennt, erklärt die IG Metall Geschäftsstelle Heilbronn-Neckarsulm in einer Pressemitteilung, dass Bosch den immensen Stellenabbau nicht aus einer finanziellen Not heraus angekündigt hat. Zudem stellt die Gewerkschaft konkrete Forderungen an das Management um Konzernchef Stefan Hartung. Der Bosch-Chef selbst erklärte in einem aktuellen Interview jedoch, dass die Zahlen keine endgültigen Angaben seien. Auch bei ZF Friedrichshafen steht ein großer Stellenabbau im Raum, der Betriebsrat befürchtet den Wegfall von tausenden Arbeitsplätzen bis 2030.

IG Metall wendet sich mit Forderungen an das Bosch-Management

In der Mitteilung, die mit dem Aufruf „Stoppt den Kahlschlag bei Bosch!“ betitelt ist, führt die IG Metall den Umfang der angekündigten Personaleinsparungen bei Bosch nochmals auf: „1.500 Stellen in Feuerbach und Schwieberdingen, 950 Stellen in Leonberg, Abstatt, Renningen und Hildesheim, 500 Stellen in Reutlingen, Salzgitter und Ansbach“, sollen demnach abgebaut werden. Zudem wirft die Gewerkschaft dem schwäbischen Weltkonzern den Abbruch von Verhandlungen, die Kündigung von 40-Stunden-Verträgen in Feuerbach und Schwieberdingen sowie Verstöße gegen Betriebsvereinbarungen in Ansbach und Bühl vor.

Der Betriebsrat und die IG Metall haben zu einem bundesweiten Protest gegen den Stellenabbau bei Bosch am 20. März aufgerufen (Archivbild).

Die IG Metall geht demnach zum Frontalangriff gegen den großen Arbeitgeber über und erklärt in der Mitteilung, dass Bosch nicht in einer wirtschaftlichen Krise stecken würde. „Das Gegenteil ist der Fall!“, so die Gewerkschaft. „Bosch wird dieses Jahr ein solides Ergebnis präsentieren - der Umsatz und auch der Gewinn konnten gesteigert werden.“ In Bezug auf Verhandlungen über die Zukunft von Arbeitsplätzen und Standorten würde sich das Management einmauern, weswegen die IG Metall konkrete Forderungen an die Geschäftsleitung stellt:

  • „Gestaltung der Transformation mit und nicht gegen die Beschäftigten“
  • „Gespräche mit dem Gesamtbetriebsrat über Alternativen zum einseitigen Personalabbau und über das Erarbeiten von Zukunftschancen für deutsche Standorte.“
  • „Ansiedlung von Zukunftsprodukten auch bei uns und faire Beteiligung an den Wachstumschancen von Bosch.“
  • „Rückkehr an den Verhandlungstisch.“
  • „Rücknahme der Kündigung der 40-Stunden-Verträge und Verzicht auf weitere derartige Maßnahmen in anderen Geschäftsbereichen.“
  • „Eine Rückkehr zur Kultur des sozialen Miteinanders.“

(Quelle: Pressemitteilung IG Metall Heilbronn-Neckarsulm vom 12. März 2024)

Bosch-Chef will mit Arbeitnehmervertretern „andere Lösungen“ finden

Im Rahmen der Verkündungen des Stellenabbaus in mehreren Geschäftssparten hatte Bosch jedoch stets betont, den Abbau sozialverträglich umsetzen zu wollen und sich in der Automotive-Sparte auch an die im vergangenen Jahr beschlossene Beschäftigungssicherung bis 2027 zu halten. „Bosch hat immer versucht, möglichst sozialverträglich vorzugehen“, sagte Bosch-Chef Stefan Hartung in einem aktuellen Interview mit der Stuttgarter Zeitung und revidierte zudem, dass die zirkulierenden Zahlen zum Stellenabbau bereits endgültig seien. „Es sind keine endgültigen Zahlen, sondern die Größenordnungen, die wir als nötig erachten, um die Wettbewerbslücke zu schließen“, erklärte er.

Laut Bosch-Chef Stefan Hartung sind die aktuell zirkulierenden Zahlen zum Stellenabbau nicht endgültig.

Entgegen der Behauptung der Arbeitnehmervertreter, dass das Bosch-Management Verhandlungen abblocken würde, erklärte Hartung in dem Interview auch, dass die Kopfzahlen möglicherweise auch gar nicht erreicht werden müssten, wenn „wir in den Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern andere Lösungen finden“. Zudem betonte er, dass der Abbau von Arbeitsplätzen nicht bedeuten würde, dass Bosch parallel auch neue Stellen in bestimmten Bereichen aufbauen werde. Der Bosch-Chef hatte allerdings bereits in der Vergangenheit verdeutlicht, dass der Konzern in Zukunft weniger Mitarbeiter beschäftigen werde.

Rubriklistenbild: © Christoph Schmidt/dpa

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