VonJulian Baumannschließen
Bei Bosch stehen in mehreren Geschäftssparten tausende Stellen auf dem Spiel. Die IG Metall hat Widerstand angekündigt und stellt Forderungen.
Stuttgart - Das Jahr 2024 begann beim Technologiekonzern Bosch aus Stuttgart mit einer Welle an Hiobsbotschaften. Allein in der Automotive-Sparte, dem umsatzstärksten Geschäftsbereich, will Bosch in den kommenden Jahren kumuliert mehr als 3.000 Stellen abbauen und auch bei den Elektrogeräten ist ein deutlicher Stellenabbau vorgesehen. Zudem haben in der Zwischenzeit auch die Haushaltsgerätetochter BSH und aktuell der Maschinenbauer Bosch Rexroth am Standort Schweinfurt personelle Einsparungen verkündet. Der Betriebsrat und die IG Metall haben für den 20. März zu einem bundesweiten Protest gegen den Stellenabbau bei Bosch aufgerufen.
Die zehn größten Unternehmen aus Baden-Württemberg




In Bezug auf den genannten Termin, den die Gewerkschaft einen „ersten Aktionstag“ nennt, erklärt die IG Metall Geschäftsstelle Heilbronn-Neckarsulm in einer Pressemitteilung, dass Bosch den immensen Stellenabbau nicht aus einer finanziellen Not heraus angekündigt hat. Zudem stellt die Gewerkschaft konkrete Forderungen an das Management um Konzernchef Stefan Hartung. Der Bosch-Chef selbst erklärte in einem aktuellen Interview jedoch, dass die Zahlen keine endgültigen Angaben seien. Auch bei ZF Friedrichshafen steht ein großer Stellenabbau im Raum, der Betriebsrat befürchtet den Wegfall von tausenden Arbeitsplätzen bis 2030.
IG Metall wendet sich mit Forderungen an das Bosch-Management
In der Mitteilung, die mit dem Aufruf „Stoppt den Kahlschlag bei Bosch!“ betitelt ist, führt die IG Metall den Umfang der angekündigten Personaleinsparungen bei Bosch nochmals auf: „1.500 Stellen in Feuerbach und Schwieberdingen, 950 Stellen in Leonberg, Abstatt, Renningen und Hildesheim, 500 Stellen in Reutlingen, Salzgitter und Ansbach“, sollen demnach abgebaut werden. Zudem wirft die Gewerkschaft dem schwäbischen Weltkonzern den Abbruch von Verhandlungen, die Kündigung von 40-Stunden-Verträgen in Feuerbach und Schwieberdingen sowie Verstöße gegen Betriebsvereinbarungen in Ansbach und Bühl vor.
Die IG Metall geht demnach zum Frontalangriff gegen den großen Arbeitgeber über und erklärt in der Mitteilung, dass Bosch nicht in einer wirtschaftlichen Krise stecken würde. „Das Gegenteil ist der Fall!“, so die Gewerkschaft. „Bosch wird dieses Jahr ein solides Ergebnis präsentieren - der Umsatz und auch der Gewinn konnten gesteigert werden.“ In Bezug auf Verhandlungen über die Zukunft von Arbeitsplätzen und Standorten würde sich das Management einmauern, weswegen die IG Metall konkrete Forderungen an die Geschäftsleitung stellt:
- „Gestaltung der Transformation mit und nicht gegen die Beschäftigten“
- „Gespräche mit dem Gesamtbetriebsrat über Alternativen zum einseitigen Personalabbau und über das Erarbeiten von Zukunftschancen für deutsche Standorte.“
- „Ansiedlung von Zukunftsprodukten auch bei uns und faire Beteiligung an den Wachstumschancen von Bosch.“
- „Rückkehr an den Verhandlungstisch.“
- „Rücknahme der Kündigung der 40-Stunden-Verträge und Verzicht auf weitere derartige Maßnahmen in anderen Geschäftsbereichen.“
- „Eine Rückkehr zur Kultur des sozialen Miteinanders.“
(Quelle: Pressemitteilung IG Metall Heilbronn-Neckarsulm vom 12. März 2024)
Bosch-Chef will mit Arbeitnehmervertretern „andere Lösungen“ finden
Im Rahmen der Verkündungen des Stellenabbaus in mehreren Geschäftssparten hatte Bosch jedoch stets betont, den Abbau sozialverträglich umsetzen zu wollen und sich in der Automotive-Sparte auch an die im vergangenen Jahr beschlossene Beschäftigungssicherung bis 2027 zu halten. „Bosch hat immer versucht, möglichst sozialverträglich vorzugehen“, sagte Bosch-Chef Stefan Hartung in einem aktuellen Interview mit der Stuttgarter Zeitung und revidierte zudem, dass die zirkulierenden Zahlen zum Stellenabbau bereits endgültig seien. „Es sind keine endgültigen Zahlen, sondern die Größenordnungen, die wir als nötig erachten, um die Wettbewerbslücke zu schließen“, erklärte er.
Entgegen der Behauptung der Arbeitnehmervertreter, dass das Bosch-Management Verhandlungen abblocken würde, erklärte Hartung in dem Interview auch, dass die Kopfzahlen möglicherweise auch gar nicht erreicht werden müssten, wenn „wir in den Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern andere Lösungen finden“. Zudem betonte er, dass der Abbau von Arbeitsplätzen nicht bedeuten würde, dass Bosch parallel auch neue Stellen in bestimmten Bereichen aufbauen werde. Der Bosch-Chef hatte allerdings bereits in der Vergangenheit verdeutlicht, dass der Konzern in Zukunft weniger Mitarbeiter beschäftigen werde.
Rubriklistenbild: © Christoph Schmidt/dpa


